Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wie Paro­dontose-Bakterien Rheuma auslösen könnten

Freitag, 13. September 2013

Bergen – Das Bakterium Porphyromonas gingivalis, das bei der Parodontose die Zahn­taschen besiedelt, bildet ein Enzym, das Proteine citrulliniert. Es könnte auf diese Weise die Bildung von Autoantikörpern bei der rheumatoiden Arthritis verursachen, wie ein Forscherteam in PLOS Pathogens (2013; 9: e1003627) an einem Mäusemodell der Autoimmunerkrankung zeigt.

Hippokrates hatte behauptet, dass eine Zahnextraktion Gelenkleiden heilen kann. Dies gilt heute nicht mehr als evidenzbasiert, doch nicht wenige Forscher sind überzeugt, dass es eine Verbindung zwischen Erkrankungen der Gingiva und der rheumatoiden Arthritis (RA) gibt. Nach den epidemiologischen Studien, die Rutger Persson von der University of Washington in Seattle kürzlich zusammengefasst hat, haben Menschen mit Parodontose ein bis zu 8-fach erhöhtes Risiko, an einer RA zu erkranken.

Die Verbindung zwischen beiden Erkrankungen könnte Porphyromonas gingivalis sein. Das Gram-negative Bakterium gehört zu den Bewohnern der Zahnfleischtaschen, deren Entzündung das Kennzeichen der Parodontose ist. Eine Besonderheit von P. gingivalis ist die Bildung des Enzyms Peptidylarginine-Deiminase (PPAD).

Es verwandelt die Aminosäure Arginin in Citrullin, das nicht zu den 20 Aminosäuren gehört, aus denen die Proteine im menschlichen Körper aufgebaut sind. Citrullin ist für das Immunsystem fremd und es kann zu Bildung von Antikörpern gegen citrullinierte Peptide kommen, die ein Merkmal der RA sind.

Das von der EU geförderte „Gums and Joints Project“ untersucht derzeit die Verbindung zwischen Zahnfleisch und Gelenken. Als Modell dient die Kollagen-induzierte Arthritis (CIA). Es handelt sich um eine RA-ähnliche Erkrankung, die bei der Maus durch die Injektion von Typ-II-Kollagen mit Freundschem Adjuvans ausgelöst werden kann.

Wie das Team um Piotr Mydel von der Universität Bergen jetzt zeigen kann, erkrankten die Mäuse früher und heftiger und mit größeren Gelenkzerstörungen, wenn sie zuvor mit P. gingivalis infiziert wurden. Dabei ging die CIA mit der Bildung von Antikörpern gegen citrullinierte Peptide einher. Abgestorbene P. gingivalis oder Bakterien, denen das Gen für PPAD fehlt, hatten dagegen keinen Einfluss auf den Verlauf der CIA.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass eine Infektion mit P. gingivalis an der Pathogenese beteiligt sein könnte. Mydel vermutet, dass die Infektion in Verbindung mit einer genetischen Prädisposition und anderen Faktoren die Immuntoleranz gegen citrullinierte Peptide aufhebt und damit die Bildung von Autoantikörpern fördert. Sollte die Hypothese zutreffen, hätte dies Auswirkungen auf die Behandlung der RA.

Eine gute Mundhygiene und vielleicht auch die Elimination von P. gingivalis könnte die Entwicklung der RA vielleicht verhindern. Wenn dies in klinischen Studien gezeigt werden könnte, wäre dies letztlich der Beweis der Hypothese. Dass die Zusammenhänge aber so einfach sein könnten, wie Hippokrates postulierte, nimmt keiner der beteiligten Experten an. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

24.05.17
Silver Spring/Maryland – Der monoklonale Antikörper Tocilizumab, der den Rezeptor von Interleukin 6 (IL-6) blockiert, einem bei rheumatischen Entzündungen vermehrt produzierten Zytokin, hat in einer......
24.05.17
Berlin – Die ersten Anzeichen des Sjögren-Syndroms erkennen die meisten Patienten und Ärzte nicht. Denn die rheumatisch entzündliche Erkrankung äußert sich vielfältig, sodass Patienten verschiedene......
03.05.17
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) kritisiert eine Entscheidung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) vom 20. April zu dem Wirkstoff Methotrexat und dessen Zuordnung in......
26.04.17
Berlin – Zu wenig Lehre während des Studiums im Fach Rheumatologie ist eine Ursache für Unter- oder Fehlversorgung von Patienten mit der immunologischen Erkrankung. Diese Auffassung vertritt die......
10.04.17
Berlin – In Deutschland arbeiten deutlich zu wenige Rheumatologen, um die Bevölkerung ausreichend gut zu versorgen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) müssten es sogar doppelt so......
05.04.17
Gicht: Aktuelle Therapieempfehlungen werden nicht konsequent angewandt
Bonn - In den letzten beiden Jahren haben rheumatologische und allgemeinmedizinische Fachgesellschaften Leitlinien zur Therapie von Gichtpatienten aktualisiert. Dennoch entspricht die Versorgung in......
30.03.17
Entzündlich rheumatische Erkrankungen: Antihypertensiva und Statine prophylaktisch einsetzen
Berlin – Kardiovaskuläre Komorbiditäten treten bei rheumatisch entzündlichen Erkrankungen immer mehr in den Vordergrund. Dadurch erhöht sich die Mortalität im Langzeitverlauf, schreiben Ärzte des......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige