Politik

Transplantations­prozess: Arzt weist Manipulations­vorwürfe zurück

Montag, 2. September 2013

Göttingen – Der angeklagte Arzt im Göttinger Prozess um Betrug bei Organtrans­plantationen hat am Montag erneut Manipulationsvorwürfe zurückgewiesen. Auf Fragen des Landgerichts dazu wollte der frühere Leiter der Transplantationsmedizin im Göttinger Uniklinikum nach Rücksprache mit seinen Verteidigern aber nicht weiter antworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-Jährigen versuchten Totschlag in elf und Körper­verletzung mit Todesfolge in drei Fällen vor. Er soll medizinische Daten manipuliert haben, um schneller Spenderorgane für seine Patienten zu bekommen.

Anzeige

Ein Mitglied der Prüfkommission der Bundesärztekammer wies als Zeuge darauf hin, dass die Ärztekammer wegen des Organmangels in Deutschland Richtlinien erarbeitet habe. Nach denen würden die Organe gerecht verteilt. Ob der Angeklagte gegen diese Richtlinien verstoßen hat, wurde aus der Zeugenaussage des Kölner Medizinprofessors Tobias Beckurts nicht klar. Auch ein mögliches Motiv des Göttinger Transplantations­mediziners, der seit Januar wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft sitzt, ist bisher nicht ersichtlich geworden.

Strafprozess gegen Göttinger Transplantationschirurgen: Entscheidungen über Leben und Tod

Versuchter Totschlag und Körperverletzung mit Todesfolge lautet die Anklage. Die Verteidigung möchte auch Schwächen des Transplantationssystems aufzeigen, die den Arzt entlasten würden. Ein Mal während des ausführlichen Eingangsstatements der Verteidigung mahnt Richter Ralf Günther Mäßigung an.

Für ursprünglich in Erwägung gezogene Korruptionsvorwürfe hatte die Staatsan­waltschaft kein Belege gefunden. Dass Bonuszahlungen der Uniklinik ab einer bestimmten Zahl von Lebertransplantationen eine Rolle gespielt haben könnten, hatte der Angeklagte zurückgewiesen. Solche Zahlungen seien an Transplantationszentren nichts Ungewöhnliches, sagte Beckurts als Zeuge.

Der Prozess, für den mehr als 40 Verhandlungstage angesetzt sind, soll am Dienstag mit der Vernehmung von Zeugen aus der Klinik fortgesetzt werden. Es handelt sich um das bundesweit erste Verfahren, in dem einem Arzt nach Manipulation von Patientendaten Tötungsdelikte vorgeworfen werden. Rechtsexperten halten den Fall für schwierig, weil nicht klar nachgewiesen werden kann, wer die Geschädigten sind. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

24.02.17
Klinikpersonal in Neapel machte jahrelang systematisch blau
Rom – Jahrelang haben fast einhundert Angestellte eines Krankenhauses in Neapel systematisch blau gemacht. In zweijährigen Ermittlungen und mithilfe von versteckten Kameras kam die italienische......
23.02.17
München – Eine Witwe hat nach einem vorläufigen Urteil keinen Anspruch auf das tiefgefrorene Sperma ihres verstorbenen Ehemanns. Das Oberlandesgericht (OLG) München wies gestern – wie zuvor auch schon......
23.02.17
Madrid – In Spanien kommt erstmals ein früherer Arzt vor Gericht, der unter dem Diktator Francisco Franco an dem Diebstahl von Babys beteiligt gewesen sein soll. Ein Untersuchungsrichter machte den......
17.02.17
Frankfurt/Main – Der selbsternannte Krebsheiler Ryke Geerd Hamer will in Deutschland wieder als Arzt zugelassen werden. Das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main lehnte es jedoch ab, ihm seine......
16.02.17
Brustimplantat­skandal: EuGH lässt Schmerzensgeldfrage offen
Luxemburg – Im Skandal um minderwertige Brustimplantate müssen betroffene Frauen weiter um Schmerzensgeldzahlungen bangen. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) widersprach heute in weiten......
14.02.17
Bad Oeynhausen – Das Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, verzeichnet einen leichten Zuwachs von Herztransplantationen von 75 im Jahr 2015 auf 82 im vergangenen Jahr.......
14.02.17
Karlsruhe – Im Streit um Schadenersatz für mangelhafte Silikon-Brustimplantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) will der Europäische Gerichtshof (EuGH) am kommenden Donnerstag......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige