NewsMedizinTödliche Hepatitis B unter Rituximab und Ofatumumab
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Tödliche Hepatitis B unter Rituximab und Ofatumumab

Donnerstag, 26. September 2013

Rockville – Anhaltende Berichte über schwere Hepatitis B-Erkrankungen, teilweise mit tödlichem Ausgang, unter der Therapie mit Ofatumumab (Arzerra) und Rituximab (Rituxan, in Deutschland MabThera) veranlassen die US-Arzneibehörde FDA, ihre Warnhinweise zu verschärfen. Alle Patienten müssen vor Therapiebeginn auf eine frühere Infektion hin untersucht werden.

Ofatumumab und Rituximab sind monoklonale Antikörper gegen das Merkmal CD20, das B-Zellen kennzeichnet. Beide werden erfolgreich zur Behandlung von Leukämien und Lymphomen eingesetzt, die durch Proliferation von B-Zellen entstehen. Rituximab wird zunehmend auch bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt, in deren Pathogenese B-Zellen (als Produzenten von Antikörpern in Plasmazellen) eine Rolle spielen. Antikör­per werden aber auch zur Abwehr von Infektionen benötigt. Viele Erreger werden eliminiert, andere jedoch nur soweit in Schach gehalten, dass sie keine Schäden anrichten.

Bei einer Therapie mit Ofatumumab und Rituximab kann es dann zu einer Reaktivierung kommen. Hiervon betroffen ist das Hepatitis B-Virus. Noch Jahre nach einer (scheinbaren) Aushei­lung kann die Hepatitis wieder aufflammen, wenn die Kontrolle durch das Immunsystem Lücken aufweist. Die diesbezüglichen Risiken einer Behandlung mit Ofatumumab und Rituximab sind bekannt, und die Fachinformationen fordern vor der Therapie zu einer serologischen Diagnostik auf, was aber nicht immer beachtet wird.

Anzeige

Von den 109 Erkrankungsfällen, die die FDA in der Datenbank AERS (Adverse Event Reporting System) seit Zulassung der beiden Medikamente (Rituxan in November 1997 und Arzerra im Oktober 2009) erfasst hat, war nur bei einer Minderheit eine komplette serologische Diagnose dokumentiert, so dass die FDA vermutet, dass viele Patienten vor Therapiebeginn nicht ausreichend getestet werden. Neue umrahmte Warnhinweise in den Fachinformationen sollen dies jetzt sicherstellen.

Die FDA weist darauf hin, dass das Screening neben der Bestimmung des Oberflächen­antigens HBsAg, das eine frische Infektion belegt, auch den Core-Antikörper anti-HBc umfassen sollte, der auf einen früheren Kontakt mit dem Erreger hinweist. Viele Patienten, bei denen eine Reaktivierung dokumentiert wurde, waren vorher anti-HBc-positiv gewesen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. Juli 2020
Los Angeles – US-Erwachsene, die an einer Online-Umfrage zu gastrointestinalen Beschwerden teilnahmen, waren doppelt so häufig mit SARS-CoV-2 infiziert, wenn sie eine Einnahme von
Studie: Steigern PPI das COVID-19-Risiko?
9. Juli 2020
Berlin – Anwendungsbeobachtungen (AWB) sind aus Sicht der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) vielfach Marketingmaßnahmen der Pharmaindustrie mit „geringem wissenschaftlichen
AkdÄ: Erkenntnisgewinn von Anwendungsbeobachtungen gering
7. Juli 2020
Karlsruhe/Bottrop – Im Skandal um jahrelang gestreckte Krebsmedikamente hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Haftstrafe gegen einen Apotheker aus dem Ruhrgebiet bestätigt. Der BGH in Karlsruhe lehnte
Krebsmedikamente gestreckt: Urteil gegen Apotheker rechtskräftig
2. Juli 2020
Oakland/Kalifornien – Werden die Risiken von Makrolid-Antibiotika weiter unterschätzt? Obwohl seit langem bekannt ist, dass die Mittel über eine Verlängerung des QT-Intervalls das Risiko auf tödliche
Studie: Azithromycin kann Herz-Kreislauf-Todesfälle provozieren
16. Juni 2020
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ihre Erlaubnis zum klinischen Einsatz von Hydroxychloroquin/Chloroquin bei Patienten mit COVID-19 widerrufen. Damit dürfen die Malaria- und
COVID-19: FDA widerruft Genehmigung zum Einsatz von Hydroxychloroquin/Chloroquin
9. Juni 2020
Amsterdam – Das US-Pharmaunternehmen Gilead hat offiziell die begrenzte Zulassung von Remdesivir als Mittel gegen COVID-19 auf dem europäischen Markt beantragt. Das teilte die Europäische
Remdesivir: Europäische Zulassung gegen COVID-19 beantragt
8. Juni 2020
Oxford – Das Malariamittel Hydroxychloroquin hat erneut die Erwartungen nicht erfüllt. Die britische Gesundheitsbehörde MHRA brach in der letzten Woche eine größere randomisierte Studie an Patienten
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER