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Sexuelle Gewalt gegen Frauen in Asien weit verbreitet

Mittwoch, 11. September 2013

dpa

Pretoria – Ein Viertel aller Männer im pazifischen und asiatischen Raum berichtet, mindestens schon einmal sexuelle Gewalt gegen Frauen ausgeübt zu haben. Fast die Hälfte aller Männer haben wenigstens einmal eine Form von physischer, sexueller oder seelischer Gewalt gegen ihre Partnerin angewandt. Das berichten zwei Arbeitsgruppen um Rachel Jewkes vom Gender and Health Research Unit des Medical Research Council, Pretoria, und Emma Fulu von „Partners for Prevention“ Bangkok, Thailand, nach zwei systematischen multinationalen Querschnittsstudien zur sexuellen Gewalt in The Lancet Global Health (doi:10.1016/S2214-109X(13)70069-X und doi:10.1016/S2214-109X(13)70074-3).

Jewkes und Mitautoren berichten in der ersten Studie über die Häufigkeit von Verge­waltigungen und den Risikofaktoren, die Männer zu Tätern macht, während die Forscher um Emma Fulu die sexuelle Gewalt in Partnerbeziehungen analysierten. Die Größe und multinationale Ausrichtung der Studie ist laut den Autoren für den asiatischen Raum einzigartig. Eine Vorgängerstudie der Arbeitsgruppe um Jewkes konnte im südafri­kanischen Raum nachweisen, dass 28 Prozent aller befragten Männern eine Verge­waltigung begangen hatten.

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Die Forscher rekrutierten insgesamt 10.000 Teilnehmer für ihre Studie in Bangladesh, Kambodscha, China, Indonesien, Papua-Neugenuia und Sri Lanka. Die Männer im Alter zwischen 18 und 49 Jahren wurden von ausgebildeten männlichen Interviewern zu ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt befragt.

Die Interviewer ließen die Teilnehmer intime Fragen alleine auf Tonband beantworten. Die Forscher befragten die Teilnehmer indirekt zu den Vergewaltigungstaten. Typische Fragen waren beispielsweise ob sie Frauen, mit denen sie keine sexuelle Beziehung hatten, zum Sex gezwungen haben, oder ob sie die sexuelle Wehrlosigkeit von betrun­kenen und berauschten Frauen ausgenutzt haben.

Die Ergebnisse sprechen nach Aussagen der Forscher für eine weite Verbreitung von sexueller Gewalt. Elf Prozent aller Männer hatten Frauen, mit denen sie nicht in einer Beziehung waren, zu sexuellen Handlungen gezwungen.

Unter Berücksichtigung von Vergewaltigungen in der Partnerschaft stieg die Täterrate auf 24 Prozent. Typische Motivationen für die Vergewaltigung war die Absichten, die Frau zu bestrafen (38 Prozent), zum Vergnügen (59 Prozent) oder aus einem sexuellen Anspruchsdenken (73 Prozent).

Die Vergewaltigungshäufigkeit variierte stark in den untersuchten Regionen. Während im ländlichen Bangladesh drei Prozent aller Männer Vergewaltigungstäter waren, betrug die Täterrate in Bougainville, Papua-Neuguinea 27 Prozent. Typische Risikofaktoren wie physischer und sexueller Missbrauch in der Kindheit oder eine Opferpersönlichkeit konnten die Forscher auch in ihrer Studie beobachten. Weitere bedeutsame Risiko­faktoren waren Armut, eine ausgeprägte Promiskuität oder die Inanspruchnahme von Prostituierten.

Die Arbeitsgruppe um Emma Fulu stellte auch in intimen Beziehungen eine hohe Prävalenz von sexueller, seelischer und körperlicher Gewalt fest. 46 Prozent der befragten Männer berichteten über entsprechende Handlungen. Die regionale Häufigkeit von sexueller und körperlicher Beziehungsgewalt folgte dem Muster der Vergewalti­gungshäufigkeit. Ländliche Gegenden in Indonesien waren mit einer Prävalenz von 25 Prozent am geringsten belastet, während in Bougainville, Papua-Neuguinea 80 Prozent der befragten Männern körperliche und sexuelle Gewalt in ihren Beziehungen ausübten.

Prävention verstärken
Die hohe Prävalenz der sexuellen Gewalt und die dafür typischen Risikofaktoren sprechen nach Meinung der beiden Arbeitsgruppen für eine verstärkte Prävention. Die Vermeidung von sexueller und körperlicher Gewalt in der Kindheit könnte die Vergewaltigungshäufigkeit möglicherweise nachhaltig senken. Die kulturellen und geschlechtshierarchischen Strukturen erschwerten jedoch derzeit eine nachhaltige Verringerung der sexuellen Gewalt.

Die Forscher weisen daraufhin hin, dass die Querschnittsstudien zwar nicht den Zustand im gesamten asiatische und pazifischen Raum abbilden könnten, aber dennoch wichtige Hinweise zu einem weit verbreiteten Problem in der größten Bevölkerungsgruppe der Welt geben. © hil/aerzteblatt.de

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