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Medizin

Stressinkontinenz: Ambulante Operation schlägt Physiotherapie

Donnerstag, 19. September 2013

Utrecht – In einer der wenigen randomisierten Vergleichsstudien zur Behandlung der weiblichen Stressinkontinenz erzielte eine ambulante Operation zur Einlage eines spannungsfreien Vaginalbands nach einem Jahr für die Patientinnen bessere Ergebnisse als eine Physiotherapie zum Beckenbodentraining. Die in den Niederlanden landesweit durchgeführte Studie wurde im New England Journal of Medicine  (2013; 369: 1124-1133) veröffentlicht.

Die Operationsverfahren bei der Stressinkontinenz haben sich im letzten Jahrzehnt deutlich gewandelt. Die meisten Zentren bevorzugen heute die Einlage eines Tension-free Vaginal Tape (TVT) oder eines Tension-free Vaginal Tape Obturator (TVT-O). Dabei wird über einen Schnitt in die vordere Scheidenwand ein Kunststoffband aus Polypropylen unterhalb der Urethra platziert.

Die beiden Enden der Schlinge werden mit einer Spezialnadel in Richtung zweier kleiner Hautschnitte oberhalb des Schambeinknochens geführt. Die Einlage der Schlinge erfolgt spannungsfrei. Nach der Fibrosierung bietet sie jedoch ein Widerlager. Es verschließt die Urethra, wenn die Patienten beim Husten, Lachen oder Heben schwerer Lasten den Druck im Bauchraum erhöhen, was vor der Operation typischerweise zum Harnabgang führte.

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Julien Labrie vom Universitair Medisch Centrum (UMC) Utrecht und Mitarbeiter haben die neue Operation in einer randomisierten Studie mit einer Physiotherapie verglichen, bei der die Patientinnen lernen, durch ein Beckenbodentraining einen unwillkürlichen Harnabgang zu unterdrücken.

An der Studie beteiligten sich 4 Universitäten und 19 Kliniken in den Niederlanden (ein Viertel aller behandelnden Kliniken des Landes). 460 Frauen mit mittelschwerer oder schwerer Stressinkontinenz (im Severity-Index von Sandvik) wurden auf eine Operation oder eine Physiotherapie randomisiert. Die Studie ermöglichte bei Unzufriedenheit einen Wechsel des Therapiearmes.

Davon machten 49 Prozent der Frauen im Physiotherapie-Arm, aber nur 11,2 Prozent der operierten Patientinnen Gebrauch, was für das Team um Huub van der Vaart vom UMC Utrecht bereits ein Hinweis auf die Überlegenheit der Operation ist. Sie zeigte sich auch nach einem Jahr im primären Endpunkt der Studie, der globalen Einschätzung der Patientinnen: 90,8 Prozent waren mit den Ergebnissen der Operation zufrieden gegenüber nur 64,4 Prozent der Frauen, die dem Beckenbodentraining zugelost worden waren. Auch die Zahl der Frauen, die nach einem Jahr völlig frei von Symptomen war, war nach der Operation (85,2 Prozent) größer als nach der Physiotherapie (53,4 Prozent).

Nur etwa eine von 10 Frauen erlitt durch den minimal-invasiven Eingriff leichtere Komplikationen (wie Blutergüsse oder eine Dranginkontinenz). Zu den seltenen schweren Komplikationen gehörte eine Blasenperforation, die Perforation des Vaginalepithels oder eine Freilegung des Kunststoffbands. Die Autoren vertreten aufgrund der Ergebnisse die Ansicht, dass Frauen mit Stressinkontinenz neben der Physiotherapie frühzeitig auch die Wahl auf eine Operation eingeräumt werden sollte. © rme/aerzteblatt.de

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