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Medizin

Cave: Erworbene Hämophilie unter Clopidogrel

Donnerstag, 5. September 2013

Bonn – Die Therapie mit Clopidogrel kann möglicherweise eine erworbene Hämophilie auslösen. Darauf machen die Hersteller in Abstimmung mit den Zulassungsbehörden aufmerksam.

Die erworbene Hämophilie ist eine sehr seltene Autoimmunerkrankung. Aulöser sind Autoantikörper gegen die Gerinnungsfaktoren VIII oder IX. Die fehlende Funktion der Gerinnungsfaktoren kann dann eine von der angeborenen Hämophilie A oder B her bekannte Blutungsneigung auslösen.

Erworbene Hämophilien sind sehr selten. Die Inzidenz wird in der Literatur mit 1 bis 4 Patienten pro Million pro Jahr geschätzt. Morbidität und Mortalität sind laut dem Informationsbrief jedoch hoch. Als Grund werden das häufig fortgeschrittene Patientenalter, Grunderkrankungen, Blutungen und die toxische Wirkung einer immunsuppressiven Behandlung genannt.

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Seit Markteinführung von Clopidogrel sind nach Angaben der Hersteller 11 Fälle einer erworbenen Hämophilie A und ein Fall einer erworbenen Hämophilie B in Zusammenhang mit der Einnahme des Thrombozytenaggregationshemmers aufgetreten. Das Alter der Patienten lag zwischen 65 und 81 Jahren. Der Zeitpunkt des Auftretens (sofern berichtet) lag bei wenigen Tagen bis vier Monate nach Beginn der Clopidogrel-Behandlung.

Zwei Fälle waren lebensbedrohlich, aber kein Fall hatte einen tödlichen Ausgang. Bei fünf von 8 Patienten, für die die Information über den Ausgang verfügbar war, klang die Reaktion nach Absetzen von Clopidogrel und korrektiver Behandlung ab (was auf eine Kausalität hinweist, auch wenn auf eine Reexposition, die diese weiter erhärten würde, verzichtet wurde).

Ein Verdacht auf eine erworbene Hämophilie besteht, wenn es im Rahmen der Therapie zu einer isolierten Verlängerung der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit (aPTT) kommt. Auch ohne Blutungen sollte dann eine erworbene Hämophilie in Betracht gezogen werden. Patienten mit der bestätigten Diagnose einer erworbenen Hämophilie müssen von einem Spezialisten versorgt und behandelt werden, und Clopidogrel muss abgesetzt werden.

Aufgrund der häufigen Verordnung von Clopidogrel – weltweit werden mehr als 153 Millionen Patienten mit dem Thrombozytenaggregationshemmer behandelt - dürfte die absolute Gefahr gering sein. Das Nutzen/Risiko-Verhältnis von Clopidogrel wird deshalb weiter als positiv angesehen. Eine Einschränkung der Indikation steht nicht zur Diskussion. Clopidogrel ist zur Prävention atherothrombotischer und thromboembolischer Ereignisse zugelasen. © r0e/aerzteblatt.de

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