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Medizin

Polio vor den Toren Europas

Donnerstag, 26. September 2013

Stockholm – Der Nachweis von Polioviren in Abwässern in Israel, zuletzt auch in Jerusalem, bereitet dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm Kopfzerbrechen. Was im israelischen Gesundheits­system mit seinem europäischen Standard möglich war, könne auch für europäische Länder nicht ausgeschlossen werden, heißt es in eine Risiko-Abschätzung.

Die Bevölkerung in Europa sei zwar im Allgemeinen gut geschützt, heißt es in dem Bericht. Die Impfquote liege im Allgemeinen bei über 90 Prozent, was eine Ausbreitung der Polio verhindern sollte. Es gebe jedoch Bevölkerungsgruppen („pockets“) mit einem unzureichenden Impfschutz.

Die ECDC schätzt, dass etwa 12 Millionen Europäer im Alter unter 29 Jahren nicht oder nur unzureichend geimpft sind. Hinzu kommt, dass in vielen Ländern nicht mehr die klassische Schluckimpfung mit dem oralen Lebendimpfstoff (OPV) durchgeführt wird, sondern mit der (besser verträglichen) inaktivierten Poliovakzine (IPV). Die IPV kann die Ausbreitung von Polioviren verhindern, im Fall einer Einschleppung besteht jedoch ein mittleres Risiko einer Infektion und sogar die geringe Gefahr einer Erkrankung.

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Aus diesem Grund werden derzeit in Israel landesweit Impfungen mit OPV durchgeführt. Dort waren zuerst im Süden des Landes Viren in Abwässern nachgewiesen worden, später auch in anderen Regionen. Da Polioviren nur den Menschen infizieren, ist dies ein sicherer Hinweis auf Ausscheider, also Menschen, die mit dem Virus infiziert sein müssen. Erkrankungsfälle wurden bisher nicht nachgewiesen.

Die Gen-Analyse zeigt eine Verwandtschaft mit Viren, die in Pakistan kursieren, im Dezember 2012 aber auch in Kairo in Abwässern gefunden wurden. Von Israel sind es nur wenige Flugstunden nach Europa. Die ECDC fordert deshalb die nationalen Behör­den auf, die Überwachung (der Abwässer) zu intensivieren und die Notfallpläne zu prüfen, um im Fall eines Virusalarms die notwendigen Gegenmaßnahmen treffen zu können. © rme/aerzteblatt.de

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