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Politik

Mehr als 200.000 negative Bescheide für Krankenversicherte

Montag, 19. August 2013

dpa

Berlin – Insgesamt mehr als 230 000 Mal urteilten MDK-Gutachter im vergangenen Jahr bundesweit, dass krankgeschriebene Arbeitnehmer eigentlich gar nicht mehr arbeits­unfähig sind – das sind 16 Prozent der untersuchten Fälle. Die Zahl der vom MDK geprüften Krankschreibungen sank zwar leicht von 1,54 Millionen Fällen im Vorjahr auf 1,47 Millionen. Die Entscheidung, eine attestierte Arbeitsunfähigkeit aufzuheben, fällt dann aber die Kasse. Und Daten dazu fehlen laut Spitzenverband der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV).

„Nach dem Eindruck der Berater nehmen solche Fälle zu“, sagt Storf. Dörte Elß, Bera­terin der Verbraucherzentrale Berlin, meint: „Die Krankenkassen gucken stärker hin, gerade bei Langzeiterkrankten.“ Überraschend sei, dass Kassen auch schon nach wenigen Wochen kritisch nachhakten. Die GKV-Ausgaben fürs Krankengeld stiegen allein vergangenes Jahr von 8,5 auf 9,2 Milliarden Euro.

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK, meint: „Wir haben den Eindruck, dass die Kassen unter dem Damoklesschwert der Zusatzbeiträge alle Anstrengungen zum Sparen unternehmen.“ Als 2010 die ersten Kassen gezwungen waren, den Obolus millionfach einzutreiben, lief ihnen die Kundschaft reihenweise weg. Und Gesundheits­ökonomen und Kassenfunktionäre erwarten, dass die aktuellen GKV-Milliardenreserven bald dahinschmelzen.

Beim VdK werden auch viele vorstellig, die Hilfsmittel wie Hörgeräte nicht im beantragten Rahmen bekommen – oder auch eine Reha. Missstände sieht Mascher hier vor allem bei älteren Patienten: Statt Selbstständigkeit wieder zu lernen, kämen sie oft von der Klinik direkt ins Pflegeheim. „Die Krankenkasse muss eine Reha zahlen, den Nutzen hat aber die Pflegekasse“, erläutert Mascher. „Das befördert nicht die Leidenschaft der Kasse, eine Reha zu zahlen.“

Insgesamt 75.000 Beratungsgespräche wertete die Unabhängige Patientenberatung (UPD) in ihrem im Sommer veröffentlichten Jahresbericht aus – der Verdacht in 4.900 Fällen: Versicherten werden Leistungen, die ihnen zustehen, verwehrt.

Beim Krankengeld wird es laut Mascher besonders heikel, wenn es Druck gibt. Beraterin Storf: „Die Sachbearbeiter der Kassen fragen etwa: Wie lange dauert es denn, bis Sie wieder arbeiten können?“ Es komme auch vor, dass Versicherte zu hören bekommen: „Stellen Sie sich nicht so an.“ Viele empfänden das als schikanös.

Psychische Erkrankungen oft infrage gestellt
Auffällig für die Berater: die vielen Streitigkeiten bei psychischen Erkrankungen wie Depression oder Burnout. „Die Krankheitsbilder werden häufiger infrage gestellt als zum Beispiel Darmkrebs“, meint Storf. Das bedrücke Betroffene zusätzlich.

Die Kassen drängeln offenbar immer wieder anders. „Häufiger berichten Betroffene, dass Gutachten donnerstags in der Post sind – mit der Aufforderung, am Montag wieder arbeiten zu gehen“, berichtet Storf. Für Widerspruch bleibe da wenig Zeit. Auch das Verhalten des MDK stößt oft auf Unverständnis: „Patienten berichten, der Gutachter habe ihn nur zwei, drei Minuten in Augenschein genommen und fragen sich: ,Wie will der Arzt mich so schnell beurteilen?'

Peter Pick kennt die Vorwürfe. Der Geschäftsführer des Medizinischen Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung will zwar einzelne Fehler nicht ausschließen. „Wir führen unsere Begutachtungen sorgfältig durch“, betont er aber. So liege dem Gutachter stets die gesamte Krankengeschichte des Versicherten vor, oft frage er auch beim behandelnden Arzt direkt nach.

