NewsPolitikGemeinsamer Bundes­aus­schuss: Geringer Zusatznutzen bei zwei Gliptinen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss: Geringer Zusatznutzen bei zwei Gliptinen

Dienstag, 1. Oktober 2013

Berlin – Einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen sieht der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) für die Diabetespräparate Sitagliptin und Saxagliptin. Vildagliptin dagegen hat der G-BA keinen Zusatznutzen attestiert. Alle genannten Präparate sind für die Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen.

„Der geringe Zusatznutzen für Sitagliptin und Saxagliptin wird mit Daten begründet, die auf eine verringerte Häufigkeit von Unterzuckerungen bei diesen Gliptinen im Vergleich mit den etablierten Standardtherapien aus Metformin und Sulfonylharnstoffen schließen lassen“, sagte Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Arzneimittel. Die Untersuchungen zu Vildagliptin hingegen hätten unter anderem viele Studienteilnehmer berücksichtigt, bei denen eine Therapie­inten­sivierung nicht erforderlich gewesen wäre, so Hecken.

Der Arzneimittelhersteller  Novartis nannte die Entscheidung des G-BA zu den oralen Antidiabetika Galvus®/Eucreas® (Vildagliptin/Kombination von Vildagliptin/Metformin) „nicht nachzuvollziehen“. Der G-BA habe die Chance zur Korrektur einer fehlerhaften Empfehlung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen nicht genutzt.

Anzeige

Relevante Studiendaten und Erkenntnisse aus dem Praxisalltag seien auch in dieser Phase unbe­rück­sichtigt geblieben. „Mit der Wahl der längst generischen Vergleichs­therapie mit Tagestherapiekosten um die zehn Cent hat der G-BA bereits den entscheidenden Schritt in die Isolierung der deutschen Patienten getan“, hieß es von Novartis.

Der G-BA hat mit der Entscheidung erstmals Nutzenbewertungen von Arzneimitteln im so genannten Bestandsmarkt abgeschlossen, also von Medikamenten, die vor dem 1. Januar 2011 auf den Markt gebracht wurden. Dies sieht das Arzneimittelmarktneuord­nungsgesetz (AMNOG) vor. Nur wenn diesen dabei ein Zusatznutzen bescheinigt wird, rechtfertigt das einen Preis über Generikaniveau.

Derzeit werden sechs der am häufigsten verordneten Wirkstoffgruppen, die vergleichs­weise hohe Umsätze erzielen, einer Nutzenbewertung unterzogen. Neben den Diabetes-Mitteln handelt es sich dabei auch um Schmerzmittel, Präparate gegen Osteoporose, zur Schlaganfall-Prophylaxe sowie zur Behandlung von Depressionen und entzündlichen Gelenkerkrankungen.

Novartis hatte gegen die Bewertung der Gliptine geklagt, als der G-BA sie im vergan­genen Jahr zur Bewertung aufrief. Das Landessozialgericht (LSG) Berlin-Brandenburg hatte die Klage im Mai 2013 abgewiesen. „Der AMNOG-Prozess wird vom Wunsch nach einer Kostensenkung dominiert, die wissenschaftliche Bewertung wird diesem Ziel untergeordnet“, kritisierte Mark Never, Vorsitzender der Geschäftsführung von Novartis Pharma heute in Nürnberg.

Hecken betonte, dass zurzeit für keines der bewerteten Gliptine entscheidende Langzeit­daten zu kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie zur Langzeitsicherheit für Patienten vorlägen. Der G-BA habe sich daher kein abschließen­des Gesamtbild zum Zusatznutzen gemacht und seine Beschlüsse bei diesen ersten Bestandsmarktbewertungen befristet. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. Juli 2020
Sydney und Minneapolis – Die Behandlung mit dem Urikostatikum Allopurinol hat in 2 randomisierten Studien an Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz erwartungsgemäß den Harnsäurespiegel gesenkt,
Allopurinol kann Progression einer Niereninsuffizienz in Studien nicht aufhalten
6. Juli 2020
Köln – Auch neuere Studienergebnisse können nicht zeigen, dass eine Proteomanalyse des Urins und eine daraus resultierende Therapie für Patienten mit einer diabetische Nephropathie (DNP) einen Vorteil
IQWiG findet keinen Nutzen für Proteomanalyse bei diabetischer Nephropathie
3. Juli 2020
Berlin – Der Startschuss für eine nationale Diabetesstrategie ist gefallen. Der Bundestag hat den Antrag heute mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen aus Union und SPD beschlossen. Die übrigen
Enttäuschung über „Light“-Version der Diabetesstrategie
3. Juli 2020
Berlin – Niedergelassene Ärzte erhalten voraussichtlich erst ab Oktober strukturierte Informationen zur frühen Nutzenbewertung in ihrer Arzneimittelverordnungssoftware. Darauf weist die
Arztinformationssystem: Frühe Nutzenbewertung erst ab Oktober
3. Juli 2020
Thessaloniki –Bei 21 verfügbaren Wirkstoffen mit 9 verschieden Wirkungsmechanismen fällt vielen Ärzten die Wahl des richtigen Medikaments für den individuellen Patienten mit Typ-2-Diabetes schwer.
Typ-2-Diabetes: Netzwerk-Analyse sieht Metformin-basierte Therapie weiterhin als Standard
2. Juli 2020
Palo Alto/Kalifornien – US-Forscher haben einen Hilfsstoff gefunden, der den Wirkungseintritt des schnell wirkenden Insulin lispo bei Schweinen deutlich beschleunigt hat. Möglich wurde dies laut dem
Typ-1-Diabetes: Neuer Hilfsstoff könnte die Wirkung von Insulin lispo deutlich beschleunigen
2. Juli 2020
Ulm – 29 internationale Partner aus Forschung und Industrie suchen in einem neuen Projekt der Europäischen Union (EU) nach Risikofaktoren für Übergewicht und nach Therapien für verschiedene
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER