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Ärzteschaft

Vertragsärzte erhalten 2014 bis zu 800 Millionen Euro mehr Honorar

Donnerstag, 26. September 2013

dpa

Köln –  Die 150.000 Vertragsärztinnen und –ärzte erhalten im nächsten Jahr zwischen 590 und 800 Millionen Euro mehr Honorar. Darauf haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband gestern Abend im Erweiterten Bewertungsausschuss geeinigt. Vermittelt wurde der Kompromiss vom unparteiischen Vorsitzenden, dem Gesundheitsökonom Jürgen Wasem.

KBV und Kassen hätten die Entscheidung gemeinsam getroffen, betonte KBV-Sprecher Roland Stahl gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Einen genauen Wert für die Hono­rar­steigerung konnte der Erweiterte Bewertungsausschuss nicht ermitteln. Denn verschiedene Honorarkomponenten wie die Veränderungsraten bei Demografie und Morbidität werden von den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen mit den Krankenkassen verhandelt, weil sie regional unterschiedlich sind.

Nach Angaben des KBV-Sprechers haben sich die Verhandlungspartner darauf geeinigt, dass der Orientierungswert vom 1. Januar 2014 an um 1,3 Prozent auf dann 10,13 Cent angehoben wird. Das entspricht einem Plus von 380 Millionen Euro. Außerdem habe der Bewertungsausschss empfohlen, die Demografie- sowie die Morbiditätsrate um einen Wert zwischen 0,4 und 1,4 Prozent zu erhöhen. Geeinigt habe man sich außerdem auf eine weitere Förderung der Grundversorgung im hausärztlichen und im fachärztlichen Versorgungsbereich mit jeweils 70 Millionen Euro.

Es ist der KBV in den Verhandlungen allerdings nicht gelungen, die haus- und fach­ärztlichen Grundpauschalen aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung heraus­zulösen und künftig extrabudgetär vergüten zu lassen. Das Thema sei aber nicht vom Tisch, erklärte KBV-Sprecher Stahl. Man habe sich mit den Kassen auf einen Kompro­miss geeinigt und wolle eine mögliche Ausdeckelung der Grundpauschalen 2015 prüfen.

Die ärztliche Selbstverwaltung müsse jetzt vorbereitende Maßnahmen treffen und haus- und fachärztliche Grundleistungen definieren, sagte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Köhler, zu dem Kompromiss. Nur auf dieser Grundlage lasse sich das Ziel der extrabudgetären Vergütung dieser Leistungen erreichen.

„Aus unserer Sicht ist das Ergebnis ein vertretbarer Kompromiss, der Kostenstei­gerungen in den Arztpraxen ausreichend berücksichtigt und einen weiteren Beitrag zur Förderung der haus- und fachärztlichen Grundversorgung einschließt“, erklärte die stellvertretende Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbands, Ann Marini. Auf dieser Grundlage könnten jetzt die Verhandlungen in den KV-Regionen beginnen. Erst danach stehe fest, wie hoch der Honorarzuwachs für den einzelnen Arzt tatsächlich sein werde.

Im Erweiterten Bewertungsausschuss ging es gestern ausschließlich um die Honoraranpassungen für 2014. Nachjustierungen an der EBM-Reform, wie sie die KBV-Vertreterversammlung am vergangenen Freitag gefordert hatte, waren, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete, kein Thema. Hier soll es weitere Gespräche mit den Krankenkassen geben. © HK/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 27. September 2013, 15:19

KBV und SpiBu auf dem fliegenden Teppich!

Märchen aus "Tausendundeiner-KBV-Nacht" hören sich so an: Da kommt ein fliegender Teppich, beladen mit 590 bis 800 Millionen Euro für alle 150.000 Vertragsärztinnen und –ärzte angeflogen. Das wären für nächstes Jahr eine durchschnittliche Steigerung des GKV-Praxisumsatzes von mindestens 3.933,33 Euro pro Kassenarzt.

Generiert werden soll dieser Mehrwert durch die Steigerung des Orientierungspunktwerts ab 1. Januar 2014 um 1,3 Prozent auf 10,13 Cent. Wobei die KBV sich von ursprünglich 2,6 Prozent Forderung auf die Hälfte hat herunterhandeln lassen. Die Demografie- und Morbiditätsrate solle um einen Wert zwischen 0,4 und 1,4 Prozent erhöht werden, so eine noch unverbindliche "Empfehlung". Die Förderung der Grundversorgung im haus- und fachärztlichen Versorgungsbereich ist mit 140 Millionen Euro vorgesehen.

Damit ist allerdings das GKV-Honorar-Märchen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), dem Spitzenverband Bund der Gesetzlichen Krankenkassen (SpiBu) und vom Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem von der Uni Duisburg/Essen leider schon zu Ende. Warum? Ganz einfach:

28,25 Milliarden Euro wurden von den GKV-Kassen und dem Gesundheitsfonds für die Arbeit der 150 000 niedergelassenen Vertragsärzte im Jahr 2012 ausgegeben. Quelle: http://www.gkv-spitzenverband.de/presse/zahlen_und_grafiken/gkv_kennzahlen/gkv_kennzahlen.jsp#lightbox
Ein Plus von 590 bis 800 Millionen wäre ein Zuwachs von 2,09 Prozent bis 2,83 Prozent.

Die Anhebung des Orientierungspunktwertes um plus 1,3 Prozent von 10 auf 10,13 Cent gilt aber n i c h t für das gesamte GKV-Honorarvolumen von 28,25 Milliarden. Und allein die bloße Aussicht, zunehmende Demografie- und erhöhte Morbiditätsraten sollen eventuell mit 0,4 bis 1,4 Prozent Honorarzuwachs Berücksichtigung finden, schlägt sich nicht zwangsläufig in messbaren Euro- und Cent-Beträgen nieder. Je 70 Millionen für haus- und fachärztliche Grundversorgung machen übrigens nur 0,496 Prozent aus.

Das bestmögliche Szenario besteht m. E. in einer Steigerung von 1,796 Prozent. Dass sind dann nur gut 500 Millionen Euro für 150 000 Vertragsärzte/-innen. An dem zum 1. Oktober beschlossenen neuen Hausarzt-EBM und der fachärztlichen Grundversorgungspauschale (PFG) sollen wir uns allerdings noch gleichsam wie Aladin an der Wunderlampe bis zum Ende des Jahres reiben dürfen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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