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Politik

Brustkrebs-Test: Pathologen werfen GKV Blockade vor

Mittwoch, 4. September 2013

Berlin – Jeder Bewertung von Krebsarzneimitteln und -therapien durch den Gemein­samen Bundes­aus­schuss (G-BA) muss unmittelbar eine Entscheidung über die Finanzierung der dafür erforderlichen Diagnostik verbunden werden. Das hat der Bundesverband Deutscher Pathologen heute in Berlin gefordert. „Die biomarker-gestützte Diagnostik sollte in einer raschen Taktung für neue Einsatzgebiete verfügbar sein“, forderte Verbandspräsident, Werner Schlake. Bislang könnten gesetzlich Versicherte häufig über lange Zeit nicht von den medizinisch-diagnostischen Möglichkeiten profitieren.

Nach Ansicht der Pathologen ist das deutsche Gesundheitssystem auf den mit der molekularen Medizin verbundenen Innovationsschub nicht vorbereitet. „Innovationen werden vor allem seitens der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung nach allen Regeln der Abwehrkunst sowohl aus den DRGs in den Krankenhäusern als auch aus dem EBM für den ambulanten Bereich herausgehalten“, kritisierte Schlake. Er hält es für dringend erforderlich, die Strukturen dahingehend zu ändern, dass wichtige innovative Ansätze in einem überschaubaren Zeitraum realisiert werden können.

Das Dilemma der Finanzierung verdeutlichte Schlake an der Debatte über den Genex­pressionstest bei Brustkrebs-Patientinnen. Mit dem Test lässt sich nach seinen Worten bestimmen, wie aggressiv der Tumor und wie wahrscheinlich eine Spätmetas­tasierung ist. Nach Angaben des Pathologen könnte der Genexpressionstest jährlich rund 24.000 Frauen die Tortur einer Chemotherapie ersparen. Dem Robert-Koch-Institut zufolge erkranken jährlich rund 72.000 Frauen neu an Brustkrebs.

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Genexpressionstest kann nicht mehr abgerechnet werden
In den vergangenen zwei Jahren wurde der Test bei Bedarf in fast allen Bundesländern zulasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) vorgenommen. Möglich war dies durch Interpretationsspielräume bei der Abrechnung. Zu Unrecht befand der Bewer­tungs­ausschuss. Er hat Ende Juni den Einheitlichen Bewertungsmaßstab dahingehend präzisiert, dass eine solche Interpretation nicht mehr zulässig ist. Ab Oktober 2013 kann der Genexpressionstest nicht mehr zulasten der GKV abgerechnet werden.

„Brustkrebs ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Da kann man nicht einfach schlucken, dass man als Kassenpatient in der zweiten Reihe steht. Das ist unerträglich“, kritisierte Eva Schumacher-Wulf, die vor neun Jahren an Brustkrebs erkrankt ist und seit 2006 das Brustkrebsmagazin „Mamma Mia!“ herausgibt. Sie forderte den GKV-Spitzen­verband auf, die Entscheidung des Bewertungsausschusses revidieren zu lassen.

Wissenschaftliche Belege fehlen
GKV-Spitzenverband und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gaben hingegen zu bedenken, dass wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit des Tests fehlen. „Wir sind gern bereit, die Pathologen zu unterstützen, wenn sie im G-BA mit wissenschaftlichen Studien belegen können, dass der Test die Versorgung der Brustkrebspatientinnen verbessert“, erklärte ein Sprecher der KBV. Schlake verwies wiederum auf die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO). Dort werde dem Test der höchste wissenschaftlich-klinische Evidenzgrad 1 attestiert.

Und auch das Gesundheitssystem würde von einer Anwendung profitieren, ergänzte Schlake. Der Test koste rund 1.800, eine Chemotherapie verschlinge in der Regel mehrere zehntausende Euro. Weitere Kosten, wie beispielsweise die Behandlung der Nebenwirkungen, seien dabei noch nicht eingeschlossen. © ank/aerzteblatt.de

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