NewsMedizinObst senkt Diabetesrisiko, Obstsäfte aber nicht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Obst senkt Diabetesrisiko, Obstsäfte aber nicht

Freitag, 30. August 2013

dpa

Boston – Der Verzehr von Obst, insbesondere von Heidelbeeren, Äpfeln und Wein­trauben, Bananen und Grapefruit war in drei prospektiven Beobachtungsstudien im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 347: f5001) mit einer verminderten Rate von Erkran­kungen am Typ 2-Diabetes assoziiert. Der Konsum von Fruchtsäften steigerte dagegen das Risiko.

Der Einfluss von Obst auf den Typ 2-Diabetes ist ein beliebtes Thema von epidemio­logischen Untersuchungen, deren Ergebnisse in der Vergangenheit jedoch uneinheitlich waren. Mit 187.382 Teilnehmern und einer Nachbeobachtungskapazität von 3,4 Millionen Personenjahren, dürfte die aktuelle Untersuchung des Teams um den Ernährungs­wissenschaftler Qi Sun von der Harvard School of Public Health in Boston aber die bisher umfangreichste Unternehmung dieser Art sein.

Anzeige

Das Team fasste die Ergebnisse aus drei prominenten US-Beobachtungsstudien zusammen. Die Teilnehmer von Nurses' Health Study, Nurses' Health Study II und Health Professionals Follow-up Study wurden regelmäßig nach ihren Lebens- und Ernährungs­gewohnheiten befragt. Die Epidemiologen setzten die Angaben dann mit der Erkrankung an einem Typ 2-Diabetes in Beziehung. Die hohe Zahl von Erkrankungen – ein Typ 2-Diabetes wurde im Verlauf der Studie bei insgesamt 12.198 Teilnehmern (6,5 Prozent) diagnostiziert – ermöglichte relativ detaillierte Untersuchungen.

Für alle Obstsorten zusammen konnte Sun keine protektive Wirkung nachweisen. Personen, die drei oder mehr Portionen Obst pro Woche verzehrten, erkrankten zu 2 Prozent seltener am Typ 2-Diabetes. Die Hazard Ratio von 0,98 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,96 bis 0,99 zwar statistisch signifikant, praktisch aber ohne Bedeutung.

Interessanter sind die Ergebnisse zu den einzelnen Obstsorten. Am größten war der Effekt für den Verzehr von Kulturheidelbeeren. Drei Portionen in der Woche senkten das Risiko um 26 Prozent (Hazard Ratio HR 0,74), für Weintrauben und Rosinen wurde eine Verminderung um 12 Prozent (HR 0,88) gefunden. Der Verzehr von Äpfeln und Birnen war mit einem um 7 Prozent niedrigeren Diabetesrisiko assoziiert (HR 0,93), Bananen und Grapefruit könnten das Risiko jeweils um 5 Prozent (HR 0,95)(0.91 to 0.99) senken.

Honigmelonen waren dagegen mit einem Anstieg um 10 Prozent assoziiert (HR 1,10). Die gleiche Menge Obst in Säften konsumiert erhöhte das Diabetesrisiko um 8 Prozent (HR 1,08), wobei der Ersatz der Säfte durch die Originalfrüchte für jede Obstsorte das Risiko senkte (um 33 Prozent für Heidelbeere, um 19 Prozent für Weintrauben und Rosinen, um 13 Prozent für Bananen und um 14 Prozent für Äpfel und Beeren).

Beobachtungsstudien können keine Kausalität herstellen, und die Frage, ob der Obst­konsum oder etwaige andere günstige Ernährungs- und Verhaltensweisen von Obstliebhabern für das niedrige Risiko verantwortlich sind, lässt sich letztlich nicht klären. Ein plausibler Wirkungsmechanismus könnte die Argumentation stützen.

Heidelbeeren, Äpfel und Weintrauben enthalten größere Mengen Anthocyanine, die nach einer Hypothese die Glukoseverwertung verbessern könnten. In einer früheren Studie hatte Sun eine inverse Assoziation mit dem Anthocyaningehalt, also eine potenziell protektive Wirkung gezeigt.

Doch in der jetzigen Analyse hatte der statistische Ausschluss dieses Faktors keinen Einfluss auf die Ergebnisse. Eine andere Hypothese schreibt Resveratrol, das vor allem in der Haut von Weintrauben enthalten ist, eine protektive Substanz zu. Doch randomisierte klinische Studien haben keinen sicheren Einfluss auf den Glukose­stoffwechsel aufdecken können.

Auch Annahmen über eine protektive Wirkung von Chlorogensäure (in Pflaumen, Pfirsichen, Aprikosen und Äpfeln enthalten) oder Naringin (einem Glycosid in Grapefruits) sind nach Auskunft von Sun nicht belegt. Und einen Einfluss des glykämischen Index oder der glykämischen Last (die den postprandialen Glukoseanstieg bewerten) glaubt Sun ausschließen zu können. So dürfte die Frage nach dem Einfluss von Obst auf das Diabetesrisiko weiterhin offen bleiben. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Februar 2019
Genf – Die Behandlung des Typ-1-Diabetes könnte in Zukunft in einer genetischen Umprogrammierung von Hormonzellen der Langerhansinseln bestehen. Schweizer Forscher zeigen in Nature (2019; doi:
Diabetes: Umprogrammierte Pankreaszellen produzieren Insulin
12. Februar 2019
Berlin – Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) will sich bei der digitalen Transformation des Gesundheitswesens aktiv einbringen und eine „Positionsbestimmung“ als wissenschaftliche
Diabetespatienten profitieren erheblich vom digitalen Fortschritt
11. Februar 2019
Cambridge/Massachusetts – US-Forscher haben eine Pille entwickelt, die während der Magenpassage Insulin in die Schleimhaut injiziert, bevor sie unversehrt über den Darm ausgeschieden wird. Erste
Typ-2-Diabetes: Schmerzlose Pille injiziert Basalinsulin in die Magenschleimhaut
7. Februar 2019
Düsseldorf/Berlin – Die Zahl der an Diabetes Typ 2 erkrankten Menschen in Deutschland wird nach neuen Berechnungen viel stärker ansteigen als bisher prognostiziert. Wissenschaftler gehen nun von einem
Wissenschaftler prognostizieren stärkeren Anstieg bei Typ-2-Diabetes
4. Februar 2019
London – Der selektive SGLT2-Hemmer Dapagliflozin, der für Patienten mit Typ-2-Diabetes entwickelt wurde, soll künftig auch für Patienten mit Typ-1-Diabetes als Ergänzung zur Insulintherapie
EMA hält SGLT2-Inhibitor auch bei Typ-1-Diabetes für geeignet
1. Februar 2019
Boston – Ein starker Preisanstieg bei den Insulinanaloga veranlasst in den USA viele Krankenversicherer, Patienten mit Typ-2-Diabetes wieder auf vergleichsweise günstiges humanes NPH-Insulin
Typ-2-Diabetes: Könnten Patienten gefahrlos von Kunst- auf Humaninsulin wechseln?
30. Januar 2019
München – Der Ausbruch der chronischen Stoffwechselerkrankung Diabetes Typ 1 könnte künftig verhindert werden. Mit der POInT-Studie geht jetzt die erste Prävenionsstudie von der Pilotphase über in die
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER