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MVZ: Benachteiligungen beenden, Mitgliedschaft in KV ermöglichen

Mittwoch, 25. September 2013

mvz

Berlin – Ärztinnen und Ärzte in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) erwarten, dass ihre rechtliche Stellung in der nächsten Legislaturperiode verbessert wird. Sie wünschen sich zudem, dass angestellte gegenüber selbstständig tätigen Kollegen nicht schlechter angesehen werden von den relevanten Akteuren im Gesundheitswesen. Das wurde gestern bei der Tagung „Mehr Kooperation wagen“ des Bundesverbands Medizinische Versorgungszentren – Gesundheitszentren – Integrierte Versorgung (BMVZ) deutlich. Das Arzt- und Zulassungsrecht sei nach wie vor stark auf Einzelpraxen zugeschnitten, kritisierte Bernd Köppl, Vorstandsvorsitzende BMVZ, aber: „Der Rechtsrahmen muss sich verändern.“

Köppl verwies auf die zunehmende Zahl angestellter Ärztinnen und Ärzte und das Interesse des Nachwuchses an kooperativen Arbeitsformen: Ende 2011 gab es in Deutschland bereits mehr als 1.800 MVZ, vier Jahre zuvor waren es erst rund 950. Zum Stichtag 31. Dezember 2011 arbeiteten bereits mehr als 10.000 Ärztinnen und Ärzte in MVZ, also etwa sieben Prozent aller ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte. Etwa 8.600 von ihnen, mehr als 85 Prozent, waren damals angestellt. Heute sind bereits rund 20.000 Ärztinnen und Ärzte im gesamten ambulanten Sektor angestellt tätig.

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Das Verhältnis zwischen MVZ und Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) habe sich einerseits entspannt, konstatierte Köppl. Besonders angesehen seien die Zentren da, wo die ambulante Versorgung schwierig sei. Doch eine Umfrage des BMVZ unter seinen Mitgliedern hat andererseits ergeben, dass viele sich von der KV als Versorger zweiter Klasse behandelt fühlen. 15 Prozent gaben an, sie fühlten sich „unerwünscht“, 30 Prozent „als lediglich geduldet“, 38 Prozent „als nur teilweise akzeptiert“. Nur 17 Prozent meinten, man habe sie „voll akzeptiert“. 

Der zum 1. Oktober angekündigte neue Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) hat bei vielen MVZ offenbar den Eindruck verstärkt, sie würden gegenüber Einzelpraxen benachteiligt. Vor allem die Kürzungen bei der Grundvergütung und die vorgesehenen Ausschlusskriterien für die Abrechnung von Leistungen seien ein Problem, sagte Köppl. In Bezug auf bestimmte Einzelpraxen seien sie möglicherweise sinnvoll, nicht aber für die Zentren.

Feldmann:  EBM ist kein Angriff gegen MVZ  
Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, ging auf diese Kritik ein. Die EBM-Änderungen seien „kein Angriff gegen MVZ“, beteuerte sie. Manche träfen auch fachübergreifende Praxen. Sie wies darauf hin, dass für diese Gruppen Nachbesserungen im Bewertungsausschuss verhandelt werden. So sollen Hürden bei der Abrechnung der neuen versorgungsbereichsspezifischen Grundpauschale abgebaut werden.

Köppl will, dass auch an anderer Stelle Hürden aus dem Weg geräumt werden. „Wir möchten, dass ein MVZ als Institution Mitglied der KV werden kann“, erläuterte er. Es gehe dabei nicht um Stimmrechte. Versorgungszentren, so seine Argumentation, werden bei gerichtlichen Auseinandersetzungen relativ rasch mit dem Entzug der Zulassungen bestraft, weil man nicht auf ein abgestuftes Sanktionsinstrumentarium zurückgreifen könne, über das aber KVen verfügten.  

Die Verbandsmitglieder fordern der Umfrage zufolge zudem, dass Ungleichbehandlungen bei Plausibilitätsprüfungen überall in Deutschland der Vergangenheit angehören. Dass bei angestellten Ärzten im MVZ eine geringere Arbeitszeit angesetzt wird als bei selbstständig tätigen – zum Teil ein Drittel weniger – sei inakzeptabel, kritisierte Köppl.

Ein weiterer Wunsch betrifft die Rolle des Ärztlichen Leiters eines MVZ. Sie solle der Gesetzgeber in den nächsten Jahren klarer fassen. Hintergrund ist die anhaltende Befürchtung, Kapitalgeber könnten zu großen Einfluss auf die Behandlung in MVZ nehmen. Auch eine Harmonisierung von Zulassungsverordnung und Berufsrecht gilt dem BMVZ im Hinblick auf die zunehmende Zahl angestellter Ärzte als notwendig, weil sich sonst an den Schnittstellen von ambulanter und stationärer Versorgung oder bei arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen zahlreiche schwer lösbare Probleme ergeben. © Rie/aerzteblatt.de

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