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Medizin

Schilddrüsenkrebs: Studie fordert striktere Ultraschallkriterien

Dienstag, 27. August 2013

/fotolia

San Francisco – Striktere Kriterien für sie sonographische Untersuchung könnten bei einem Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom die Zahl unnötiger Biopsien senken. US-Mediziner schlagen in JAMA Internal Medicine (2013; doi: 10.1001/jamainternmed.2013.9245) aufgrund einer retrospektiven Studie drei Kriterien vor, die ein Editorialist jedoch infrage stellt.

Die Überdiagnose und Übertherapie des Schilddrüsenkarzinoms ist ein bekanntes Problem. Am Anfang steht häufig ein Tastbefund, abnorme Laborwerte oder ein Zufallsbefund in Computer- oder Kernspintomographie. Der nächste Schritt besteht in einer Ultraschalluntersuchung.

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Wenn dort ein größerer Knoten gesehen wird, folgt in der Regel eine Feinnadelbiopsie, deren Ergebnis jedoch häufig ein Karzinom nicht ausschließen kann. Im Zweifelsfall wird operiert. Die Zahl der Schilddrüsenoperationen überragt die Zahl der Schilddrüsen­karzinome bei weitem.

Striktere Kriterien für die Ultraschalluntersuchung wären eine Möglichkeit, die Zahl der unnötigen Operationen zu senken, glaubt Rebecca Smith-Bindman von der Universität von Kalifornien in San Francisco, die zu diesem Zweck die sonographischen Befunde von 102 Patienten auswerten ließ, bei denen später ein Schilddrüsenkarzinom entdeckt wurde. Der Vergleich mit 515 Kontroll-Personen ohne Krebs zeigt das Dilemma. Zwar hatten 97 Prozent aller Krebspatienten in der Ultraschalluntersuchung einen Knoten, doch dies war auch bei 56 Prozent der Kontrollen der Fall.

Die nähere Auswertung der Befunde durch Ärzte, die nicht wussten, welche Patienten tatsächlich an Krebs erkrankt waren, lieferte drei Prädiktoren: Mikroverkalkungen erhöhten das Krebsrisiko um den Faktor 8,1, eine Knotengröße von 2 Zentimetern oder mehr erhöhte das Risiko um den Faktor 3,6 und eine gleichmäßige Struktur im Ultraschall „solid composition“ war mit einem 4-fachen Risiko verbunden. Die Beschränkung der Feinnadelbiopsie auf Patienten, die wenigstens zwei der drei Kriterien erfüllen, könnte 90 Prozent aller Biopsien vermeiden, rechnet Smith-Bindman vor.

Die Zahl der dabei übersehenen Karzinome wäre nach Ansicht der Autorin vertretbar. Laut der Studie, die insgesamt 8.806 Patienten im Krebsregister recherchiert hat, waren 2 von 1000 Personen, die bei der Ultraschalluntersuchung keines der drei Kriterien erfüllten, an einem Schilddrüsenkarzinom erkrankt. Wenn der Knoten eines der Kriterien erfüllte, stieg dieser positive Vorhersagewert auf 18 von 1.000 Personen, bei zwei Kriterien waren 62 von 1.000 Personen erkrankt, bei drei Kriterien waren es 960 von 1.000 Personen, also fast jeder.

Als retrospektive Untersuchung ist die Studie anfällig für Verzerrungen. Der Editorialist Erik Alexander von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore wundert sich über die ungewöhnlich niedrige Prävalenz von Krebserkrankungen in der Kohorte von nur 1,6 Prozent und gibt zu bedenken, dass die Ergebnisse einer Ultraschall­untersuchung sehr stark von der Erfahrung des Untersuchers abhängen. © rme/aerzteblatt.de

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