NewsPolitikSteigende OP-Zahlen sind „Ausdruck für leistungsfähiges Gesundheitssystem”
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Steigende OP-Zahlen sind „Ausdruck für leistungsfähiges Gesundheitssystem”

Freitag, 23. August 2013

dpa

Berlin – Die Zahl der Operationen in Deutschland ist seit 2005 um mehr als ein Viertel gestiegen. Das geht aus einer Antwort des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Passauer Neuen Presse vorliegen. Danach habe es im Jahr 2005 rund 12,13 Millionen Operationen gegeben, berichtet das Blatt heute. 2011 seien es 15,37 Millionen gewesen.

Steigende Fallzahlen bei Operationen sind aber an sich kein Problem, sondern ein Ausdruck der Leistungsfähigkeit und der Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland. Das betonte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, auf der Diskussionsveranstaltung „Operieren wir in Deutschland zu schnell und zu viel – oder haben wir nur einfach eine bessere Versorgung der Patienten?“. Veranstalter war der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed).

Anzeige

Laut der Antwort des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums hat es im Jahr 2010 in Deutsch­land mit 295 pro 100.000 Einwohner so viele Hüftoperationen wie nirgendwo sonst in Europa gegeben. In Österreich seien es 249, in Frankreich 223 und in den Niederlanden 213 gewesen. Auch bei Knie-OPs liege Deutschland mit 213 Eingriffen pro 100.000 Einwohner im europäischen Vergleich vorne.

Laut Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ist Deutschland dem Blatt zufolge weltweit zudem eines der Länder mit den meisten Kaiserschnitten. Von 1.000 Babys im Jahr 2010 seien 213 per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Im OECD-Vergleich sei der Kaiserschnitt-Anteil mit 447 je 1.000 Geburten lediglich in Mexiko höher gewesen.

Ärztekammerpräsident Montgomery bemängelte, dass bei den Statistiken zu oft „Äpfel mit Birnen verglichen werden“. Er bezog sich damit aber nicht auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Linken, sondern auf neue OECD-Zahlen, die Deutschland angeblich als OP-Weltmeister ausweisen. In einzelnen Fällen wird laut Montgomery zu viel operiert. Die Frage sei aber, ob dies ein Systemproblem sei.

Endoprothetik: Klassisches Alters- und Verschleißproblem
Der BÄK-Präsident veranschaulichte dies am Beispiel der Endoprothetik: Der Gelenk­ersatz sei eine Erfolgsgeschichte, die Patienten von Schmerzen befreie und ihnen ihre Mobilität wiedergebe. Außerdem würden die Deutschen immer älter. „Mehr Endopro­thesen sind ein klassisches Alters- und Verschleißproblem“, so der BÄK-Präsident.

Außerdem werde die Bevölkerung immer dicker, was wiederum zu mehr Verschleiß führe. „Wir können heute Menschen operieren, die vor ein paar Jahren nicht behandelt werden konnten. Und wir versorgen Patienten mit Gelenkersatz unabhängig von der Lebens­erwartung“, sagte Montgomery. Der BÄK-Präsident weiter: „Wir operieren viel, wir operieren schnell, und das mit einer sehr guten Qualität. Deutschland hat das bestfunktionierende Gesundheitssystem“.

Ralf Heyder, Generalsekretär des Verbandes der Universitätsklinika (VUD), bezeichnete auf der BVMed-Veranstaltungen Mengensteigerungen in Krankenhäusern als „nicht negativ“. Sie stünden vielmehr für ein leistungsfähiges Krankenhauswesen in einer älter werdenden Gesellschaft und im Umfeld eines großen medizintechnischen Fortschritts. „Wir müssen aber im Bereich der unabhängigen Versorgungsforschung besser werden, um Ursachen von Entwicklungen besser analysieren zu können“, so Heyder.

Die Linke führt die steigenden OP-Zahlen dagegen auf das deutsche Fallpauschalen­system und eine chronische Unterfinanzierung der Krankenhäuser zurück. „Da werden sinnlose Anreize zum Schneiden gesetzt, während die Mittel bei Heilung und Prävention fehlen. Die Fallpauschale muss fallen“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Klaus Ernst der Passauer Neuen Presse. „Wir müssen zurück zum Prinzip Leistung nach Bedarf“, so Ernst gegenüber dem Blatt.

© hil/dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #104249
Senbuddy
am Dienstag, 27. August 2013, 21:00

Noch genauer gerechnet...

@ Dr. Schätzler:
25 % in 6 Jahren sind sogar nur 3,79 % pro Jahr.
Und das bestärkt Ihre Aussagen ja noch.
Viele Grüße
S.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 26. August 2013, 18:03

Rechnen müsste man können!

