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Medizin

Studie sieht Schweinegülle als MRSA-Überträger

Dienstag, 17. September 2013

dpa

Baltimore – Menschen, die in der Nähe von Feldern leben, die mit den Exkrementen von Schweinen gedüngt wurden, erkranken einer Studie in JAMA Internal Medicine (2013; doi: 10.1001/jamainternmed.2013.10408) zufolge häufiger an Infektionen mit Methicilin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA).

Etwa 80 Prozent der in den USA verkauften Antibiotika werden in der Viehwirtschaft eingesetzt. Dort werden sie zumeist dem Futter als Mastbeschleuniger zugesetzt, und die überwiegende Menge findet sich in den Exkrementen wieder, die als Gülle auf Feldern ausgebracht werden. In Regionen mit einer hohen Dichte von Intensivbetrieben gibt es häufig ein Überangebot an Gülle.

Die „Entsorgung“ auf den Feldern führt dann häufig zu Geruchsbelästigungen bei den Anwohnern. Um hier die Wogen zwischen Farmern und Bevölkerung zu glätten, hat der US-Staat Pennsylvania 2005 per Gesetz sogenannte „nutrient management plans“ festgelegt. Sie regeln, wo welche Farmen wie viel Gülle ausbringen dürfen.

Joan Casey von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore und Mitarbeiter konnten mit diesen Daten die Gülle-Exposition von Versicherten einer US-Krankenkasse berechnen. Die Forscher ermittelten außerdem mit Google Earth die Entfernung zu der nächsten industriellen Mastfarm.

Dann verglich die Gruppe die Gülle-Exposition von 1.539 Patienten, die sich außerhalb von Kliniken mit den multiresistenten Keimen infiziert hatten (CA-MRSA) und von 1.335 Patienten, die sich in der Klinik angesteckt hatten (HA-MRSA), mit der Gülle-Exposition von 2.914 Kontrollen. Da MRSA häufig zu Haut- und Weichteilinfektionen (SSTI) führen, wurden Exposition und Wohnortnähe auch für 2.895 Patienten mit SSTI ermittelt.

Das Ergebnis liefert für die Gülle von Schweinen (nicht aber für den Dung anderer Tiere) den ersten stichhaltigen epidemiologischen Hinweis, dass eine Exposition tatsächlich mit einer erhöhten MRSA-Erkrankungsrate assoziiert ist. Casey ermittelte für das Quartil mit der höchsten Gülle-Exposition eine Odds Ratio von 1,38 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,13-1,60) auf eine CA-MRSA, von 1,30 (1,05-1,61) auf eine HA-MRSA und von 1,37 (1,18-1,60) auf SSTI.

Für die SSTI stieg die Odds Ratio auf 1,70 (1,15-2,52), wenn nur nachgewiesene Haut- und Weichteilinfektionen mit MRSA berücksichtigt wurden. Für den Dung von Kühen und Rindern wurde keine Assoziation gefunden. Auch eine Verbindung mit der Wohnortnähe zur Farm ließ sich nicht herstellen.

Nach einer Berechnung von Casey könnten 11 Prozent aller CA-MRSA und SSTI in der Bevölkerung auf die Schweinegülle-Exposition zurückzuführen sein. Die Ausbringung von Schweinegülle wäre demnach durchaus ein Problem für die öffentliche Gesundheit (Public Health), wenn denn die Assoziation kausal ist.

Dagegen spricht, dass in keinem von 200 untersuchten Isolaten aus Haut, Blut oder Sputum der Patienten MRSA vom klonalen Komplex 398 (CC398) nachgewiesen wurde, der in der Schweinemast einen Anteil von über 90 Prozent hat. Dass CC398 jedoch den Menschen infizieren kann, ist in anderen Studien belegt worden.

So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass in Deutschland 86 Prozent der Schweinehalter nasale MRSA-Träger sind (PLoS One 2009; 4: e6800). Und in Regionen mit einer hohen Haltungsdichte für landwirtschaftliche Nutztiere wie dem Raum Münster werden CC398-Isolate vermehrt in Einrichtungen des Gesundheitswesens importiert (J Hosp Infect 2009; 71: 320-6).

Casey hält eine Übertragung des Erregers biologisch für möglich. Die Bakterien könnten in Aerosolen mit dem Wind zu den Wohnhäusern geweht werden. In der Luft sind sie noch nicht nachgewiesen worden, wohl aber in Bodenproben in der Nähe von Schweinefarmen. © rme/aerzteblatt.de

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