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Medizin

Fluconazol: Kein Hinweis aus Teratogenität in Studie

Donnerstag, 29. August 2013

Kopenhagen – Die Kinder von Frauen, denen das Pilzmittel Fluconazol in der Schwangerschaft verordnet wurde, zeigten in einer bevölkerungsweiten Studie im New England Journal of Medicine (2013; 369: 830-839) keine erhöhte Rate von Fehlbildungen – mit der Ausnahme der seltenen Fallot-Tetralogie.

Ein teratogenes Potenzial von Arzneimitteln ist häufig schwer zu erkennen und die Arzneibehörden gehen in dieser sensiblen Frage auf Nummer sicher. Im März 2011 erklärte die US-Arzneibehörde FDA Fluconazol in der oralen Anwendung für teratogen. Grundlage waren fünf Fälle von Fehlbildungen bei Kindern von Schwangeren, die über längere Zeit und hoch-dosiert mit dem Pilzmittel behandelt worden waren.

Zu den häufigsten Indikationen für Fluconazol gehört die vaginale Candidose, die in der Schwangerschaft häufig ist. Die Therapie erfolgt zwar zunächst topisch, in hartnäckigen Fällen wird jedoch häufig eine orale Therapie mit Fluconazol durchgeführt. In Dänemark wurde zwischen 1996 und März 2011 insgesamt 7.352 Schwangeren Fluconazol verordnet.

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Von diesen brachten 210 Frauen ein Kind mit einem Geburtsfehler zur Welt, wie Ditte Mølgaard-Nielsen vom Statens Serum Institut durch den Abgleich verschiedener Register ermittelte (wo die Personen dank der zentralen Identifikationsnummer aller Dänen leicht ermittelt werden können).

Die Tatsache, dass 2,86 Prozent aller intrauterin mit Fluconazol exponierten Kinder mit einer Fehlbildung zur Welt kamen, belegt allerdings nicht das teratogene Potenzial des Wirkstoffs. Denn auch unter den 968.236 nicht-exponierten Kindern gab es 25.159 Fehlbildungen, was einer Rate von 2,60 Prozent entspricht. Der Anstieg des Risikos um 6 Prozent (Odds Ratio) fiel bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,92 bis 1,21 nicht signifikant aus.

Dank der großen Fallzahl konnte Mølgaard-Nielsen Einzelanalysen zu 15 verschiedenen Fehlbildungen durchführen. Bei 14 Fehlbildungen wurde kein erhöhtes Risiko gefunden. Die einzige Ausnahme bildete die Fallot-Tetralogie. Dieser schwere Herzfehler (mit Pulmonalstenose, Ventrikelseptumdefekt, reitender Aorta sowie Rechtsherzhypertrophie) trat bei 7 Fluconazol-exponierten Kindern auf (Prävalenz 0,10 Prozent) gegenüber 287 Fällen bei nicht-exponierten Kindern (Prävalenz 0,03 Prozent), was in einer adjustierten Analyse eine Odds Ratio von 3,16 (1,49-6,71) ergab.

Mølgaard-Nielsen schließt einen Zufallsbefund nicht aus. Doch selbst wenn Fluconazol hier teratogen sein sollte, wäre die Gefahr nicht allzu hoch, findet sie, da in Dänemark jährlich nur 20 Kinder mit dieser Fehlbildung geboren werden, rein rechnerisch wären 0,3 Fehlbildungen pro Jahr auf den Einsatz von Fluconazol zurückzuführen. © rme/aerzteblatt.de

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