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Ausland

Kubanische Ärzte beginnen Einsatz in Brasilien

Mittwoch, 18. September 2013

Sao Paolo – Die ersten 400 von 4.000 kubanischen Ärzte sind in den vergangenen Tagen in Brasiliens Landeshauptstädten eingetroffen. Sie folgen dem Aufruf von Staatspräsidentin Dilma Rousseff nach freiwilligen Ärzten für unterversorgte Regionen. Ihr Einsatz - wenn auch bitter nötig - bleibt jedoch umstritten; nicht überall reagieren die Brasilianer erfreut über die Mediziner von Raul Castros Karibikinsel.

„Brasilien, Kuba, Zentralamerika - der sozialistische Kampf ist international“ begrüßten rund 200 Menschen, hauptsächlich Gewerkschaftler, zehn kubanische Ärzte im armen Bundesstaat Sergipe. Anders das Bild bei einem Vorbereitungsseminar im nordöstlichen Fortaleza. Hier pöbelten brasilianische Ärzte gegen ihre kubanischen Kollegen. „Sklaven“ seien sie, müssten sie doch Teil ihres Gehaltes an die Regierung in Havanna abgeben.

Rodolfo Garcia versteht die Kritik nicht. „Wir verdienen mehr als genug, um unsere Familien daheim zu versorgen“, sagt der Kubaner am Flughafen von Aracaju. „Mein Land hat mich kostenlos zum Arzt ausgebildet. Wieso soll ich da nicht etwas zurückgeben?“

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In Brasilien stellen sich indes Ärzteverbände quer. Die ausländischen Fachkräfte verfügen nicht über im Land anerkannte Diplome – und einfach geben will man ihnen diese aber auch nicht. Man fürchtet, dass die Mediziner danach den brasilianischen Ärzten Konkurrenz machen. Dabei ist das Programm so angelegt, dass die Teilnehmer auf drei Jahre für einen Einsatz an einem Ort verpflichtet sind. Wer privat eine neue Stelle sucht, wird ausgeschlossen.

Präsidentin Rousseff hatte nach den Sozialprotesten im Juni, die auch Verbesserungen im staatlichen Gesundheitssystem forderten, das Programm „Mais Medico“ (Mehr Ärzte) gestartet. Landesweit sollen rund 15.500 Stellen besetzt werden. Zwar haben brasilianische Ärzte bei der Anstellung Priorität; zur ersten Bewerbungsrunde meldeten sich jedoch nur etwa 1.000 einheimische Ärzte. Rousseff sah sich gezwungen, das Programm für Ärzte aus dem Ausland zu öffnen.

Neben Europäern und Afrikanern nehmen auch die 4.000 Ärzte aus Kuba teil. Reichen wird das kaum – springen doch viele der brasilianischen Ärzte bereits wieder ab. „Von den 16 vergangene Woche zum Dienstantritt erwarteten Brasilianern sind nur 9 gekommen“, resümiert Joao Lima Junior vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium von Sergipe. Landesweit erschienen nur 47 Prozent der 1.000 brasilianischen Teilnehmer. Die Abgesprungenen hätten wohl irrtümlich geglaubt, den Job „pro forma“ neben ihren gut bezahlten Anstellungen in Privatkliniken weiterführen zu können, spekuliert Lima.

Sergipe gehört zu den Brennpunkten des Gesundheitsnotstands. Lediglich 1,3 Ärzte pro 1.000 Einwohner arbeiten hier: noch weit unter dem Landesdurchschnitt von 1,8. International empfohlen sind 2,5 Ärzte pro 1.000 Einwohner; in Deutschland sind es 3,6. In etwa jedem achten brasilianischen Verwaltungsbezirk gibt es keinen Arzt.

Brasiliens Mediziner seien meist Spezialisten mit dem Karriereziel Privatklinik in einer Großstadt, erklärt Lima Junior. An den dringend benötigten Allgemeinärzten für das Land mangelt es derweil.

Anders in Kuba, wo deren Ausbildung Priorität hat. Aus diesem reichen Fundus kann Havanna nun schöpfen und seine Ärzte rund um den Globus verschicken. Für Kuba bringen solche Aktionen neben Devisen auch eine gute Auslandspresse.

Eigentlich sollte es bereits am vergangenen Montag losgehen – aber landesweit weigern sich Ärzteverbände, die ausländischen Kräfte zu registrieren. Die Regierung hat bereits rechtliche Schritte eingeleitet. Verständnis für die juristische Verzögerungstaktik haben indes weder die ausländischen Ärzte noch die Millionen bedürftigen Brasilianer.kna © kna/aerzteblatt.de

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