NewsÄrzteschaftHausärzteverband widerspricht Barmer: „Hausarztverträge verbessern Versorgung!“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Hausärzteverband widerspricht Barmer: „Hausarztverträge verbessern Versorgung!“

Freitag, 16. August 2013

Ulrich Weigeldt

Berlin – Der Deutsche Hausärzteverband hat Äußerungen von Barmer GEK-Chef Christoph Straub widersprochen, wonach Hausarztverträge nicht nachweisbar zu einer besseren Patienten-Versorgung führten. „Diese Aussagen zeugen von Unkenntnis und spiegeln nicht die Faktenlage wider“, sagte Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes.

Straub hatte am 13. August erklärt, „mit dem Paragrafen 73b ist der Gesetzgeber übers Ziel hinausgeschossen. Bis zum heutigen Tag konnten diese Verträge nicht zeigen, dass durch sie Patientinnen und Patienten besser versorgt werden“. Außerdem hätten die vorhandenen Parallelstrukturen in der hausärztlichen Versorgung keinen spürbaren Beitrag gegen den sich abzeichnenden Ärztemangel in strukturschwachen Regionen geleistet, so Straub.

Anzeige

„Das Gegenteil ist schon längst durch Forschungsergebnisse der Universitäten Frankfurt und Heidelberg sowie durch Patientenbefragungen belegt worden“, widersprach Weigeldt und verwies auf eine im Jahr 2012 aufgelegte Studie unter Leitung von Ferdinand Gerlach, Direktor des Deutschen Instituts für Allgemeinmedizin (DEGAM).

Grundlage für diese Untersuchung von Hausarztverträgen in Baden-Württemberg waren die Behandlungsdaten von 1,4 Millionen Versicherten. Sie zeigte, dass chronisch kranke Patienten bei der durch den Hausarzt koordinierten Versorgung besser und strukturierter versorgt würden als in der Regelversorgung: Sie hätten im Schnitt pro Halbjahr fast zwei Kontakte mehr zu ihrem Hausarzt, was das Patienten-Monitoring aufgrund einer engen Abstimmung deutlich verbessere. Gleichzeitig sinkt laut der Studie der Anteil unkoordinierter und medizinisch nicht erforderlicher Facharztbesuche um 13 Prozent.

„Es wäre wünschenswert, wenn Straub das Gesetz zu Kenntnis nimmt und umsetzt“, so Weigeldt. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #110206
kairoprax
am Sonntag, 18. August 2013, 11:26

Widerspruch zum Widerspruch: es gibt keine Verbesserung der Versorgung durch den § 73b


Wenn es eine Verbesserung der Versorgung sein soll, daß chronisch Kranke im Schnitt zweimal im Jahr mehr den Hausarzt aufsuchen und im Gegenzug der Facharztkontakt um 13 % fällt - mein lieber Joli!

Und mehr Positives zum Hausärztevertrag hat Weigeldt wohl nicht gesagt.

Wenigstens zeigt Ulrich Weigeldts naiv-offene Darstellung seiner "Wahrheit", warum die andere Seite der uneingeschränkten Befürworter der "hausarztzentrierten" Versorgung in Person von Christopher Hermann von der AOK Baden-Württemberg so sehr hinter "ihrer" Hausärztevertragslösung steht, denn sie würde der AOK 13 % Facharzthonorar sparen, wenn endlich alle mitmachen würden.

Derzeit spart die AOK jedoch nicht!

Etwa 3/4 der baden-württembergischen Hausärzte (die nicht Beden-Württemberger mögen das zur Kenntnis nehmen, bevor sie glauben, hier sei das Hausärzteland, wo Milch und Honig fließen!) und geschätze 90% der AOK-Patienten in Baden-Württemberg nehmen an dem Modell garnicht teil.

