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Medizin

Poliovirus in Israel

Mittwoch, 21. August 2013

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Polioviren /dpa

Jerusalem – In Israel haben sich mindestens 28 Menschen mit dem Poliovirus infiziert. Dies ergab die Untersuchung von Stuhlproben, die eingeleitet wurden, nachdem das Virus im Mai erstmals in Abwässern nachgewiesen worden war. Keiner der Virusaus­scheider ist erkrankt. Die israelische Regierung hat vorsichtshalber beschlossen, eine im Süden begonnene Impfkampagne auf das ganze Land auszudehnen. Außerdem soll die Surveillance nach Erkrankungen intensiviert werden.

Da der Mensch das einzige Reservoir für Polioviren ist, war klar, dass es Ausscheider geben muss. Es überrascht deshalb nicht, dass die Untersuchung von Stuhlproben, die in der letzten Woche zu 80 Prozent abgeschlossen war, Ausscheider nachgewiesen hat. Erkrankt ist niemand.

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Eine Infektion verläuft bei der Polio zu über 95 Prozent asymptomatisch. Außerdem hatten 26 der 28 Personen, bei denen das Virus in Stuhlproben nachgewiesen wurde, eine Polioimpfung erhalten. Die anderen Personen waren ein zwei Monate alter Säugling, der noch zu jung für eine Impfung war, und eine über 70 Jahre alte Person.

In Israel wird, wie in allen anderen Ländern der WHO-Region Europa die inaktivierte Polio-Vakzine (IPV) verwendet. Sie schützt zwar zuverlässig vor einer Erkrankung, vermittelt aber nur eine schwache mukosale Immunität auf den Schleimhäuten, was den Carrier-Status der Kinder erklärt.

Das israelische Ge­sund­heits­mi­nis­terium hatte bereits nach der Entdeckung der Viren in den Abwässern eine Auffrischung mit der oralen Polio-Vakzine (OPV) beschlossen, die auch vor einer Darminfektion schützt. Die „Schluckimpfung“ war bisher auf den Süden des Landes beschränkt, wo das Virus nachgewiesen worden war. Seit Anfang der Woche wird die Impfung allen Kindern des Landes angeboten, die nach 2004 geboren wurden. Damals war in Israel die IPV-Impfung eingeführt worden.

Aufgrund der hohen Impfquote von 90 bis 95 Prozent ist die Gefahr einer Polio-Epidemie in Israel gering. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) schätzt das Risiko, dass das Virus von Israel in andere Länder verschleppt werden könnte (wo aufgrund der IPV-Impfung die mukosale Immunität ebenfalls gering ist) jedoch für „moderat bis hoch“ ein.

Wie rasch sich das Virus ausbreitet und dass auch Europa nicht gefeit ist, zeigte sich zuletzt 2010, als es in Tadschikistan zu einer Epidemie mit 458 laborbestätigten Erkrankungen kam, und sich das Virus in die benachbarten Länder Russland, Turkmenistan und Kasachstan ausbreitete. Die Epidemie konnte jedoch durch eine rasche Impfkampagne gestoppt werden.

Weltweit ist die Zahl der Polioerkrankungen seit dem Beginn der Global Polio Eradication Initiative in 1988 von damals 350.000 auf weltweit nur noch wenige hundert Erkran­kungen zurückgegangen. Endemisch ist die Polio nur noch in drei Ländern (Nigeria, Pakistan und Afghanistan). Es kann jedoch jederzeit auf andere Länder überspringen wie zuletzt auf Somalia und Kenia, wo in diesem Jahr 100 beziehungsweise 10 Erkrankungen aufgetreten sind. © rme/aerzteblatt.de

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