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Medizin

Isoniazid verhindert tödliche Tuberkulose bei HIV-Patienten

Mittwoch, 21. August 2013

Baltimore – Die Einführung einer systematischen Isoniazid-Prophylaxe an 29 HIV-Kliniken in Brasilien hat zu einer deutlichen Reduktion der aktiven Tuberkulose-Erkrankungen und der Gesamttodesfälle geführt, wie die beteiligten Forscher in Lancet Infectious Diseases (2013; doi: 10.1016/S1473-3099(13)70187-7) berichten.

Das 1912 synthetisierte Isoniazid, dessen antibiotische Wirkung erst nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wurde, gehört seit mehr als einem halben Jahrhundert zu den Standardmedikamenten gegen die Tuberkulose. Die Welt­gesund­heits­organi­sation empfiehlt das gut verträgliche Mittel seit einigen Jahren auch zur Behandlung von latenten Tuberkulose-Infektionen vor allem bei HIV-Infizierten, bei denen das Risiko einer aktiven Tuberkulose infolge der Immunschwäche hoch ist und bei denen die Tuberkulose mit einem erheblichen Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko verbunden ist.

Dies gilt insbesondere für die HIV-Endemie-Länder. Gerade dort wird die Empfehlung jedoch selten umgesetzt, obwohl INH heute zu einem Preis von unter einem US-Dollar für eine gesamte Behandlung erhältlich ist, beklagt Jonathan Golub von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore.

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Der Tuberkulose-Experte hat die Einführung eines Screening-Programms in Brasilien begleitet. An 29 HIV-Zentren wurden die Mitarbeiter nach und nach in der Diagnostik der Tuberkulose (mittels Hauttest) geschult. Da zwischen den Schulungen der einzelnen Zentren jeweils zwei Monate lagen, konnte Golub die Auswirkungen auf die Inzidenz von aktiven Tuberkulose-Erkrankungen untersuchen.

Von 12.816 HIV-Patienten hatten 1.186 einen positiven Tuberkulose-Hauttest. Sie wurden daraufhin über 6 Monate mit INH in der Dosis von 300 mg/die behandelt. Während der Beobachtungszeit erkrankten 475 HIV-Infizierte an einer aktiven Tuberkulose, und es starben 838 HIV-Infizierte. Wie Golub berichtet, senkte die einmal tägliche Einname von INH die Zahl der aktiven Tuberkuloseerkrankungen um 17 Prozent. Der kombinierte Endpunkt aus aktiver Tuberkulose oder Tod ging sogar um 31 Prozent zurück.

In einer adjustierten Analyse, die Alter, Geschlecht, CD4-Zellzahl und antiretrovirale Therapie berücksichtigt ging die Zahl der Erkrankungen um 27 Prozent und der Endpunkt Tuberkulose oder Tod um 31 Prozent zurück. Patienten, deren Harnproben die aktive Einnahme der Tabletten bestätigten, erzielten sogar einen noch besseren Effekt.

Die Ergebnisse der Studie strafen allen Vorurteilen Lügen, nach denen das Billigmittel unwirksam ist und die Entwicklung von Resistenzen fördert. Beides trifft laut Golub nicht zu. INH hat seine Wirksamkeit behalten und Resistenzen sind in der Behandlung von latenten Infektionen von untergeordneter Bedeutung.

© rme/aerzteblatt.de

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