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Hessen: Geld für hausärztlichen Nachwuchs ist knapp

Dienstag, 27. August 2013

Frankfurt – In Hessen wird kontrovers über die Förderung der allgemeinmedizinischen Weiterbildung diskutiert. Anlass dafür ist, dass das Geld für angehende Hausärztinnen und Hausärzte offenbar nicht ausreicht. „Seit Juli sind die Fördermittel, die 200 Weiter­bildungsplätze in der Allgemeinmedizin finanzieren, in Hessen aufgebraucht. Alle danach eingegangenen Anträge wurden abgewiesen.

Betroffen waren mindestens 28 Nachwuchsmediziner“, kritisierte die Deutsche Gesell­schaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (Degam) am Montag in einer Stellung­nahme. Bis Ende des Jahres gebe es sicher noch Förderbedarf, der nicht befriedigt werden könne: „ein verheerendes Signal in Richtung interessierter Studierender“, so die Degam.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen hat heute allerdings darauf verwiesen, dass am vergangenen Wochenende von der Ver­tre­ter­ver­samm­lung Geld für weitere 25 Vollzeitstellen zur Verfügung gestellt worden sei, und zwar 525.000 Euro. Damit stehen in diesem Jahr 4,7 Millionen Euro der KV für wahrscheinlich 233 Stellen zur Verfügung. Die Krankenkassen in Hessen steuern denselben Betrag bei. „Wir gehen davon aus, dass das Geld erst einmal reicht“, so die KV. Dass die Nachfrage nach Weiterbildungsplätzen in der Allgemeinmedizin höher sei als angenommen, sei grundsätzlich „sehr erfreulich“.

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Leere Töpfe sorgen für Frust
Der Degam reicht das nicht. Ihr Präsident Ferdinand M. Gerlach erklärte: „Ich habe ja Verständnis dafür, dass hessische Haus- und Fachärzte, die sich im bundesweiten Honorarvergleich ohnehin benachteiligt fühlen, wenig begeistert sind, wenn sie die notwendigen Fördermittel aus ihrem Einkommen aufbringen sollen. Nach der Gesetzes­lage sind sie aber genau dazu verpflichtet.“

Gerlach verlangte außerdem, die Verteilung der Fördergelder neu zu organisieren. Der Nachwuchs solle seine Förderung für 60 Monate in Form eines persönlichen Weiter­bildungsbudgets erhalten. Dieser Ansatz wird häufig als Rucksack-Modell bezeichnet. So würden junge Ärzte von Bittstellern zu Nachfragern, argumentiert die Fachgesellschaft. Dass angehenden Allgemeinmedizinern wegen leerer Fördertöpfe quasi die Tür vor der Nase zugeschlagen werde und sie in sozialen Netzwerken frustriert vor einer Weiterbildung in diesem Fach warnten, sei „katastrophal“, so Gerlach.

Ver­tre­ter­ver­samm­lung: Politik und Kostenträger müssen mehr Geld beisteuern
Die Fördergelder für die Weiterbildungsassistenten in allgemeinmedizinischen Praxen müssen jeweils zur Hälfte aus einer Umlage aller KV-Mitglieder und durch die Kranken­kassen finanziert werden. Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KV Hessen hat in einer Reso­lution betont, dass sie in Zukunft ein stärkeres finanzielles Engagement von Politik und Kostenträgern bei der Förderung erwarte.

„Es müssen adäquate Rahmenbedingungen für diejenigen geschaffen werden, die zukünftig die Bürgerinnen und Bürger Hessens medizinisch versorgen sollen“, heißt es. „Angesichts unterdurchschnittlicher Honorierung gibt es an dieser Stelle gerade in Hessen wenig finanziellen Spielraum.“

Vor einem Jahr hatte sich in Hessen eine Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin gegründet. Das gestiegene Interesse am Fach geht sicher auch auf deren Arbeit zurück. In einer Pressemitteilung war damals von einer „deutschlandweit einzigartigen Koopera­tion zusammengeschlossener Partner“ die Rede. Die Koordinierungsstelle ist bei der KV angesiedelt, agiert aber in einem Partnerschaftsverbund gemeinsam mit der Landes­ärztekammer Hessen, der hessischen Krankenhausgesellschaft und entsprechenden Kompetenzzentren an den Universitäten Frankfurt/Main und Marburg. Degam-Präsident Gerlach hat einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in Frankfurt inne.

Dass ihm die Strukturen nicht gefallen, hatte er kürzlich klargestellt. Es gebe Missstände bei der Gewährung der Fördermittel, hatte Gerlach im Juli gegenüber der Ärzte Zeitung erklärt. „Wir müssen die Vergabe der Fördermittel von den bisher zuständigen Institu­tionen – vor allem KVen und Krankenhausgesellschaft – lösen“, forderte er damals. Details hat die Fachgesellschaft in einem Konzept namens „Degam-Verbundweiter­bildung plus“ beschrieben. Darin werden auch fachlich-inhaltliche Komponenten sowie die Infrastrukturkosten der Universitäten thematisiert.

Mit der Vergütung von Haus- und Fachärzten in Weiterbildung im ambulanten Bereich hatte sich in diesem Jahr auch der Deutsche Ärztetag intensiv befasst. Er fordert unter anderem eine angemessene Finanzierung der Stellen im Rahmen der vertragsärztlichen Vergütung. Die Gesamtvergütungen seien dafür im notwendigen Umfang zu erhöhen. Zudem seien für alle Weiterzubildenden bei den Lan­des­ärz­te­kam­mern „Organisations­stellen ambulante Weiterbildung“ aufzubauen. © Rie/aerzteblatt.de

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