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Medizin

Fäkal-Pillen stoppen C. difficile

Dienstag, 8. Oktober 2013

Calgary – Zahlreiche Fallserien und mindestens eine randomisierte klinische Studie haben in den letzten Jahren gezeigt, dass die Transplantation menschlicher Faeces den Darm von Patienten mit Clostridium-difficile-assoziierter Diarrhö (CDAD) sanieren kann. Kanadischen Infektiologen ist dies jetzt auch mit selbst produzierten Fäkal-Pillen gelungen.

Das Team um Thomas Louie von der Universität in Calgary berichtete auf der Jahrestagung der Infectious Diseases Society of America (IDWeek 2013) in San Francisco über 27 Patienten mit CDAD. Alle schluckten 24 bis 34 Gelatinekapseln mit Fäkalbakterien von gesunden Spendern, darunter vielfach Familienmitgliedern.

Die Darmbakterien in den Kapseln hatten die Forscher zuvor von anderen Bestandteilen der Faeces getrennt. Alle Patienten wurden durch die Behandlung von ihrer CDAD kuriert, versichert Louie, dem aufgrund zahlreicher anderer Fallberichte Glauben geschenkt werden kann.

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Zuvor hatte Louie 28 CDAD-Patienten die Darmbakterien auf konventionelle Weise über eine Magensonde appliziert, die bis in den oberen Dünndarm vorgeschoben wurde. Auch diese Therapie, die auf nicht Beteiligte abstoßend wirken mag, wurde von den meisten Patienten, die zuvor unter häufigen und schmerzhaften Durchfällen gelitten hatten, toleriert.

Auf einer visuellen Analogskala von 0 bis 10 bewerteten die Patienten später ihre allgemeine Zufriedenheit mit 9,6 Punkten und die Behaglichkeit der Fäkaltransplantation mit 9,9 Punkten. Ebenso hoch stuften sie die Wahrscheinlichkeit ein, die Therapie Familienmitgliedern oder Freunden zu empfehlen.

Den Zulassungsbehörden bereitet die Idee, Patienten absichtlich mit einer Mischung von teilweise unerforschten Bakterien zu behandeln, natürlich Kopfzerbrechen. Die US-Kon­trollbehörde FDA hat zwar jüngst beschlossen, die Heilversuche zu tolerieren, sofern die Patienten ausführlich auf mögliche Risiken hingewiesen würden.

Auf längere Sicht dürfte es aber zu Auflagen kommen und zur Forderung, die Zusammensetzung der Fäkal-Pillen zu standardisieren. Dies ist im Prinzip möglich, da sich die einzelnen Darmbakterien unter kontrollierten Bedingungen im Labor vermehren lassen. Ob die auf diese Weise hergestellten Präparate aber in der Wirkung und im Preis mit den kostenlos in unbegrenzter Menge verfügbaren Stuhlproben konkurrieren könnten, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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