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Medizin

Colchicin lindert akute Perikarditis

Dienstag, 3. September 2013

Die Blüte der Herbstzeitlosen /Ratebot

Turin – Colchicin, das Zellgift aus den Samen der Herbstzeitlose, das seit Jahrhunderten zur Behandlung von Gicht und Rheuma eingesetzt wird, wirkt auch gegen Entzündungen an den serösen Schleimhäuten. Eine randomisierte Studie im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1208536) belegt seine gute Wirkung bei der akuten Perikarditis.

Die gute Wirkung von Colchicin bei Serositiden wurde zunächst beim familiären Mittelmeerfieber entdeckt, einer autosomal rezessiven Erkrankung, bei der es zu rezidivierenden Entzündungen der serösen Häute kommt, darunter des Perikards. Massimo Imazio vom Maria Vittoria Hospital in Turin konnte in früheren Studien bereits zeigen, dass Colchicin auch bei Perikarditiden anderer Genese wirksam ist.

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In der Colchicine for Acute Pericarditis oder COPE-Studie halbierte Colchicin die Rate der Rezidive, wenn es zusätzlich zu Acetylsalicylsäure (ASS) und Glukokortikoiden gegeben wurde. Die jetzige Investigation on Colchicine for Acute Pericarditis oder ICAP-Studie stellt die Evidenz erstmals auf das breitere Fundament einer randomisierten multizentrischen Studie: An fünf Zentren wurden 240 Patienten nach einer ersten Episode einer akuten Perikarditis (zumeist unklarer Genese) auf eine Behandlung mit Colchicin oder Placebo randomisiert.

Zusätzlich zu einer konventionellen antientzündlichen Therapie mit ASS oder Ibuprofen nahmen die Patienten das Medikament in der Tagesdosis von 0,5 bis 1,0 mg täglich über 3 Monate ein.

Der primäre Endpunkt, eine anhaltende oder wiederkehrende Perikarditis während der 18-monatigen Nachbeobachtungsphase, trat unter Colchicin bei 17 Prozent der Patien­ten ein gegenüber 38 Prozent der Patienten im Placebo-Arm. Imazio und Mitarbeiter errechnen ein relatives Risiko von 0,56, das mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,30 bis 0,72 hochsignifikant ausfiel. Die klinische Relevanz wird durch eine Number Needed to Treat von 4 verdeutlicht. Das ist die Anzahl der Patienten, die behandelt werden muss, um bei einem den Endpunkt zu vermeiden.

Colchicin wirkt schnell: Der Anteil der Patienten, die nach 72 Stunden noch Symptome hatten, wurde von 40,0 auf 19,2 Prozent gesenkt. Die Remissionsrate nach einer Woche stieg von 58,3 auf 85 Prozent. Die Zahl der Rezidive wurde von 0,52 auf 0,21 pro Patient gesenkt und die Hospitalisationsrate nahm von 14,2 auf 5,0 Prozent ab.

Unter der vergleichsweise niedrigen Dosierung – die Leitlinie sieht eine Anfangsdosis von 2 mg am Tag und eine Erhaltungsdosis von 1 mg am Tag vor -  wurde das Zellgift von den Patienten erstaunlich gut vertragen. Schwere Schäden an Nieren oder Leber blieben aus und die Nebenwirkungsrate war gegenüber Placebo nicht signifikant erhöht. Es brachen allerdings mehr Patienten die Therapie ab (11,7 versus 8,3 Prozent).

Die genaue Wirkungsweise des Mitosegifts Colchicin bei der Serositis ist unklar. Die Fähigkeit des Wirkstoffs, die Bildung von Mikrotubuli und damit des Spindelapparats der Zellteilung zu verhindern, könnte die Vermehrung von Entzündungszellen verhindern, spekuliert Imazio. In Granulozyten sei die Konzentration von Colchicin teilweise mehr als 16fach höher als im Plasma. © rme/aerzteblatt.de

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