Statistische Angaben werden zur besseren Vergleichbarkeit immer pro Jahr angegeben, wie z. B. Exportüberschuss, Handelsdefizit, BIP, Grundlohnsummensteigerung, Preissteigerungsindex bei Waren und Dienstleistungen, Verbraucherpreisindex, Staatsverschuldung, Bundeshaushalt. Der OP-Zahlen-Anstieg von 2005 bis 2011 um 25 Prozent bedeutet in 6 Jahren eine j ä h r l i c h e Progression um 4,167 Prozent. Dies ist bezogen auf den medizinischen Fortschritt, Innovationen bei operativen Verfahren (z. B. Hybrid-OP’s, minimal invasive Verfahren, „fast-track“-Eingriffe) u n d demografische Einflussfaktoren wahrlich k e i n Grund zur Aufregung.

Der Bundeshaushalt ist in derselben Zeit übrigens von 2006 mit 261,6 Milliarden auf 2007 mit 270,5 Milliarden und von 2008 auf 2009 mit 272,3 Milliarden auf 283,2 Milliarden Euro angestiegen. Von 2010 auf 2011 ist der Bundeshaushalt sogar vom Spitzenwert 319,5 Milliarden im Jahr 2010 auf 305,8 Milliarden Euro im Jahr 2011 gesunken. Das ist immerhin ein Netto-Anstieg von 44,2 Mrd. Euro und entspricht einer Steigerung um 16,9 Prozent.

Würde ich ebenso manipulativ rechnen wie die Bundesregierung und nur die Zahlen verwenden, die mir am passendsten erscheinen, könnte ich eine Steigerung des Bundeshaushaltes von plus 21 Prozent (2006-2010) herausrechnen. Die Nettokreditaufnahme lag übrigens im Jahr 2010 bei 80,2 Milliarden Euro. Das waren 25,1 Prozent des gesamten Bundeshaushalts!

Dass die angeblich zu vielen operativen Eingriffe in Deutschland auch noch "auf Pump" gemacht werden, kann nicht mal die Bundesregierung behaupten. Sie hat mit dem Schulden machen einfach selbst mehr Erfahrung.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #669761
Hanschmitz
am Montag, 26. August 2013, 10:27

Alternativen

Seh ich genauso. Es sollte in vielen Fällen nach Alternativen zur typischen OP gesucht werden.
Avatar #94906
ede65
am Freitag, 23. August 2013, 15:08

Naatürlich kann die Klassische Medizin mehr

als vor 30 oder auch 10 Jahren. Ist das aber auch zu Wohl der Patienten? Das Vergütungssystem sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich zwingt die Betreiber dazu zu operieren. Dann gibt es andere Nummern für den Patient mit mehr Geld. Herr Ernst hat recht: "Leistung nach Bedarf" heißt Leistung nach Bedarf der Patienten und nicht der Betreiber der Gesundheitseinrichtungen. Eine Operation oder anderes muss doch immer die ultima ratio sein auch wenn sie immer häufiger und sicherer möglich ist.
LNS

Nachrichten zum Thema

18. Dezember 2018
Hannover – Frauen gehen in Deutschland nach Krankenkassenangaben häufiger zum Arzt als Männer. Zu diesem Ergebnis kommt die KKH Kaufmännische Krankenkasse nach Auswertung der Daten ihrer rund 1,7
Männer drücken sich häufiger vor Arztbesuch
22. Oktober 2018
Fürth – In den 354 Krankenhäusern in Bayern sind im vergangenen Jahr fast 3,1 Millionen Patienten stationär behandelt worden. Das sind 4.266 Kranken­haus­auf­enthalte weniger als noch im Jahr zuvor, wie
Krankenhäuser in Bayern haben weniger Patienten behandelt
28. Oktober 2016
Wiesbaden – Rund 18,7 Millionen Patienten sind 2015 in allgemeinen Krankenhäusern in Deutschland behandelt worden, etwa 38 Prozent oder 7 Millionen Menschen davon wurden in der Klinik auch operiert.
38 Prozent aller Krankenhauspatienten wurden operiert
24. August 2016
Düsseldorf – In den Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen (NRW) haben im vergangenen Jahr fast 40.000 hauptamtliche Ärzte gearbeitet. Das waren 2,6 Prozent mehr als 2015, wie das Statistische
Mehr Ärzte, kaum mehr Pfleger in NRW-Kliniken
9. August 2016
Los Angeles – Die Behandlung auf einer Intensivstation ist fast immer mit höheren Behandlungskosten verbunden, verbessert aber nicht bei allen Erkrankungen die Überlebenschancen, wie in einer Studie
Intensivstationen: Hohe Behandlungszahlen verbessern nicht unbedingt Prognose der Patienten
8. März 2016
Bern – Ein Score aus sieben Parametern, die bei der Entlassung eines Patienten einfach erhoben werden können, hat in einer internationalen Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2016; doi:
HOSPITAL-Score erkennt Risiko einer Wiederaufnahme
2. Dezember 2015
Berlin – Die Zahl der Mandel- und Blinddarm-Operationen bei Kindern und Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren zwar zurückgegangen. Doch nach wie vor bestehen erhebliche regionale Unterschiede bei
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER