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Ärzteschaft

„Verhandlungen mit den Krankenkassen sind und bleiben hart“

Montag, 2. September 2013

Berlin – Bisher drang wenig aus den Honorarverhandlungen für die ambulante Versorgung nach draußen. Eines ist jedoch beschlossen: Über die Anpassung der Gesamtvergütung muss am 25. September der Erweiterte Bewertungsausschuss entscheiden. Andreas Köhler über das zukünftige Verhältnis zu den Krankenkassen und Weichenstellungen nach der Wahl. 

5 Fragen an Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)

DÄ: Welche gesundheitspolitischen Themen muss die nächste Bundes­regierung vordringlich angehen?
Köhler: Die Gremien der KBV haben bereits im März dieses Jahres in einem Positionspapier eindeutig beschrieben, welche gesundheitspolitischen Maßnahmen auch durch Gesetzgebung ergriffen werden müssen, um die flächendeckende und wohnortnahe ambulante Versorgung mit nieder­gelassenen Ärzten und Psychotherapeuten für die Zukunft zu sichern. Zu unseren Forderungen zählt unter anderem auch die Wiederherstellung der diagnostischen und therapeutischen Freiheit.

Die Krankenkassen dürfen keinen unmittelbaren Einfluss auf das Arzt-Patienten-Verhältnis haben. Zudem müssen Praxisinhaber verlässlich kalkulieren können. Dazu brauchen wir feste und wirklich kostendeckende Preise. Es kann nicht sein, dass die Kollegen am Ende eines langen Arbeitstags nicht wissen, was sie für ihre Arbeit erhalten. Insbesondere vor dem Hintergrund des drohenden Ärztemangels müssen wir die haus- und fachärztliche Grundversorgung stärken. Das sind nur einige wichtige Punkte aus dem Grundsatzpapier.

DÄ: Welche Herausforderungen kommen nach der Wahl vermutlich auf die ärztliche Selbstverwaltung zu?
Köhler: Entscheidend wird natürlich sein, welche gesundheitspolitische Richtung eine neue Bundesregierung vorgibt. Wie werden sich die Finanzierungsgrundlagen in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung ändern, und welche Auswirkungen wird dies auf die ambulanten Versorgungsstrukturen haben? Wie steht sie zur Freiberuflichkeit? Was wird weiterhin unternommen, um den drohenden und zum Teil bereits vorhandenen Arztmangel im haus- und fachärztlichen Versorgungsbereich zu beheben? Wie viel und was soll politisch und gesetzlich geregelt und festgelegt werden? Was werden die Aufgaben der ärztlichen Selbstverwaltung sein? Und letztlich wird die Frage entscheidend sein, welchen Stellenwert der Kollektivvertrag haben soll.

DÄ: Wird sich das teilweise angespannte Verhältnis zwischen Ärzteschaft und Krankenkassen in den kommenden Jahren wieder verbessern?
Köhler: Die Verhandlungen mit den Krankenkassen sind und bleiben hart. Dies wird sich aufgrund der begrenzten Menge an Geld und dem unterschiedlichen Verständnis darüber, wie eine gute Versorgung der Menschen in Deutschland auszusehen hat, auch in der Zukunft nicht ändern.

DÄ:  Welche gesundheitspolitische Entscheidung ging in der zurückliegenden Legislaturperiode in die falsche Richtung?
Köhler: Das Präventionsgesetz hat durchaus richtige Ansätze, jedoch leider die für gute präventive Maßnahmen zentrale Rolle des Arztes und Psychotherapeuten als Präven­tionslotse nicht gestärkt. Gerade die Ärzte wissen, welche primären und tertiären Präventionsmaßnahmen für ihre Patienten sinnvoll sind und wie sie durchzusetzen sind.

DÄ: Welches Anliegen der Ärzteschaft hat in der letzten Legislaturperiode zu wenig Beachtung gefunden und gehört rasch auf die politische Agenda?
Köhler: Das mit dem Versorgungsstrukturgesetz eingeführte Prinzip „Beratung vor Regress“ geht zwar in die richtige Richtung. Ziel muss es aber sein, Regresse ganz abzuschaffen. Die Regressgefahr stellt ein bedeutendes Hindernis für junge Mediziner dar, sich niederzulassen. © Rie/fos/aerzteblatt.de

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