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Politik

Wissenschaftliches Institut der AOK fordert Systemumbau bei der Kran­ken­ver­siche­rung

Montag, 2. September 2013

dpa

Berlin – Ein gemeinsames Kran­ken­ver­siche­rungssystem, das „gleichzeitig solidarisch und wettbewerblich ausgestaltet ist“ statt eines Miteinanders von gesetzlichen und privaten Kassen fordert das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO). „Das duale Kran­ken­ver­siche­rungssystem in Deutschland mit einem Nebeneinander von gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­siche­rung als eigenständige Systeme stößt an Grenzen“, sagte der Geschäftsführer des WIdO, Klaus Jacobs, anlässlich der Veröffentlichung des Buches „Die Kran­ken­ver­siche­rung der Zukunft“ in Berlin.

Darin argumentiert Jacobs mit einer Analyse sozio-ökonomischer Daten von Versicherten der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) und der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Danach lag das durchschnittliche Jahreseinkommen der PKV-Versicherten 2010 bei knapp 47.000 Euro und damit mehr als doppelt so hoch wie bei den gesetzlich Versicherten mit weniger als rund 21.500 Euro.

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Viele Privatversicherte verfügten jedoch dennoch nur über kleine Einkommen und hätten daher Schwierigkeiten, die Beiträge für einen umfassenden Kran­ken­ver­siche­rungsschutz zu bezahlen, hieß es aus dem WIdO. Diesen Versicherten fehle der Solidarausgleich, der in der PKV nicht vorgesehen sei.

Das WIdO argumentiert weiter, Versicherte beider Systeme schätzten das Prinzip der Einkommenssolidarität: Laut einer WIdO-Untersuchung halten es fast 90 Prozent der gesetzlich Versicherten ganz oder zumindest teilweise für richtig, dass Besserverdiener im Gesundheitssystem mehr bezahlen als Geringverdiener. Auch unter den Privat­versicherten läge die entsprechende Zustimmung bei rund 85 Prozent.

Die Kran­ken­ver­siche­rung der Zukunft sollte laut Jacobs daher drei zentrale Merkmale aufweisen: die solidarische Finanzierung des Leistungskatalogs, Wettbewerb auf der Grundlage möglichst uneingeschränkter Wechselrechte aller Versicherten zu allen Versicherungen sowie wirksame Instrumente zur Steuerung der Gesundheitsversorgung im Hinblick auf Qualität und Wirtschaftlichkeit.

„Bei einem Fortbestand der Dualität auf dem Kran­ken­ver­siche­rungsmarkt könnten alle drei Anforderungen aber nicht erfolgreich erfüllt werden“, sagte der WIdO-Chef. Er kritisiert, von einem „Systemwettbewerb zwischen GKV und PKV in Deutschland könne keine Rede sein“, weil nur ein kleiner Teil der Bevölkerung überhaupt eine echte Wahl­option habe. Dabei handele es sich überwiegend um junge und gesunde Personen, die an Fragen der Gesundheitsversorgung zumeist kein akutes Interesse hätten.

Nach Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) hat damit jetzt auch das WIdO seine Vision für die Kran­ken­ver­siche­rung der Zukunft entworfen. Wie der Minister möchte auch das AOK-Institut die PKV für alle öffnen. Bahr will dazu aber lediglich die Versiche­rungspflichtgrenze abschaffen, was die PKV stärken würde. Die WIdO-Forderung nach freiem Zugang und Solidarausgleich in der PKV bedeutet dagegen faktisch eine Abschaffung der Privaten.

© hil/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #669761
Hanschmitz
am Dienstag, 3. September 2013, 09:27

zustimmung

Seh ich genauso
Avatar #104249
Senbuddy
am Montag, 2. September 2013, 22:36

Veröffentlichen private Kran­ken­ver­siche­rungen...

...eigentlich auch Bücher, in denen sie die Abschaffung der gesetzlichen Kassen fordern ?

Wenn man dabei genauso schräg (nur eben in die Gegenrichtung) argumentieren würde wie dieses "wissenschaftliche" Institut von der AOK es tut, könnte man doch sicher auch mal die Abschaffung der GKVen fordern.

Irgendwie bin ich aber froh, dass die PKVen sich nicht auf solche abwegigen Spielchen einlassen.

Viele Grüße
S.
LNS
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