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Medizin

Intensivstation: Delirium hinterlässt kognitive Störungen

Freitag, 4. Oktober 2013

dpa

Nashville – Viele Patienten, die auf Intensivstation ein Delirium erleiden, verlassen die Klinik häufig mit kognitiven Störungen, die in einer Kohortenstudie im New England Journal of Medicine (2013; 369: 1306-1316) auch drei Monate oder ein Jahr später noch nachweisbar waren.

Ein Delir ist bei Patienten, die auf Intensivstationen mit dem Leben ringen, nicht selten. Die Symptome reichen von leichter Verwirrtheit bis zu ausgeprägten Denk- und Gedächtnisstörungen, und Positivsymptome einer Psychose (Halluzinationen) sind nicht selten.

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Viele Patienten erholen sich nur langsam von dem Delir und der frühere Begriff „Durchgangssyndrom“ wird deshalb heute nicht mehr verwendet. Da das Delir in der Regel abklingt, überwiegt der Optimismus, dass die meisten Patienten sich nach der Entlassung wieder vollständig erholen. Die BRAIN-ICU-Studie kann dies leider nicht bestätigen.

Der Anästhesiologe Pratik Pandharipande vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville/Tennessee hat zusammen mit Mitarbeitern 821 Patienten nachbeobachtet, die dank einer intensivmedizinischen Behandlung ein Atemnotsyndrom, einen kardiogenen Schock oder einen septischen Schock überlebt haben. Drei Viertel erlitten während des Aufenthalts auf der Intensivstation ein Delir.

Soweit zu beurteilen hatten nur 6 Prozent dieser Patienten vorher bereits unter kogni­tiven Einschränkungen gelitten. Bei einer Nachuntersuchung nach drei Monaten hatten noch 40 Prozent leichte kognitive Einschränkungen, die laut Pandharipande mit denen eines moderaten Schädelhirntraumas vergleichbar waren.

Diese Störungen waren bei 34 Prozent aller Patienten auch nach einem Jahr noch nachweisbar. Bei 26 Prozent der Patienten stellten die Psychiater bei der Untersuchung nach drei Monaten sogar Defizite wie bei einer milden Alzheimer-Erkrankung fest. Von dieser leichten Demenz hatten sich 24 Prozent aller Patienten auch nach einem Jahr noch nicht erholt.

Der wichtigste Risikofaktor für anhaltende kognitive Defizite war die Dauer des Delirs auf der Intensivstation. Pandharipande fordert seine Kollegen deshalb auf, das Delir nicht als Begleiterscheinung zu verharmlosen, sondern als Gefahr für eine bleibende Hirnschädigung zu sehen. Leider gibt es derzeit keine Möglichkeit, die Dauer des Delirs zu verkürzen, eine frühere Mobilisierung und eine Verkürzung der Beatmung auf das notwendige Maß könnten ein Ansatz sein, glaubt Pandharipande.

Die Auswirkungen auf die Delirfolgen sind jedoch kaum untersucht. Die symptomatische Therapie des Delirs mit Sedativa und Analgetika kann kognitive Defizite nicht verhindern, scheint nach den vorgestellten Daten die Situation aber auch nicht zu verschlechtern. © rme/aerzteblatt.de

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