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Medizin

Resistente Salmonellen nicht von Rindern übertragen

Freitag, 13. September 2013

Sekundärelektronenmikroskopaufnahme von Salmonellen (rot eingefärbt) /NIAID

Hinxton – Die weit verbreitete Ansicht, nach der multiresistente Salmonellen beim Menschen ihren Ursprung im unkritischen Einsatz von Antibiotika in der Viehwirtschaft haben, ließ sich durch einen Genomvergleich der Erreger bei Patienten und Tieren in Science (2013; doi: 10.1126/science.1240578) nicht erhärten.

Seit den 1990er Jahren hat sich der Phagentyp DT104 von Salmonella typhimurium international ausgebreitet. Der Erreger ist gegen Ampicillin, Chloramphenicol, Streptomycin, Sulfonamide und Tetrazyklin resistent und wirft deshalb häufig therapeutische Probleme auf.

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Da der Erreger sowohl in der Viehzucht und beim Menschen auftritt, lag die Vermutung nahe, dass der Erreger durch den Verzehr von infiziertem Fleisch auf den Menschen übertragen wurde, zumal in der Viehzucht Antibiotika zur Beschleunigung des Wachstums eingesetzt werden und resistente Keime auch bei Tieren auftreten.

Für diese Hypothese gab es durchaus epidemiologische Hinweise. So konnte beispiels­weise ein Ausbruch in Dänemark auf bestimmte Schweineherden zurückgeführt werden, die mit dem gleichen Phagentyp von S. typhimurium infiziert waren wie die Patienten (NEJM 1999; 341: 1420-5). Der Fortschritt der Genomanalytik macht es heute möglich, die übertragenen Erreger anhand ihres genetischen Fingerabdrucks zu identifizieren und die Fährten der Epidemie nachzuzeichnen.

Diese Aufgabe hatte sich das Team um Nicholas Thomson vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge gesetzt. Den Forschern stand eine einzigartige Sammlung von Isolaten zu S. typhimurium vom Typ DT104 zur Verfügung, die in den letzten 22 Jahren in Schottland angelegt worden war. Darunter waren 142 Isolate von Patienten und 120 Isolate von Tieren, zumeist Rindern. Außerdem wurde das Erbgut des Durchfallerregers aus 111 Isolaten von Mensch und Tier aus anderen Ländern ana­lysiert.

Da sich das Genom im Verlauf der Jahre verändert, konnte Thomson Verwandt­schaftsverhältnisse untersuchen. Er hatte auf einen einheitlichen Stammbaum gehofft, mit dem sich der Erreger im Idealfall bis auf seinen Ursprung verfolgen lässt. Dies gelang allerdings nicht.

Die bei den Tieren isolierten Bakterien unterschieden sich deutlich von denen, die beim Menschen Krankheiten ausgelöst hatten. Verknüpfungen zwischen den beiden Sorten gab es nur wenige. Einzelne Übertragungen von Tier auf Mensch (oder auch von Mensch auf Tier) seien vielleicht vorgekommen, meint Thomson. Ein gemeinsamer zoonotischer Ursprung der multiresistenten Bakterien sei aber nicht erkennbar.

Die genetische Variabilität der beim Menschen isolierten Erreger war sogar größer als bei den Salmonellen, die bei den Tieren gefunden wurden. Im Fall eines zoonotischen Ursprungs hätte es genau anders herum sein müssen.

Thomson schließt damit aus, jedenfalls für Schottland, dass die Salmonellen in der Viehzucht entstanden sind und dann auf den Menschen „übersprangen“. Damit bleibt der Ursprung ungeklärt. Thomson vermutet, dass die Erreger über importierte Nahrungsmittel nach Schottland gelangt sein könnten oder die Patienten sie vielleicht auf Fernreisen erworben haben oder es andere nicht untersuchte Quellen in der Umwelt gebe.

Beobachter geben zu bedenken, dass die Zahl der untersuchten Isolate noch zu gering ist, um zu einem abschließenden Urteil zu gelangen. Es seien auch keine Salmonellen von Hühnern untersucht worden, wo die Massentierhaltung besonders intensiv betrieben wird und besonders häufig Antibiotika eingesetzt würden. © rme/aerzteblatt.de

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