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Ärzteschaft

Die Charité hilft traumatisierten syrischen Flüchtlingen im Libanon

Donnerstag, 19. September 2013

Berlin – Fast zwei Millionen Syrer suchen seit Beginn des militärischen Konflikts in ihrer Heimat Schutz in anderen Ländern, fast 700,000 von ihnen im benachbarten Libanon. Viele Flüchtlinge sind aufgrund ihrer Erlebnisse im Bürgerkrieg traumatisiert. Die Berliner Charité schult deshalb ab Oktober Psychiater und Psychologen im Libanon, um syrischen Flüchtlingen bei der Trauma-Bewältigung zu helfen. Das Auswärtige Amt unterstützt das Hilfsprogramm mit mehr als 700,000 Euro.

Drei Wochen lang werden dazu sechs teils arabischsprachige Fachleute der Charité ihre Kollegen in Beirut auf die Behandlung von Patienten mit posttraumatischen Belastungs­störungen vorbereiten. Danach sollen die zehn ortsansässigen Ärzte und Psychologen in mobilen Teams in den Flüchtlingslagern im Großraum Beirut arbeiten. Das Berliner Team von „CharitéHelp4Syria“ steht ihnen dabei in Video- und Online-Konferenzen zur Seite und begleitet das zunächst auf ein Jahr angelegte Projekt auch vor Ort. Dabei arbeiten sie eng mit der American University of Beirut zusammen.

„Mentale Erkrankungen sind bei syrischen Flüchtlingen im Libanon häufig und dringend therapiebedürftig“, sagt Projektkoordinator Malek Bajbouj von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Universitätsmedizin Berlin. Eine Grundversorgung mit Nahrung und Medikamenten allein reiche nach den Kriegserlebnissen nicht aus, so der Professor, der selbst syrische Wurzeln hat und das Schicksal von Verwandten in dem Land verfolgt.

5 Fragen an Prof. Dr. med. Malek Bajbouj, Projektkoordinator von „CharitéHelp4Syria“

DÄ: Wie ist die Zusammenarbeit zwischen der Charité und den Ärzten und Psychologen in Beirut zustande gekommen?
Malek Bajbouj: Wir hatten bisher eine wissen­schaftliche Kooperation mit den Kollegen in Beirut, und haben in Berlin auch schon syrische Patienten mit traumatischen Störungen behandelt. Wir haben beides dann zusammen geführt und aus dieser wissen­schaftlichen Kooperation eine humanitäre gemacht.

DÄ: Warum ist die psychiatrische und psychologische Betreuung für die syrischen Flüchtlinge so wichtig?
Malek Bajbouj: Es gibt ja gegenwärtig sehr viele Flüchtlinge im Libanon. Wir haben erste Erhebungen gemacht und gesehen, dass mindestens ein Drittel der Flüchtlinge traumatisiert ist. Es ist ein schweres psychiatrisches Krankheitsbild, das rasch behandelt werden muss.

DÄ: Sie wollen zehn Psychiater und Psychotherapeuten vor Ort ausbilden. Wie viele Betroffene können denn mit ihrer Hilfe versorgt werden?
Malek Bajbouj: Also, das Projekt läuft zunächst einmal für ein Jahr und in dieser Zeit  möchten wir etwa 2 000 Patienten erreichen. Das reicht nicht aus, aber es ist ein Anfang. Wenn man sich vorstellt, dass hunderttausende syrische Flüchtlinge im Libanon und in Jordanien sind, ein Drittel von ihnen traumatisiert, dann ist die Anzahl der behandlungs­bedürftigen Patienten sechsstellig und 2 000 natürlich ein relativ kleiner Anteil. Aber wir schaffen durch unser Projekt eine Struktur, die sich jederzeit ausbauen lässt. Wir hoffen auch auf Multiplikatoreneffekte: Die, die wir ausbilden, werden weitere ausbilden und dadurch werden wir dann eine größere Anzahl Hilfsbedürftiger erreichen.

DÄ: Was bieten Sie den Kollegen vor Ort konkret an?
Malek Bajbouj: Es gibt Standardtherapien, wie man traumaassoziierte Störungen, Schlafstörungen oder Depressionen pharmakologisch behandeln kann. Wir machen darüber hinaus kurz-psychotherapeutische Interventionen, die angewendet werden können. Und wir stehen in dem Jahr auch jederzeit zur Verfügung, machen eine online-Supervision im Wochentakt und sind im Monatstakt dann auch selber vor Ort.

DÄ: Gibt es grundsätzlich die Möglichkeit für Schwersttraumatisierte zum Beispiel auch  für Kinder nach Deutschland auszureisen?
Malek Bajbouj: Das haben wir in dem Projekt „CharitéHelp4Syria“ nicht vorgesehen, haben das aber auf anderen Ebenen schon gemacht: Patienten mit schweren Traumata sind nach Deutschland gekommen und auch hier behandelt worden. © pb/aerzteblatt.de

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