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Medizin

Darmkrebs: Koloskopie ist Sigmoidoskopie im Screening überlegen

Donnerstag, 19. September 2013

dpa

Boston/Minneapolis – Die Koloskopie kann vier von zehn Darmkrebserkrankungen und viele Krebstodesfälle verhindern. Sie war in einer Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2013; 369: 1095-1105) der Sigmoidoskopie überlegen, weist jedoch Lücken im proximalen Kolon auf. Bei einer genetischen Vorbelastung könnten kürzere Untersuchungsintervalle notwendig sein.

Während der Nutzen der Sigmoidoskopie durch randomisierte klinische Studien belegt ist, besteht bei der Koloskopie eine gewisse „Evidenzlücke“. Als Ersatz bietet sich die Analyse von prospektiven Beobachtungsstudien wie der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Studie an, die zusammen 88.902 Krankenschwestern und männliche Angehörige von Gesundheitsberufen begleitet.

Über einen Zeitraum von 22 Jahren wurden 1.815 Kolorektalkarzinome diagnostiziert, an denen 474 Patienten starben. Die Darmkrebserkrankungen traten seltener bei Personen auf, die eine Darmspiegelung durchgeführt hatten. Die größte protektive Wirkung wurde für Personen gefunden, bei denen in den Koloskopien keine Polypen gefunden wurden, die Vorläuferläsionen des Darmkrebs enthalten könnten.

Diese Personen erkrankten den Berechnungen von Andrew Chan vom Massachusetts General Hospital in Boston und Mitarbeitern zufolge später zu 56 Prozent seltener an Darmkrebs (Hazard Ratio HR 0,44; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,38-0,52). Nach einer negativen Sigmoidoskopie war das Darmkrebsrisiko um 40 Prozent vermindert (HR 0,60; 0,53-0,68).

Wurden während der Darmspiegelung Polypen entdeckt, kam es später zu 43 Prozent seltener zum Darmkrebs (HR 0,57; 0,45-0,72). Die etwas schlechteren Ergebnisse könnten darauf beruhen, dass bei der Vorsorgeuntersuchung zwar die Polypen entfernt werden, ihre Ursache jedoch bestehen bleibt und sich deshalb später rascher wieder neue Polypen bilden.

Chen schätzt, dass die Koloskopie insgesamt 40 Prozent aller kolorektalen Karzinome verhindert. Bei der Sigmoidoskopie wäre die Schutzwirkung geringer, da die Untersuchung nur einen Teil des Darms überblickt. Aber auch die Koloskopie hat Lücken. Im distalen Bereich vermeidet sie laut Chan 61 Prozent der kolorektalen Karzinome, im proximalen Bereich wären es nur 22 Prozent.

Trotzdem war die Koloskopie der Sigmoidoskopie auch hinsichtlich der Darmkrebs­mortalität überlegen: Die komplette Koloskopie senkte das Risiko, am Darmkrebs zu sterben, um 78 Prozent (HR 0,32; 0,24-0,45), nach der Sigmoidoskopie wurde das Risiko nur um 41 Prozent gesenkt (HR 0,59; 0,45-0,76).

Die Leitlinien raten heute zur Wiederholung der Darmspiegelung nach zehn Jahren. Bei einigen Patienten kommt es jedoch bereits nach weniger als 5 Jahren zum (erneuten) Krebswachstum. Bei diesen Patienten liegt häufig eine genetische Prädisposition vor. Chan lagen bei 62 Patienten die Daten einer Genanalyse vor: Eine veränderte Methylierung von CpG-Inseln im Genom („CpG island methylator phenotype“, CIMP) verdoppelte das Risiko auf ein frühes Intervallkarzinom (Odds Ratio OR 2,19; 1,14-4,21) ebenso wie eine  Mikrosatelliteninstabilität (OR 2,10; 1,10-4,02). Für diese Personen könnten kürzere Screening-Intervalle sinnvoll sein.

Genau genommen kann eine prospektive Beobachtungsstudie keine Beweiskraft für sich beanspruchen. Es lässt sich niemals ausschließen, dass neben der Endoskopie andere Faktoren für die Senkung des Darmkrebsrisikos verantwortlich waren. Denkbar ist beispielsweise, dass die Bereitschaft zur Darmkrebsvorsorge auf ein besonderes Gesundheitsbewusstsein hinweist, das sich auch in einer gesunden Ernährung äußert, die dann der eigentliche Grund für die Darmkrebsprävention wäre. © rme/aerzteblatt.de

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