NewsMedizinGrabfledermaus ist Reservoir von MERS-Viren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Grabfledermaus ist Reservoir von MERS-Viren

Donnerstag, 22. August 2013

Schwarzgeflügelte Grabfledermaus /dpa

New York – Ein Team US-amerikanischer und saudischer Forscher hat offenbar das intensiv gesuchte Reservoir für das mysteriöse Coronavirus gefunden, das in den letzten Monaten auf der arabischen Halbinsel zu 96 Erkrankungen am Middle East Respiratory Syndrome MERS geführt hat mit 47 Todesfällen. Nach dem Bericht in Emerging Infectious Diseases (2013; doi: 10.3201/eid1911.131172) wurde das Virus im Kot der ägyptischen Grabfledermaus, Taphozous perforatus, gefunden.

Die Entdeckung ist das Ergebnis einer gezielten Suche. Beteiligt waren Mitarbeiter des saudischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums, Infektiologen der New Yorker Columbia Universität und Veterinäre von EcoHealth Alliance, einer Non-Profit-Organisation, die 2003 das Reservoir des SARS-Virus – ebenfalls in Fledermäusen – entdeckt hatte. Die Suche hatte im Oktober 2012, kurz nach der Isolierung des neuen Coronavirus beim Menschen begonnen. Sie konzentrierte sich auf die Umgebung der Stadt Bisha, sowie auf die Städte Unaizah und Riyadh, die Hauptstadt des Landes.

Anzeige

Nach den Erfahrungen mit dem SARS-Virus, das 2002/2003 in China aufgetreten war und sich von Hongkong aus in andere Länder bis hin nach Kanada ausbreitete, gehörten Fledermäuse zu den Hauptverdächtigen. Die Angehörigen des Patienten versicherten zwar, dass sie keine Fledermäuse bemerkt hätten, doch die Veterinäre der EcoHealth Alliance bewiesen ein besseres Auge für die Schlafplätze der nachtaktiven Tiere und den Guano, wie die Exkremente der Tiere genannt werden.

Über 3 Wochen wurden 96 verschiedene Fledermäuse gefangen, untersucht und nach Abstrichen und Blutentnahmen wieder freigelassen. Die Proben und der Guano sollten an der Columbia Universität in New York untersucht werden. Doch der US-amerikanische Zoll öffnete die Behältnisse der in flüssigem Stickstoff transportierten Proben, wonach diese bei Zimmertemperatur verdarben. Eine zweite Sammlung gelangte dann im April 2013 sicher in die Laboratorien.

Wie sich herausstellte, sind Coronaviren bei Fledermäusen in Saudi-Arabien weit verbreitet. In insgesamt 28 Prozent der Fäkalien wurden Coronaviren gefunden. Das MERS-Coronavirus wurde jedoch nur bei einer einzigen Art gefunden, der ägyptischen Grabfledermaus Taphozous perforatus. Die genetische Analyse fiel nicht ganz hieb- und stichfest aus, da im April nur Kotproben, aber keine rektalen Abstriche wie im Oktober eingesammelt wurden. Das Team um Ian Lipkin vom Center for Infection and Immunity der Columbia Universität ist sich aber sicher, dass sie das gleiche Coronavirus gefunden haben, das auch die MERS-Erkrankungen ausgelöst hat.

Die Proben wurden weniger als einen Kilometer vom Arbeitsplatz des ersten Patienten gefunden. Die Tiere bewohnten dort ein verlassenes Gebäude in der Nähe eines Obstgartens, eine ideale Kombination für die Grabfledermaus, die tagsüber im ihrer Gruft schläft und in der Dämmerung auf Insektenjagd geht.

Fledermäuse sind ein bekanntes Reservoir von humanpathogenen Viren wie Tollwut-, Hendra-, Nipah-, Marburg- und das SARS-Virus und wahrscheinlich auch das Ebolavirus. Eine Übertragung kann direkt durch den Kontakt mit infizierten Fledermäusen oder deren Kot erfolgen. Aber auch eine indirekte Übertragung über andere Tiere ist möglich. Im Verdacht stehen derzeit Dromedare, in deren Blut kürzlich Antikörper gegen MERS-Viren gefunden wurden. Die US-Forscher haben ebenfalls Kamele untersucht. Die Ergebnisse sollen in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER