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Medizin

Kapillarlecksyndrom unter Filgrastim und Perfilgastrim

Montag, 26. August 2013

Bonn – Die Granulozyten-Kolonie stimulierenden Faktoren (G-CSF) Filgrastim und Perfilgastrim können in seltenen Fällen ein Capillary-Leak-Syndrom auslösen, das durch den Austritt von Flüssigkeiten aus den Blutgefäßen gekennzeichnet ist und das Leben der Patienten durch einen Volumenmangelschock gefährdet.

Filgrastim und Perfilgastrim sind gentechnische Varianten des natürlichen G-CSF, der im Knochenmark die Reifung der Granulozyten fördert. Bei Perfilgastrim ist der G-CSF künstlich mit einem Polyethylenglykol-(PEG)-Molekül gekoppelt, was die Halbwertzeit des Glykoproteins verzehnfacht.

Beide Wirkstoffe können nach einer zytotoxischen Chemotherapie die Dauer der Neutro­penie verkürzen und damit indirekt die Patienten vor lebensgefährlichen Infektionen schützen. Sie werden aber auch bei Stammzellspendern zur Mobilisierung von Knochenmarkzellen eingesetzt. In beiden Indikationen kann es unter der Therapie zu einem Capillary-Leak-Syndrom kommen.

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Für Filgrastim sind seit der Markteinführung, im Zeitraum von April 1991 bis August 2012, weltweit 34 Fallberichte bekannt geworden, darunter war auch ein gesunder Spender, der sich einer Stammzellmobilisierung mit Apherese unterzogen hatte. In zwölf Fällen erholten sich die Patienten nach Absetzen von Filgrastim und einer Therapie mit Kortikosteroiden.

In der Mehrzahl der Fälle trat der Zwischenfall nach der ersten Dosis von Filgrastim auf. In zwei Fällen traten die Symptome sowohl nach der ersten Dosis als auch bei der erneuten Anwendung mit der zweiten Dosis wieder auf. In sechs Fällen war der Ausgang des Capillary-Leak-Syndrom tödlich.

Pegfilgrastim wurde 2002 eingeführt. In den ersten zehn Jahren wurden weltweit vier Zwischenfälle dokumentiert. In zwei Fällen traten die Symptome des Capillary-Leak-Syndroms nach der zweiten Dosis von Perfilgrastim auf. In einem dieser Fälle trat das Capillary-Leak-Syndrom einen Tag nachdem Pegfilgrastim verabreicht wurde, auf, was einen zeitlichen Zusammenhang nahelegt. In einem anderen Fall war der Ausgang des CLS tödlich.

Laut dem Hersteller haben seit der Einführung 8,5 Millionen Patienten Filgrastim erhalten. Pegfilgrastim wurde bei 4 Millionen Patienten eingesetzt. Die Komplikation ist deshalb wahrscheinlich sehr selten (auch wenn die Einzelfallmeldungen niemals ein klares Bild von der Inzidenz geben).

Der Hersteller fordert das medizinische Fachpersonal auf, Patienten und gesunde Spender, die Filgrastim oder Perfilgrastim erhalten, engmaschig bezüglich möglicher Symptome zu überwachen. Das Capillary-Leak-Syndrom ist gekennzeichnet durch allgemeine Ödeme, Atembeschwerden, einer Schwellung im Bereich des Bauchraumes sowie Müdigkeit. Die Symptome können rasch einsetzen und eine Hypotonie, Hypoalbuminämie und Hämokonzentration auslösen. © rme/aerzteblatt.de

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