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Medizin

Mehr Studien nötig zur Druckluft-Bein­manschette gegen Thrombose

Donnerstag, 15. August 2013

Berlin – Weitere Studien zur sogenannten intermittierenden pneumatischen Kompression (IPK) fordern die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesell­schaft für Neurologie (DGN). Manche Schlaganfall-Patienten sterben nicht an den Folgen der Hirnschädigung, sondern an einer Lungenembolie, ausgelöst durch ein Blutgerinnsel aus den Beinvenen. Eine IPK könnte das Risiko einer aktuellen britischen Studie zufolge deutlich senken. Bei dem Verfahren soll eine durch Druckluft gesteuerte Beinmanschette die sogenannte Muskelpumpe ersetzen und so Thrombosen und in deren Folge auch Embolien vorbeugen.

„Etwa einer von zehn bettlägerigen Schlaganfallpatienten erleidet in der Klinik eine tiefe Beinvenenthrombose“, berichtet Martin Grond, Vorsitzender der DGN. Die Gabe von Blutgerinnungshemmern sei eine Möglichkeit, diese Komplikation zu verhindern. Der Standard dafür ist niedermolekulares Heparin (Low Molecular Weight Heparine, LMWH). Kompressionsstrümpfe hätten sich als ineffektiv erwiesen, weil sie die Muskelpumpe nicht effektiv genug unterstützten, so der Schlaganfallexperte aus Siegen.

Hier setzt laut der im Fachjournal The Lancet (DOI: 10.1016/S0140-6736(13)61050-8) erschienenen Studie die Massage mit der Druckmanschette an: Die 2.876 eingeschlossenen Patienten waren nach einem Schlaganfall weitgehend bett­lägerig. Bei jedem zweiten der liegenden Patienten wurden die Druckluft-Manschetten angelegt. Der Wechsel von Druck und Entlastung sollte die natürliche Muskelpumpe ersetzen.

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Die Vergleichsgruppe erhielt keine IPK, einige trugen klassische Thrombosestrümpfe, andere erhielten blutverdünnende Mittel. Nach sieben bis zehn Tagen und nach 25 bis 30 Tagen wurden alle Patienten mittels Ultraschall auf tiefe Venenthrombosen hin unter­sucht.

Der Anteil der Patienten, die nach dem Schlaganfall eine Thrombose in den Beinvenen entwickelte, konnte mit IPK von 12,1 auf 8,5 Prozent gesenkt werden. Auch die Zahl der Lungenembolien war leicht von 2,4 auf 2,0 Prozent verringert, zugleich war die Gesamtsterberate in der IPK-Gruppe bezogen auf einen Zeitraum von sechs Monaten niedriger (13,2 versus 10,8 Prozent).

Aber das Studiendesign macht die deutschen Schlaganfallexperten skeptisch: „Nur 32 Prozent der Patienten der Kontrollgruppe wurden leitliniengerecht behandelt“, kritisiert Joachim Röther von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Das Studiendesign hätte ihm zufolge laut müssen: Druckmanschette plus niedermolekulares Heparin versus niedermolekulares Heparin allein.

„Über die IPK als ergänzende Therapie bei der Thrombosevorbeugung für bettlägerige Schlaganfallpatienten kann also derzeit noch nicht nachgedacht werden. Vorher muss eine positive Vergleichsstudie durchgeführt werden“, so das Fazit der beiden Fachgesellschaften. © hil/aerzteblatt.de

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