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Medizin

Antidepressivum treibt Lungenkrebszellen in den Selbstmord

Freitag, 27. September 2013

SLCS im mikroskopischen Präparat

Stanford – Das trizyklische Antidepressivum Imipramin könnte ein wirksames Medikament beim kleinzelligen Bronchialkarzinom sein. US-Forscher beschreiben in Cancer Discovery (2013; doi: 10.1158/2159-8290.CD-13-0183) eine pro-apoptische Wirkung, die bereits eine erste klinische Studie veranlasst hat.

Etwa 15 Prozent aller Lungenkrebse entfallen auf das kleinzellige Bronchialkarzinom (small-cell lung cancer SCLC), dessen Herkunft viele Krebsforscher auf neuroendokrine Zellen zurückführen, die es vereinzelt in den Atemwegen gibt. SCLC haben eine (auch für die Verhältnisse von Lungenkrebs) ungünstige Prognose. Nur wenige Patienten überleben den Tumor und die therapeutischen Optionen sind bescheiden.

Was den großen milliardenschweren Pharmafirmen in den letzten 30 Jahren nicht gelungen ist, nämlich ein neues wirksames Krebsmedikament zu finden, will das Team um Julien Sage von der Stanford Universität jetzt in weniger als 20 Monaten erreicht haben.

Die Forscher durchkämmten mit einem Computerprogramm Genexpressionsprofile, die den Einfluss von zugelassenen Medikamenten auf den Zellstoffwechsel untersucht haben. In der unüberschaubaren Datenmenge suchten sie nach Wirkstoffen, die spezifisch auf neuroendokrinen Zellen wirken.

Dabei stießen sie auf die beiden Antidepressiva Imipramin und Promethazin, die offenbar zwei für die hormonbildenden Zellen wichtige Stoffwechselwege so sehr stören, dass in den Zellen der Apoptose-Mechanismus ausgelöst wird, der eine Selbstzerstörung zur Folge hat.

Im nächsten Schritt wurden die Antidepressiva im Labor an SCLC-Zellen untersucht. Imipramin vernichtete sowohl chemonaïve als auch chemoresistente Tumorzellen­kulturen. Nachdem Imipramin mehrmals menschliche SCLC-Tumore bei Mäusen beseitigt hatte, sah Sage den Zeitpunkt für klinische Studien gekommen. Die normalerweise notwendige Toxizitätsprüfung konnte entfallen, da Imipramin ja bereits seit den späten 50er Jahren zugelassen ist – es war das erste effektive Antidepressivum.

Eine Phase-II-Studie ist nach Auskunft der Forscher bereits angelaufen. Ob Imipramin darin die erhoffte Wirkung erzielt, bleibt abzuwarten. Vor zwei Jahren hatten die Forscher mit der gleichen Strategie, die sie „Drug Repositioning“ nennen, schon einmal vorhergesagt, dass das Antikonvulsivum Topiramat entzündliche Darmerkrankungen lindern kann.

Klinische Früchte hat die Hypothese jedoch bisher nicht getragen, auch wenn die Forscher durch Gründung einer eigenen Firma namens „Numedii“ und die Anmeldung von Patenten sichergestellt haben, dass sie am Erfolg finanziell teilhaben würden. © rme/aerzteblatt.de

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