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Medizin

Geplanter Kaiserschnitt bei Zwillingen ohne Vorteile

Freitag, 4. Oktober 2013

dpa

Toronto – Mehrlingsschwangerschaften sind für viele Geburtshelfer eine Indikation für eine geplante Sectio. Eine größere randomisierte Studie zu dieser Frage im New England Journal of Medicine (2013; 369: 1295-1305) kommt jetzt jedoch zu dem Ergebnis, dass eine vaginale Entbindung nicht riskanter für die Neugeborenen ist.

An der Twin Birth Study nahmen 106 Zentren aus 25 Ländern (deutsche Beteiligung Charité und LMU München) teil. Unter einem erheblichen logistischen Aufwand gelang es in siebeneinhalb Jahren etwa 2.800 Schwangere mit einer Zwillingsschwangerschaft zu rekrutieren. Einschlusskriterien waren eine Schwangerschaft in der 32. Bis 38. Gestationswoche, ein Alter der Frauen zwischen 18 und 49 Jahren, ein geschätztes Geburtsgewicht von 1.500 bis 4.000 Gramm sowie eine Kopflage des ersten Kindes.

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Ausgeschlossen waren monoamniotische Zwillinge (die sich eine Fruchtblase teilen) sowie Kontraindikationen gegen eine vaginale Entbindung wie schwere fetale Störungen oder Fehlbildungen, ein starker Größenunterschied zwischen den Feten oder Narben im unteren Uterusabschnitt beispielsweise nach einer früheren Sectio.

Wie Jon Barrett vom Sunnybrook Research Institute in Toronto und Mitarbeiter mitteilen, erfolgten im Studienarm mit geplanter Sectio 90,7 Prozent der Geburten per Kaiser­schnitt. In der Kontrollgruppe wurde die vaginale Entbindung bei 56,2 Prozent (beide Kinder) durchgeführt, bei 39,6 Prozent erfolgte eine Sectio (davon 29,6 Prozent während der Wehenphase und 14,1 Prozent davor).

Der primäre Endpunkt aus perinataler Mortalität oder schwerer Morbidität trat im Arm mit geplanter Sectio bei 2,1 Prozent der Feten auf, in der Kontrollgruppe mit geplanter vaginaler Entbindung waren es 1,9 Prozent. Die Odds Ratio betrug 1,16 war aber bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,77 bis 1,74 nicht signifikant.

Die Studie bedeutet, dass bei Zwillingen mit Kopflage des ersten Kindes eine vaginale Geburt angestrebt werden kann. Bei Beckenendlage sind die Risiken nach einer früheren Studie der gleichen Gruppe dagegen erhöht (Lancet 2000; 356: 1375-83). Zu bedenken ist ferner, dass die Studie an Zentren mit erfahrenen Geburtshelfern durchgeführt wurde.

Der Editoralist Michael Greene vom Massachusetts General Hospital in Boston gib zu bedenken, dass viele Geburtshelfer heute nicht mehr darin ausgebildet sind, Kinder in komplizierten Situationen, etwa in Beckenendlage zu entbinden. Er bezweifelt deshalb, dass die Studie die Tendenz zur geplanten Sectio umkehren wird. © rme/aerzteblatt.de

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