NewsMedizinPCI: Studie hält Thrombusaspiration für unnötig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

PCI: Studie hält Thrombusaspiration für unnötig

Mittwoch, 4. September 2013

Örebrö – Die Bergung des Blutgerinnsels aus dem blockierten Herzkranzgefäß zu Beginn der perkutanen koronaren Intervention, eine unter interventionellen Kardiologen popu­läre Maßnahme, hat in einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1308789) die Prognose der Patienten über­raschenderweise nicht verbessert. Anlass zu Diskussionen gibt das Design der Studie, die an ein landesweites Register gekoppelt ist und dadurch deutlich günstiger durchgeführt werden kann.

Herzinfarkte werden durch ein Blutgerinnsel in den Koronarien ausgelöst. In der Anfangs­­zeit der PCI war es keineswegs üblich, den Thrombus zu bergen. Dieses ist nicht nur ein kompliziertes Unterfangen, welches einen speziellen sogenannten Aspirations­katheter erfordert, der vor der eigentlichen perkutanen koronaren Intervention (PCI) zum Einsatz kommt.

Die Aspiration ist auch nicht ohne Risiken. Im letzten Jahr hatte eine Meta-Analyse auf einen knapp signifikanten Anstieg der Schlaganfallrate hingewiesen (Int J Cardiol 2012; 166: 606-12), was in einer weiteren Studie auf eine systemische Embolisation zurückgeführt wurde (Circ J 2009; 73: 1356-8).

Anzeige

Die Aspiration ist nicht zwingend notwendig, da die Koronarie in den meisten Fällen allein durch die Ballondilatation geöffnet wird. Vor fünf Jahren war jedoch die TAPAS-Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass die Thrombusaspiration die Chance auf einen myokardialen Blush verbessert (NEJM 2008; 358: 557-67).

Beim Blush („Erröten“) wird das Myokard durch das durchströmende Kontrastmittel in der Koronarangiographie markiert. Es handelt sich um einen Surrogatparameter, der keine Aussagen über die Prognose der Patienten macht. Die Forscher konnten jedoch in einer Folgepublikation zeigen, dass die Patienten nach einem Blush deutlich bessere Überlebenschancen haben (Lancet 2008; 371: 1915-1920).

Diese Ergebnisse werden jetzt durch eine weitere randomisierte Studie infrage gestellt. Die „Thrombus Aspiration in ST-Elevation Myocardial Infarction in Scandinavia“ oder TASTE-Studie umfasst mit 7.244 Patienten siebenmal so viele Teilnehmer wie die TAPAS-Studie, und mit der Gesamtsterblichkeit nach 30 Tagen wurde von vornherein ein „wasserdichter“ primärer Endpunkt festgelegt.

Wie Ole Fröbert von der Universitätsklinik in Örebro jetzt auf der Jahrestagung der European Society of Cardiology in Amsterdam berichtet, kam es hier durch die Throm­busaspiration zu keiner Verbesserung. Im Thrombusaspiration-Arm der Studie starben 103 von 3.621 Patienten (2,8 Prozent) im Vergleich zu 110 von 3.623 Patienten (3,0 Prozent). Das ergab eine Hazard Ratio von 0,94 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,72 bis 1,22.

Damit ist ein Vorteil der Thrombusaspiration zwar nicht ausgeschlossen, aber unwahr­scheinlich. Immerhin gab es einen Trend zu weniger Re-Infarkten (0,5 versus 0,9 Pro­zent; Hazard Ratio 0,61; 0,34-1,07) und auch die Zahl der Stentthrombosen war mit 0,2 gegenüber 0,5 Prozent vermindert (Hazard Ratio 0,47; 0,20-1,02).

Dennoch ist das Ergebnis aus Sicht der beiden Editorialisten Robert Byrne und Adnan Kastrati vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung  in München eindeutig: Die mechanische Entfernung des Thrombus senkt die Sterblichkeit der Patienten nicht (NEJM 2013; doi: 10.1056/NEJMe1310361). Beide sind aber auch davon überzeugt, dass viele interventionelle Kardiologen weiter die Thrombusaspiration durchführen werden, weil sie sie intuitiv für „richtig“ ansehen.

Byrne und Kastrati weisen noch auf eine Besonderheit der Studie hin, die leicht übersehen werden kann, aber dennoch einen großen Unterschied bedeutet. Die TASTE-Studie war keine randomisierte klinische Studie im klassischen Sinn. Die Patienten wurden im Rahmen eines Koronarregisters randomisiert.

An der korrekten Randomisierung gibt es zwar keinen Zweifel. In jedem Fall wurde vor der Behandlung per Los entschieden, welche Behandlung die Patienten erhielten. Die Studie verzichtete jedoch auf den bürokratischen Ballast, der normalerweise mit einer randomisierten klinischen Studie verbunden ist.

Es mussten keine Formulare ausgefüllt werden, da alle Endpunkte aus den Einträgen in das Koronarregister entnommen wurden, die die Kardiologen ohnehin vorgenommen hätten. Zu den Nachteilen der Registerstudie gehört, dass keine gezielten Fragen geklärt werden können, die über die vorgesehenen Einträge im Register hinausgehen. Dennoch dürfte es in Zukunft viele derartige Studien geben, da sie unkompliziert und damit mit geringem finanziellen Aufwand durchgeführt werden.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG Wort

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER