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Medizin

Mefloquin: Warnung vor neuropsychiatrischen Nebenwirkungen und Schwarzwasserfieber

Mittwoch, 11. September 2013

Bonn – Nach der US-Arzneibehörde FDA lässt jetzt auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vor neuropsychiatrischen Nebenwirkungen des Malaria-Prophylaktikums Mefloquin warnen. Außerdem wird es eine Kontraindikation beim Schwarzwasserfieber geben.

Das Schwarzwasserfieber ist eine heute ungewöhnliche Bezeichnung für eine schwere Komplikation der Malaria, bei der es infolge einer massiven Hämolyse zu einer Hämoglobinurie kommt. Die meisten Patienten dürften die schwarze Verfärbung des Urins schon jetzt als Signal auffassen, so schnell wie möglich einen Arzt aufzusuchen. Künftig werden die Fachinformationen von Lariam auf diese Kontraindikation hinweisen.

Sie betrifft die Notfall- oder „Stand-by“-Behandlung, bei der medizinische Laien mehrere Tabletten des Mittels einnehmen sollen, das sie zur Chemoprophylaxe der Malaria mit sich führen. Für die Chemoprophylaxe mit Mefloquin, zu der bei Reisen in Hoch-Ende­mieländer geraten wird, ist eine weitere Kontraindikation relevant. Mefloquin sollte nicht von Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen eingenommen werden.

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Die anderen Änderungen betreffen die eigentlich bekannten neuropsychiatrischen Nebenwirkungen des Wirkstoffs. Das Mittel kann Träume, Insomnie, Angst und Depressionen auslösen. Außerdem wurde über Halluzinationen, Psychosen, Suizide, suizidale Gedanken sowie selbstgefährdendes Verhalten berichtet. Auch diese Hinweise finden sich bereits jetzt in der Fachinformation.

Die erneute Präzisierung dürfte mit einer aktuellen Drug Safety Communication der FDA zusammenhängen. Diese hatte im Juli vor den psychiatrischen Komplikationen gewarnt. In der US-Öffentlichkeit wurde dies mit dem Amoklauf in Afghanistan in Zusammenhang gebracht. Der US-Soldat Robert Bales hatte im März 2012 bei einer nächtlichen Patrouille 16 Zivilisten, darunter 9 Kinder und 3 Frauen auf brutale Weise ermordet.

Ob Bales unter Einwirkung von Mefloquin stand, wie sein Anwalt vermutet, ist unklar. Mefloquin wurde jedoch von der US-Armee im Irakkrieg und vermutlich auch in Afghanistan zur Chemoprävention eingesetzt.

Bei Zivilisten ist Mefloquin dagegen aus der Mode geraten. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V. rät wegen der schlechteren Verträglichkeit zu anderen Medikamenten. Das Mittel dürfte demnächst weiter an Attraktivität einbüßen, da der Hersteller in den Fachinformationen künftig auch andere Warnhinweise zur kardialen Toxizität, zu Augenerkrankungen, epileptischen Störungen, Neuropathie und Pneumonitis deutlicher als bisher herausstellen muss. © rme/aerzteblatt.de

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