Sprich, die Leistungen, die ihnen von den "hausarztzentrierten Versorgern" verweigert werden, müssen sie sich außerhalb des Vertrags holen. Die Gerlach'sche Studie der DEGAM hat es leider versäumt, die Zahlen im Ländle als Ganzes zu sehen - hätte sie das getan, wäre diese Abstimmung mit Füßen nämlich evident geworden. So könnte man zwar meinen, die f r e i e n Hausärzte würden mehr und mehr zu den Fachärzten überweisen, während die AOK-g e b u n d e n e n Hausärzte Sparweltmeister sind. Solches geschieht auf dem Boden einer selektiven Wahrnehmung, wie sie ein Selektivvertrag darstellt ... und wenn man Insidern wie der DEGAM den Auftrag zu einer Evaluationsstudie übergibt.

Dieser nachrechenbaren, und deshalb auch von der Weigeldt'schen abweichenden Wahrheit, liegt auch der eigentliche Sinn der Refinanzierungs-Kausel nach Paragraf 73 b Sozialgesetzbuch V. Erst dann, wenn ein wie auch immer geartetes Modell tatsächlich zeigt, daß die Versorgung a) besser und b)preiswerter ist als jedwedes bestehende System, darf sie so breit Fuß fassen, wie Ulrich Weigeldt das gerne für sein Programm hätte. Zu a) hat sich die DEGAM-Studie übrigens mehr als bedeckt gehalten.

Bis dahin hat ohne jeden Zweifel der Barmer GEK-Chef Christoph Straub recht, da kann der HÄV auf dem Kopf stehen und mit den Füßen wackeln. Was die Mehrheit der baden-württembergischen Ärzte betrifft, stehen sie wohl weiter zu einen kollektiven System mit einer gerechten Balance zwischen Fach- und Hausärzten.

Dr. Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
LNS

Nachrichten zum Thema

29. Mai 2020
Stuttgart – In den Haus- und Facharztverträge der AOK Baden-Württemberg sind Teilnehmerzahlen und Arzthonorare im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Das teilte die Krankenkasse heute mit. Demnach lag
Selektivverträge der AOK Baden-Württemberg auf Wachstumskurs
7. Februar 2020
Berlin – Mit mehreren Änderungen will die Große Koalition kommenden Donnerstag das viel diskutierte Faire-Kassenwettbewerb-Gesetz (GKV-FKG) im Bundestag verabschieden. Vor der finalen Sitzung im
Diagnosebezogene Vergütung soll weiter möglich sein
8. Januar 2020
Berlin –Die Techniker Krankenkasse (TK) und der Deutsche Hausärzteverband haben einen neuen Vertrag zur Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) mit einem Schwerpunkt auf digitale Versorgungselemente
TK und Hausärzteverband schließen bundesweiten Hausarztvertrag ab
28. November 2019
Halberstadt – Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Sachsen-Anhalt, Stefan Andrusch, wünscht sich für seine Kollegen weniger unnötigen Ballast und mehr Zeit für schwierige Fälle. Mit
Wunsch nach mehr Entlastung durch Praxisassistenten
2. Oktober 2019
Stuttgart – Der Hausärzteverband Baden-Württemberg, MEDI Baden-Württemberg sowie mehr als 50 Betriebskrankenkassen haben nach zehn Jahren hausarztzentrierter Versorgung (HzV) in Baden-Württemberg ein
Positives Fazit nach zehn Jahren hausarztzentrierter Versorgung in Baden-Württemberg
27. September 2019
Berlin – Die Delegiertenversammlung des Deutschen Hausärzteverbandes (DHÄV) hat heute in Berlin seinen langjährigen Bundesvorsitzenden Ulrich Weigeldt (69) wiedergewählt. Für den Hausarzt aus Bremen
Weigeldt als Bundesvorsitzender des Hausärzteverbandes wiedergewählt
26. September 2019
Berlin – Der Deutsche Hausärzteverband (DHÄV) will die hausarztzentrierte Versorgung (HZV) weiter ausbauen und möglichst flächendeckend ausrollen. Das sei eine der Hauptaufgaben des Verbandes in den
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER