NewsMedizinSubkutane ICD in Langzeitanwendung zuverlässig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Subkutane ICD in Langzeitanwendung zuverlässig

Dienstag, 27. August 2013

Chicago – Der erste subkutan implantierbare Defibrillator (S-ICD) hat einen Langzeittest bestanden. Nach den in Circulation (2013; 128: 944-953) vorgestellten Ergebnissen wurden alle Episoden eines Kammerflimmerns erkannt und erfolgreich beendet – allerdings nicht immer im ersten Versuch.

Im Unterschied zu den konventionellen ICD, die in den 80er Jahren entwickelt wurden, kommt der S-ICD ohne eine intravenöse Elektrode aus, dessen Spitze bei den kon­ventionellen ICD bis in die Herzkammer vorgeschoben werden muss. Dies vereinfacht die Implantation des Gerätes, die ohne Röntgendurchleuchtung möglich ist, es senkt das Infektionsrisiko des Patienten und es verhindert Elektrodenbrüche, die in den letzten Jahren bei anderen ICD zu Rückrufaktionen geführt hatten.

Anzeige

Der Nachteil des S-ICD besteht darin, dass die Detektion des Kammerflimmerns erschwert wird und ein stärkerer Stromstoß erforderlich ist, um die ventrikuläre Arrhythmie zu beenden und einen drohenden Herzstillstand zu verhindern.

Die neue Idee stieß nicht überall auf Zustimmung, und im letzten Jahr berichteten Privatdozent Ali Aydin vom Universitären Herzzentrum Hamburg, dass der S-ICD die 21 Episoden, die bei 4 Patienten aufgetreten waren, nur zu 58 Prozent im ersten Versuch beenden konnte (Circ Arrhythm Electrophysiol 2012; 5: 913-9). Das Gerät gibt in diesem Fall allerdings weitere Impulse ab, die in der Regel effektiv sind.

In der aktuellen Studie, deren Ergebnisse Martin Burke vom Heart Rhythm Center der Universität Chicago vorstellt, konnten 35 von 38 Episoden einer ventrikulären Tachy­kardie oder Fibrillation, zu denen es bei 21 von 314 Studienteilnehmern gekommen war, im ersten Versuch beendet werden. Bei den anderen drei Patienten waren weitere Stromstöße notwendig. Am Ende konnten jedoch alle Patienten gerettet werden (eine leichte Unsicherheit ergibt sich daraus, dass die Todesursache bei zwei von acht verstorbenen Teilnehmern nicht geklärt werden konnte).

Der S-ICD ist aber, wie auch die konventionellen ICD, nicht frei von Fehlalarmen. Bei 41 Patienten (13,1 Prozent) löste der S-ICD einen Stromstoß aus, obwohl dies nicht notwendig gewesen wäre. Auch Infektionen sind möglich. Bei vier Patienten musste der S-ICD vorzeitig entfernt werden. Alle Fälle traten zu Beginn der Studie auf und nach Ansicht von Burke sind Infektionen in der Regel vermeidbar.

Trotz der Einschränkungen erfüllte die Studie die Anforderungen der Food and Drug Administration (FDA). In den USA wurde der S-ICD aufgrund der Ergebnisse der aktuellen Studie im letzten Jahr zugelassen. In Europa, wo die Zulassungshürden geringer sind, konnte der Hersteller Boston Scientific das Gerät bereits 2009 auf den Markt bringen.

 

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

29. Mai 2020
Montreal − Seit 1983 bereitet das Montreal Heart Institute Herzschrittmacher und später auch implantierbare Kardioverter/Defibrillatoren (ICD) von Verstorbenen auf, die dann in ärmeren Staaten
Recycelte Herzschrittmacher und ICD mit niedrigem Infektionsrisiko
19. März 2020
Boston − Patienten mit einem implantierten Cardioverter/Defibrillator müssen die Nähe von Magneten meiden, da es sonst zu einer Funktionsstörung des Geräts kommen kann. Den wenigsten Patienten
E-Zigaretten störten Funktion eines implantierten Cardioverters/ Defibrillators
5. September 2019
Kopenhagen – Ein Drittel aller Patienten, denen ein automatischer Kardioverter/ Defibrillator (ICD) implantiert wurde, fährt trotz Verbots weiter Auto. Darunter waren in einer Umfrage aus Dänemark,
ICD: Jeder dritte Patient fährt trotz Verbots weiter Auto
12. August 2019
Potsdam – Das Brandenburger Arbeitsministerium hat auf Sicherheitsrisiken durch automatisierte externe Defibrillatoren (AED) der Marke Telefunken (Modell FA1 und HR1) aufmerksam gemacht. Wie jetzt
Sicherheitswarnung zu Defibrillatormodellen von Telefunken ausgegeben
7. August 2019
Bad Nauheim – Herz-Schrittmacher und Defibrillatoren werden von elektromagnetischen Feldern im Alltag in der Regel nicht beeinträchtigt, sofern sie nach Herstellerempfehlung programmiert sind. Darauf
Herz-Schrittmacher und Defibrillatoren von elektromagnetischen Feldern im Alltag oft nicht beeinträchtigt
24. April 2019
Peking – Chinesische Forscher haben einen Herzschrittmacher entwickelt, der ohne Batterie auskommt. Ein Prototyp hat laut einem Bericht in Nature Communications (2019; doi: 10.1038/s41467-019-09851-1)
Herz versorgt Schrittmacher mit Strom
17. April 2019
Würzburg – Ein 6-wöchiges moderiertes Internettraining ist geeignet, um Patienten mit einem implantierten Kardioverter-Defibrillator (kurz ICD) Ängste zu nehmen und ihre Lebensqualität zu verbessern.
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER