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Legionellen-Pneumo­nien in Warstein: Bislang größter Ausbruch in Deutschland

Freitag, 13. September 2013

dpa

Köln – 165 Patienten mit Legionellen-Pneumonie, davon zwölf intensiv­pflich­tige, zwei gesicherte Todesfälle, ein weiterer wird auf den Zusammenhang mit einer Legionellen­infektion untersucht: Nach mehr als vier Wochen ist der Legionellen-Ausbruch in Warstein im Nordsauerland noch nicht sicher gestoppt. Der Kreis Soest gibt vorerst keine Entwarnung, obwohl ab dem 06. September keine Neuerkrankung aufgetreten ist.

„Es ist ein bislang einzigartiges und extrem schwieriges Ausbruchsgeschehen“, sagte Martin Exner, Leiter des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn, das Kommune und Landkreis bei Identifizierung und Beseitigung der Infektionsquellen unterstützt. „Es wird lange dauern, bis wir die Zusammenhänge aufgeklärt haben.“

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Ab dem 09. August hatten sich in Warstein Legionellen-Pneumonien gehäuft. Inzwischen zeichnen sich mehrere mögliche Verbreitungsquellen ab: Rückkühlanlagen zweier ortsansässiger Unternehmen, darunter der Warsteiner Großbrauerei, und zwei Kläranlagen: die kommunale Kläranlage und eine Kläranlage der Brauerei, in der das Abwasser des Getränkeherstellers vorgeklärt wird.

Probenanalysen von einer der Rückkühlanlagen – nicht der Brauerei – und der kommunalen Kläranlage hatten ergeben, dass der dominante Stamm mit dem aus Isolaten der meisten Patienten identisch war. Der Stamm gehört zu Legionella pneumophila Serogruppe 1, hat allerdings einen Sequenztyp, der international bislang nur sieben Mal isoliert worden ist, wie das Nationale Konsiliarlabor für Legionellen an der TU Dresden dem Deutschen Ärzteblatt auf Anfrage mitteilte. Es wäre möglich, dass dieser Stamm sich unter den Umgebungsbedingungen besonders gut vermehrt hat und in Aerosole verpackt werden kann. Der Kreis Soest rät weiterhin von nicht-dringenden Reisen nach Warstein ab.

Es ist der größte Ausbruch, den es jemals in Deutschland gegeben hat und der drittgrößte, der aus Europa bekannt ist. Ende 2009/2010 waren in der Region um Ulm 64 Patienten an Legionellen-Pneumonien erkrankt, fünf waren gestorben. Verbreitungsquelle der Bakterien war ein Rückkühlwerk auf einem Gebäudedach: Über die Abluft wurden legionellenhaltige Aerosole in der Umgebung verbreitet.

Keine Gefahr durch Getränke der Großbrauerei
Dass Kläranlagen beim Ausbruchsgeschehen eine Rolle spielen könnten, sei ein absolutes Novum, sagte Frank Seidlitz, Sprecher des Umweltministeriums von Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zum Deutschen Ärzteblatt. Es seien eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen worden, um Aerosolbildung bei den Kläranlagen zu verhindern und an wichtigen Wasserzu- und -abläufen Keime abzutöten. Die Entnahme von Wasser aus der Wäster, dem Fluss, an dem Warstein liegt, bleibt vorerst verboten.

Es gehe keine Gefährdung von Getränken der Großbrauerei aus, im Rahmen des Produktionsprozesses entstehen Temperaturen um 100 Grad Celsius, die die Bakterien sicher abtöten (ab 60 Grad Celsius). Auch vom Trinkwasser gehe nach Expertenmeinung keine Gefahr aus. Noch sei unklar, wo die Ursache liege.

Labordiagnostisch gesicherte Legionellenerkrankungen sind meldepflichtig nach dem Infektionsschutzgesetz. Im Jahr 2010 hat es 692 Fälle von Legionellen-Pneumonie gegeben, davon verliefen 51 Fälle tödlich, und im Jahr 2011 waren es 639, davon 30 tödlich. Bei schweren Verläufen kommt es zu respiratorischer Insuffizienz und unter Umständen zu Multiorganversagen. © nsi/aerzteblatt.de

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