NewsMedizinBypass-Operation: Herzschutz mit Blutdruckmanschette
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Bypass-Operation: Herzschutz mit Blutdruckmanschette

Freitag, 16. August 2013

Essen – Eine wiederholte absichtliche Blutleere im Arm kann den Herzmuskel auf die Strapazen einer Bypass-Operation vorbereiten. In einer randomisierten Doppel­blindstudie im Lancet (2013; 382: 597-604) hat dieses sogenannte Remote Ischemic Preconditioning (RIPC) die Freisetzung des kardialen Markers Troponin I vermindert und die Prognose der Patienten deutlich verbessert.

Die Durchführung des RIPC ist denkbar einfach. Unmittelbar vor der Operation wird eine um den Oberarm gelegte Blutdruckmanschette mehrfach für etwa 5 Minuten aufgepumpt. Auf jede Ischämie folgt jeweils eine Reperfusion über 5 Minuten. Durch mehrere Zyklen des RIPC-Manövers soll eine ischämische Konditionierung ausgelöst werden. Sie soll im gesamten Gefäßsystem wirken und den Herzmuskel beispielsweise bei einer Bypass-Operation unter Verwendung einer Herz-Lungen-Maschine widerstandsfähiger gegen längere Ischämien machen.

Das Prinzip wurde in den letzten Jahren mehrfach in Studien an Bypass-Patienten untersucht und eine kürzlich veröffentlichte Meta-Analyse, kam zu dem Schluss, dass die RIPC die Freisetzung des Ischämie-Markers Troponin aus der Muskulatur senkt (Heart 2012; 98: 1267-1271). Das Team um Gerd Heusch, Direktor des Instituts für Patho­physiologie in Essen, kann dies in der aktuellen Doppelblindstudie an 329 Patienten bestätigen, die sich am Westdeutschen Herzzentrum einer Bypass-Operation unterzogen.

Anzeige

In der Studie wurde das RIPC-Manöver nach Einleitung der Narkose bei der Hälfte der Patienten am linken Oberarm jeweils dreimal wiederholt, während die Blutdruck­manschette in der Kontrollgruppe kein einziges Mal aufgepumpt wurde. Wie Heusch berichtet, kam es bei den Patienten im RIPC-Arm in den ersten 72 Stunden nach der Operation zu einem um 17 Prozent niedrigeren Anstieg des kardialen Troponin I (cTnI) als in der Kontrollgruppe, was den Erfahrungen der früheren Studien entspricht.

Die Essener Wissenschaftler können darüber hinaus erstmals zeigen, dass die verminderte kardiale Schädigung auch die Überlebenschancen der Patienten verbessert: 30 Tage nach der Operation waren im RIPC-Arm 3 Patienten (1,9 Prozent) verstorben gegenüber 6 Patienten (3,6 Prozent) in der Kontrollgruppe. Bei einer weiteren Nachuntersuchung waren in der Kontrollgruppe 5 weitere Patienten gestorben gegenüber keinem weiteren Todesfall im RIPC-Arm.

Dies ergibt eine Hazard Ratio von 0,27, was einer Reduktion der Mortalität um 73 Prozent entsprechen würde. Bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall der Hazard Ratio von 0,08 bis 0,98 sind allerdings noch keine Aussagen über das tatsächliche Ausmaß der Schutzwirkung möglich.

Weitere Erkenntnisse werden vom laufenden ERICCA-Trial erwartet, der die Aus­wirkungen des RIPC derzeit an 28 britischen Herzzentren untersucht. Die Studie ist auf 1.610 Patienten angelegt. Erste Ergebnisse werden für Oktober 2013 erwartet. Weitgehend ungeklärt ist noch immer der Wirkungsmechanismus der RIPC. Die Überlegungen gehen derzeit dahin, dass neben der Ischämie auch die Reperfusion das Muskelgewebe im Herzen schädigt.

Die Anflutung der Mediatoren des Muskelschadens – in der Diskussion sind Sauerstoff-Radikale oder Entzündungszellen – könnte dann durch die RIPC in die Zeit vor dem Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine vorverlegt werden, was einen späteren Schaden begrenzen würde. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG Wort
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER