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Medizin

Metoprolol durch Notarzt kann Ausdehnung des Herzinfarkt begrenzen

Dienstag, 1. Oktober 2013

Madrid – Die intravenöse Gabe des Betablockers Metoprolol in der Prähospitalphase hat in einer randomisierten Studie die Ausdehnung des Herzinfarktes begrenzt und die linksventrikuläre Auswurffraktion leicht verbessert, wie aus einer Publikation in Circulation (2013; 128: 1495-1503) hervorgeht. Die kostengünstige Therapie soll jetzt in einer internationalen Studie geprüft werden.

Die kardioprotektive Wirkung von Betablockern beim Herzinfarkt ist gut dokumentiert. Derzeit wird die Therapie, die nur bei hämodynamisch stabilen Patienten indiziert ist, erst im Krankenhaus begonnen. Das spanische Forschungsinstitut CNIC (Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares) hat jetzt erstmals in einer randomisierten klinischen Studie untersucht, ob die Therapie mit dem Betablocker bereits in der Prähospitalphase im Rettungswagen vorverlegt werden kann.

An sieben Kliniken in Spanien wurden insgesamt 270 Patienten mit Vorderwandinfarkt (STEMI) auf die intravenöse Gabe von Metoprolol oder Placebo randomisiert. Ein wichtiges Einschlusskriterium war eine Killip-Klasse I oder II (kein Lungenödem, kein kardiogener Schock), um den Einsatz von hämodynamisch instabilen Patienten zu vermeiden.

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Alle Patienten erhielten später in der Klinik die Standardtherapie des STEMI. Sie besteht heute in einer perkutanen koronaren Intervention, die in der Studie spätestens 6 Stun­den nach Schmerzbeginn erfolgen musste. Primärer Endpunkt war die Größe des Infarktareals in einer Kernspintomographie fünf bis sieben Tage nach dem Herzinfarkt.

Wie das Team um Borja Ibáñez vom CNIC in Madrid jetzt berichtet, wurde die Größe des infarzierten Herzmuskels im Durchschnitt von 32 auf 25 Gramm verkleinert. Bei Patienten mit klarer Blockade vor der PCI (TIMI Flow 0 bis 1) wurde das Infarktareal sogar von 13,1 auf 3,16 Gramm reduziert.

Die linksventrikuläre Auswurffraktion wurde in der Gesamtgruppe ebenfalls signifikant (um 2,67 Prozent) verbessert. Der klinisch relevante Endpunkt Tod oder kardiale Morbidität trat bei 7,1 statt 12,3 Prozent der Patienten auf. Hier wurde allerdings - bei der geringen Teilnehmerzahl der Studie nicht verwunderlich - das Signifikanzniveau verpasst.

Das CNIC plant jetzt eine multinationale Studie. Sollte sich der Vorteil der Betablocker­gabe in der Prähospitalphase bestätigen, sieht Adnan Kastrati vom Deutschen Herzzentrum München im Editorial eine Änderung der derzeitigen Leitlinie voraus. Da Metoprolol seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung der arteriellen Hypertonie und anderer Herzkreislauferkrankungen eingeführt ist, würden sich die Kosten der Herzinfarkttherapie kaum verteuern. Metoprolol zur Injektion wird für weniger als 2 Euro angeboten. © rme/aerzteblatt.de

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