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Medizin

Lungen­krebs-Screening: Verbesserte Beurteilung von verdächtigen Knoten

Donnerstag, 5. September 2013

Lungenkarzinom epidermoid Mikroaufnahme Vergrößerung 64:1 /dpa
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Los Angeles/Vancouver – Die hohe Rate von Verdachtsbefunden, die die Attraktivität des Lungenkrebs-Screenings bisher gehemmt hat, könnte durch einen neuen Risiko-Kalkulator gesenkt werden, den kanadische Forscher im New England Journal of Medicine (NEJM 2013; 369: 910-919) vorstellen. Dort wurden auch die jüngsten Ergebnisse des US-National Lung Screening Trial publiziert (NEJM 2013; 369: 920-31).

Am National Lung Screening Trial hatten mehr als 52.000 Erwachsene im Alter zwischen 55 und 74 Jahren teilgenommen, die aufgrund einer Raucheranamnese von mehr als 30 Packungsjahren ein deutlich erhöhtes Lungenkrebsrisiko hatten. Die Studie umfasste drei Screening-Runden im Abstand von einem Jahr. Bei jeweils der Hälfte der Teilnehmer wurde ein konventioneller Röntgenthorax oder eine niedrig-dosierte Computer­tomographie (CT) durchgeführt.

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Wie erwartet wurden in allen drei Screening-Runden in der Computertomographie deutlich mehr verdächtige Befunde entdeckt als beim Röntgenthorax. Bei der zweiten und dritten Untersuchung lag die Rate bei 27,9 und 16,8 Prozent, gegenüber nur 6,3 und 5,0 Prozent nach der konventionellen Röntgenuntersuchung. Hinter den wenigsten der Befunde verbarg sich jedoch ein Lungenkrebs.

Dies war in der zweiten Runde bei der Computertomographie nur bei 168 von 6,901 Befunden der Fall. Das ergibt einen sehr unbefriedigenden positiven Vorhersagewert (PPV) von 2,4 Prozent. In der dritten Runde wurde bei 211 von 4,054 Befunden ein Lungenkrebs diagnostiziert. Der PPV betrug 5,2 Prozent. Den Anstieg erklärt das Team um Denise Aberle von der David Geffen School of Medicine in Los Angeles mit der höheren Zahl von Knoten, die sich seit dem vorherigen Screening nicht verändert und deshalb als nicht-abklärungsbedürftig eingestuft wurden.

Bei der Röntgenuntersuchung wurden in der zweiten Runde 65 Lungenkarzinome gefunden, also deutlich weniger als bei der Computertomographie. Aufgrund der geringeren Gesamtzahl von insgesamt 1482 positiven Befunden, war der PPV mit 4,4 Prozent jedoch günstiger als nach der Computertomographie. Auch in der dritten Screening-Runde war der PPV mit 6,7 Prozent günstiger.

Da jeder positive Befund durch Nachuntersuchungen überprüft werden muss, was beim Lungenkrebs-Screening in der Regel eine nicht ungefährliche Biopsie bedeutet, konzentrieren sich die Bemühungen derzeit darauf, den PPV zu steigern. Dies könnte mit einem Risiko-Kalkulator gelingen, den das Team um Stephen Lam von der British Columbia Cancer Agency in Vancoucer jetzt vorstellt.

Er berücksichtigt neben der Größe der Knoten – bisher das entscheidende Kriterium – weitere Risikofaktoren wie ein höheres Alter, weibliches Geschlecht, positive Familienanamnese auf Lungenkrebs, Emphysem, Sitz des Knotens im oberen Lobus, nur teilweise verkalkte Knoten, geringe Gesamtknotenzahl sowie scharfe oder nadelähnliche Konturen (spiculation) im Knoten.

Eine Modellrechnung, die alle diese Faktoren einbezog, erzielte einen ROC-Wert von 0,94. Die Receiver Operating Characteristic (ROC) Kurve stellt das Verhältnis von richtig- und falsch-positiven Ergebnissen grafisch dar. Ein Wert von 0,94 bedeutet, dass mehr als neun von zehn Knoten richtig beurteilt werden.

Selbst bei den kleinen Knoten von einem Durchmesser unter 1 cm liegt der ROC-Wert noch bei 0,9. Lam hat das Modell bereits an einer kanadischen Studie zum Lungenkrebsscreening validiert, so dass es seiner Ansicht nach klinisch angewendet werden könnte. Sollte das Modell sich in weiteren Studien bestätigen, könnte es die Rate von Biopsien deutlich vermindern, ohne die Zahl der übersehenen Krebsdiagnosen wesentlich zu erhöhen. © rme/aerzteblatt.de

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