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Medizin

Skoliose: Studie bestätigt Nutzen von Orthesen

Donnerstag, 19. September 2013

Skoliosen mit einer Stärke von 40° Cobb /MH

Iowa City – So unbeliebt die „Korsette“ bei den jugendlichen Patienten mit idiopathischer Skoliose sind, so effektiv können sie eine Operation verhindern, wie jetzt erstmals in einer Vergleichsstudie im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1307337) gezeigt werden konnte.

Orthesen sind seit mehr als einem halben Jahrhundert der Standard in der Behandlung der Skoliose, der lange Zeit nicht hinterfragt wurde. Es erschien nur plausibel, der fortschreitenden Krümmung und Rotation der Wirbelsäule durch ein Korsett Einhalt zu gebieten, und den pubertären Wachstumsschub für eine Korrektion zu nutzen. Orthopäden raten deshalb zu einem Screening, das die United States Preventive Services Task Force, die in den USA das Ge­sund­heits­mi­nis­terium berät, jedoch 2004 überraschend ablehnte – aus Mangel an Beweisen für den Nutzen der Orthesentherapie.

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In der Folge wurde – erstmals für die Therapie der Skoliose – eine randomisierte klinische Studie geplant, deren Durchführung sich jedoch schwieriger als erwartet gestaltete. Denn mit der Idee, in dieser Frage das Los über die Wahl der Therapie entscheiden zu lassen, konnten sich nur wenige Eltern anfreunden.

Als die 25 beteiligten Zentren in den USA und in Kanada nach zwei Jahren nur wenige Patienten für die Studie gewinnen konnten, gab das Team um Stuart Weinstein von der Universität von Iowa in Iowa City nach. Bei den folgenden Teilnehmern durften die Eltern über die Wahl der Therapie mitentscheiden. Am Ende wurden nur 116 von 242 Patienten randomisiert, die anderen 126 folgten der persönlichen Vorliebe. Die meisten Eltern entschieden sich für eine Orthese, um eine spätere Operation zu vermeiden.

Einschlusskriterien der Studie waren ein Alter von 10 bis 15 Jahren, Wachstums­potenziale des Skeletts (Risser-Grad 0 bis 2) und eine Verformung der Wirbelsäule um 20 bis 40 Grad (Cobb-Winkel). Endpunkt war die Vermeidung eines Cobb-Winkels von mehr als 50 Grad, der als Indikation für eine Operation gilt. Wie Weinstein berichtet, wurde die Studie nach einer zweiten Zwischenauswertung im Januar 2013 vorzeitig abgebrochen, so überwältigend waren die Vorteile der Orthesenbehandlung: Bei 72 Prozent der Kinder wurde eine Verkrümmung auf 50 Grad oder mehr vermieden.

In der Vergleichsgruppe, in der die Kinder keine Orthesen erhielten, wurde das Ziel nur in 48 Prozent der Fälle erreicht. Hinzu kam, dass der Erfolg der Therapie deutlich davon abhing, wie viele Stunden am Tag die Kinder die Orthesen getragen hatten. Ab einer täglichen Tragezeit von 12,9 Stunden konnte eine spätere Operation zu 93 Prozent vermieden werden.

Die National Scoliosis Foundation sieht sich durch die Ergebnisse der Studie in ihrer Forderung bestätigt, die Erkrankung so früh wie möglich zu diagnostizieren, um den richtigen Zeitpunkt für die Therapie nicht zu verpassen. © rme/aerzteblatt.de

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