„Leichtfertig krankgeschrieben wird in der Regel nicht“, meint Judith Storf. Pick hält dagegen: „Ärzte werden auch immer wieder bedrängt von ihren Versicherten.“ MDK-Mediziner bekämen von den niedergelassenen Ärzten auch zu hören, der MDK solle über eine Krankschreibung entscheiden - nach dem Motto: Spielt Ihr den Bösen. © dpa/aerzteblatt.de

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Medinozos
am Donnerstag, 22. August 2013, 19:27

@baldur

Mein Posting bezog sich hier primär auf den unten stehenden Beitrag von "Bretscher".
baldur
am Donnerstag, 22. August 2013, 09:21

@Medinozos

Und wo ist steht das im Text?
Medinozos
am Mittwoch, 21. August 2013, 20:18

MDK = Med. Dienst der KrankenVERSICHERUNG...

...und nicht der Krankenkassen. Wird aber auch vom Ärzteblatt seit Jahren falsch geschrieben - ob bewusst oder aus Unkenntnis ist mir nicht ganz klar...
popert
am Dienstag, 20. August 2013, 19:32

bürokratische Schikane

Es ist seltsam, dass Ärzte sich bei einer Ausfertigung einer AU von deren Notwendigkeit persönlich überzeugen müssen - der medizinische Dienst der kranken Kassen dies aber sehr oft nach Aktenlage erst mal im Interesse der Kasse ablehnt.
Und dann erst nach viel bürokratischem Hin- und Her bereit ist, sich mit dem Krankgeschriebenen real zu beschäftigen.
Abhilfe:
1. Bei MDK-Entscheidungen nach Aktenlage immer auf sorgfältiger Begutachtung bestehen
2. Kassen sollten eine Strafgebühr für unnötige Bürokratie zahlen
3. Patienten sollten bei ihren Hausärzten nachfragen, welche Kassen gut, kostengünstig und bürokratiearm sind - und dann rechtzeitig wechseln.
Bretscher
am Montag, 19. August 2013, 20:17

Krankschreibung und MDK

Schon der Name "Medizinischer Dienst der Krankenkassen" beweist die Abhängigkeit dieses Dienstes von den gesetzlichen Krankenkassen und damit seine Parteilichkeit. Jeder Gutachter oder Referent eines medizinischen Themas muss seine Kontakte zu Herstellern, Firmen etc offenlegen und ist damit gut einschätzbar, was Objektivität und Interessenkonflikte angeht. Es ist einfach anmaßend und frech. Der MDK ist von Grund auf eine Missgeburt, weil er nicht unabhängig votiert. Bezahlt aus Steuergeldern, wäre er glaubwürdiger.
Gutachten oder besser gesagt Stellungnahmen des MDK zur AU von Versicherten entbehrt jeder wissenschaftlichen und haftungsrechtlichen Basis. Es wird Zeit, dass sich die Versicherten selbst besser organisieren und ihre Interessen selbst in die Hand nehmen, um der permanenten Bevormundung durch die Politik und die Kran­ken­ver­siche­rungen Einhalt zu gebieten.
Bretscher
am Montag, 19. August 2013, 20:17

Krankschreibung und MDK

Schon der Name "Medizinischer Dienst der Krankenkassen" beweist die Abhängigkeit dieses Dienstes von den gesetzlichen Krankenkassen und damit seine Parteilichkeit. Jeder Gutachter oder Referent eines medizinischen Themas muss seine Kontakte zu Herstellern, Firmen etc offenlegen und ist damit gut einschätzbar, was Objektivität und Interessenkonflikte angeht. Es ist einfach anmaßend und frech. Der MDK ist von Grund auf eine Missgeburt, weil er nicht unabhängig votiert. Bezahlt aus Steuergeldern, wäre er glaubwürdiger.
Gutachten oder besser gesagt Stellungnahmen des MDK zur AU von Versicherten entbehrt jeder wissenschaftlichen und haftungsrechtlichen Basis. Es wird Zeit, dass sich die Versicherten selbst besser organisieren und ihre Interessen selbst in die Hand nehmen, um der permanenten Bevormundung durch die Politik und die Kran­ken­ver­siche­rungen Einhalt zu gebieten.

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