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Politik

Demografischer Wandel: Apothekenbus fürs Land

Mittwoch, 14. August 2013

Berlin – Alterung und Schwund der Bevölkerung treffen vor allem ländliche Regionen hart. „Wo die Bevölkerung deutlich geschrumpft ist, lässt sich die gewohnte Versorgung schon heute nicht mehr garantieren“, sagte Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, am Montag in Berlin. Der Niedergang vieler ländlicher Regionen sei nicht zu stoppen, lautet das Urteil der Wissenschaftler. Schon in den Jahren 2005 bis 2010 hätten zwei Drittel aller ländlichen Gemeinden und Kleinstädte Einwohner verloren. Mit sinkenden Einwohnerzahlen wird es für Kommunen immer schwieriger, die gewohnte Infrastruktur zu erhalten.

Das trifft die medizinische Versorgung auf dem Land, wo sich immer mehr Lücken offenbaren, aber auch die Versorgung mit Arzneimitteln. Denn Apotheker müssen ihr Angebot ebenfalls an den demographischen Wandel anpassen: Keine Laufkundschaft, immer weniger Arztpraxen in der Nähe. Unter diesen Bedingungen kommt eine Apotheke wirtschaftlich schnell an ihre Grenzen.

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Um Menschen in ländlichen Gebieten weiter mit Arzneimitteln zu versorgen, seien neue Modelle gefragt, sagte Max Müller, Vorstandsmitglied und Strategiechef von DocMorris am Mittwoch in Berlin. „Wenn die Menschen nicht mehr zur Apotheke kommen können, muss der Apotheker eben zu ihnen kommen.“  Eine Lösung für die flächendeckende Versorgung auf dem Land könnte nach Auffassung von DocMorris ein Apothekenbus bieten. Das Versandapothekenunternehmen hat deshalb einen Prototypen vorgestellt, der in den kommenden Wochen durch Deutschland fahren soll. Damit will Doc Morris die Versorgungslücken in ländlichen und strukturschwachen Regionen thematisieren.

Auf 20 Quadratmeter bietet der Bus Platz für etliche Sideboards und Arzneimittelschränke, aber auch für eine mit Videotelefonieleitung ausgestattete Beratungskabine. Per Videokonferenz könnten sich Patienten also bei Bedarf von einem der Apotheker im DocMorris-Callcenter beraten lassen, erläuterte Müller.

Aus rechtlichen Gründen werden im Bus noch keine Arzneimittel abgegeben. Noch. Die Politik sucht händeringend nach Lösungen für den ländlichen Raum. Der politische Rückhalt für mobile Versorgungskonzepte ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen.

Rollende Apotheken im CDU-Wahlprogramm
Die CDU hat „rollende Apotheken“ nun sogar in ihr Wahlprogramm aufgenommen: „Für mobile Dienstleistungsangebote (zum Beispiel rollende Verkaufs­läden, Apotheken und Banken) wollen wir die Rahmenbedingungen verbessern“, heißt es dort wörtlich. DocMorris macht entsprechend Druck: Auf speziellen Postkarten sollen sich Menschen mit ihrer Unterschrift für Apothekenbusse aussprechen und die Karten an Abgeordnete verschicken.

Auch in der Ärzteschaft wird über das ausgedünnte Apothekennetz diskutiert. Der Hausärzteverband hat sich zuletzt mit einem Dispensierrecht für Ärzte befasst, wie es in anderen Ländern für Hausärzte verbreitet ist.

Um dem ländlichen Raum bei der Bewältigung des demografischen Wandels zu helfen, forderte auch Demografieexperte Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut unter anderem mehr Flexibilität bei den gesetzlichen Vorgaben. Vorschriften, nach denen beispielsweise Taxifahrer keine Waren transportieren dürfen oder Schulen und Klassen eine Mindestgröße haben müssen, seien nicht mehr zeitgemäß.

Die Politik müsse deshalb Gesetze und Normen anpassen und damit den regional höchst unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten Rechnung tragen, heißt es in der Demografiestrategie des Instituts, die am Montag unter dem Namen „Anleitung zum Wenigersein“ in Berlin vorgestellt wurde. Nur so könnten Akteure vor Ort angepasste und flexible Lösungen für regionale Probleme finden. © ank/aerzteblatt.de

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