NewsMedizinMenopause: Neue WHI-Publikation sieht Östrogenrisiken differenzierter
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Menopause: Neue WHI-Publikation sieht Östrogenrisiken differenzierter

Mittwoch, 2. Oktober 2013

dpa

Boston – Vor elf Jahren hatten die Ergebnisse der Women's Health Initiative (WHI) das Ende der damaligen postmenopausalen Hormonersatztherapie eingeleitet. Eine Nachbeobachtung der Teilnehmer im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2013; 310: 1353-1368) bestätigt jetzt die damaligen Risiken für die alleinige Östrogentherapie, während die Folgen der Kombinationstherapie schnell abklingen.

Noch Anfang der 1990er Jahre nahmen in den USA rund 40 Prozent aller Frauen nach den Wechseljahren Östrogene ein, wobei die Tabletten meistens eine Gestagen­komponente enthielten, um die Entwicklung von Endometriumkarzinomen zu verhindern. Östrogenmonopräparate wurden nur an hysterektomierte Frauen verordnet.

Die langfristige Einnahme der Hormone sollte nicht nur die klimakterischen Beschwerden lindern, den Frauen wurde auch eine Prävention von Osteoporose und Atherosklerose versprochen. Die 2002 und 2004 publizierten Ergebnisse der beiden WHI-Studien (zur Kombinations- und zur Monotherapie) ergaben jedoch, dass die Östrogene das Schlaganfallrisiko erhöhten. In der Kombination mit einem Gestagen stieg zudem das Herzinfarktrisiko und es traten vermehrt Brustkrebserkrankungen auf.

Die Ergebnisse schockierten damals die Öffentlichkeit, da die Hormonersatztherapie als Komplikation genau die Ereignisse provozierte, vor denen sie eigentlich schützen sollte. Für beide Präparate wurde später zusätzlich ein erhöhtes Risiko auf Gedächtnis­störungen und Demenzen, venöse Thromboembolien, Harninkontinenzen und Gallen­blasenerkrankungen beschrieben, die die Attraktivität der Hormontherapie weiter senkten, auch wenn sie in der WHI osteoporotischen Frakturen vorbeugten und das Diabetesrisiko senkten.

In der randomisierten doppelblinden WHI-Studie hatte die Hälfte der Teilnehmerinnen Hormonpräparate eingenommen. Beim Monopräparat betrug die Behandlungsdauer 7,2 Jahre, beim Kombinationspräparat  5,6 Jahre. Mit dem Abbruch der beiden Studien beendeten die Frauen die Hormonbehandlung.

Risiken werden geringer
Wie JoAnn Manson vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Mitarbeiter jetzt berichten, haben sich seither die Risiken abgeschwächt, beim Mammakarzinom aller­dings mit einer gewissen Verzögerung. Auch nach kumulativ 13 Jahren erkranken Frauen, die anfangs die Kombination aus Östrogen plus Gestagen eingenommen hatten, noch häufiger an koronaren Ereignissen und an Brustkrebs.

Dieser Nachteil war auch bei Frauen nachweisbar, die schon während der Menopause mit der Einnahme begonnen hatten. Hier hat die WHI-Studie eine therapeutische Lücke hinterlassen, da es kaum gleichwertige Alternativen zur Behandlung klimakterischer Beschwerden gibt.

Bei den hysterektomierten Frauen, die Monopräparate eingenommen hatten, ist die Situation wesentlich günstiger. Hier war die Rate von koronaren Ereignissen und Brustkrebsneuerkrankungen nach kumulativ 13 Jahren sogar geringer als im früheren Placebo-Arm – mit besonders günstigen Ergebnissen in der jüngeren Altersgruppe, für die eine symptomatische Hormongabe infrage käme.

Die Gründe für die „protektive“ Wirkung sind unklar. Sie könnte aber dazu führen, dass eine vorübergehende orale Östrogentherapie von hysterektomierten Frauen in Zukunft wieder als vertretbar eingestuft wird. Eine Rückkehr zu der dauerhaften Hormoner­satztherapie über viele Jahre hinweg wird es allerdings kaum geben, zumal im globalen Endpunkt Sterblichkeit kein Unterschied nachweisbar war.

Für die Editorialistin Elizabeth Nabel von der Harvard Medical School in Boston bleibt es dabei, dass die WHI-Studie ein medizinisches Dogma gekippt hat und sich eine kritiklose Östrogentherapie derzeit verbietet. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

13. Dezember 2017
Rockville – Frauen sollten nach der Menopause keine Hormonpräparate einnehmen, um sich vor chronischen Krankheiten zu schützen. Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) erteilt in ihrer
Kein sicheres „Timing“: US-Leitlinie lehnt Hormone zur Krankheitsprävention nach der Menopause weiter ab
21. November 2017
Berlin – Der vorzeitige Stopp der Studie der Women’s Health Initative (WHI) wegen negativer Nutzen-Schaden-Bilanz der postmenopausalen Hormontherapie hat 2002 eine Trendwende eingeleitet, die bis
Postmenopausale Hormontherapie: Bedarf es einer erneuten Trendwende?
16. November 2017
Bonn – Ob Primodos sowie vergleichbare Hormonpräparate embryonale Missbildungen begünstigen könnten, war Gegenstand einer zweijährigen Untersuchung in Großbritannien. Die Ergebnisse wurden heute
Britisches Gutachten: Erneuter Freispruch für Duogynon
13. September 2017
Boston – Der Anstieg von Brustkrebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der 2002 und 2004 den vorzeitigen Abbruch der beiden randomisierten Studien der Women's Health Initiative (WHI) zur
Menopause: Sterberisiko nach Women's Health Initiative langfristig nicht erhöht
31. August 2017
Berlin – Entgegen der vorherrschenden Bedenken sollten Frauen mit Wechseljahresbeschwerden viel häufiger eine Hormontherapie erhalten, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).
Hormontherapie: Endokrinologen fordern Trendwende bei Wechseljahresbeschwerden
16. September 2016
Rotterdam – Ein frühes Einsetzen der Wechseljahre erhöht bei Frauen das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen (mit der Ausnahme von Schlaganfällen) und einen vorzeitigen Tod. Dies kam in einer
Frühe Menopause erhöht Herz-Kreislauf-Risiko
27. Juli 2016
Stanford – Frauen, die früh nach Beginn der Menopause mit einer Estradiol-Therapie beginnen, zeigen keine bessere kognitive Funktion als Frauen, die keine Hormone einnehmen. Dies fanden Forscher der
VG Wort
NEWSLETTER