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Ausland

Klagen gegen Boehringer Ingelheim in Frankreich eingereicht

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Paris – Der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sieht sich Klagen wegen fahrlässiger Tötung in Frankreich gegenüber. Die Familien von vier zu Beginn dieses Jahres verstorbenen Senioren, die den neuen Gerinnungshemmer Pradaxa einnahmen, reichten Klage gegen das Unternehmen ein, wie ihr Anwalt Philippe Courtois am Mittwoch mitteilte. Die Familien wollen demnach auch rechtlich gegen die französische Arzneimittelaufsichtsbehörde vorgehen.

Die Arzneimittelbehörde ANSM hatte erst vor wenigen Wochen davor gewarnt, dass es bei der Einnahme von Gerinnungshemmern der neuen Generation zu schweren Blutungen kommen könne. Sie bemängelte zudem, Ärzte seien über dieses Risiko nicht ausreichend informiert. Eine Sprecherin des Unternehmens in Frankreich erklärte am Mittwoch als Reaktion auf die Klagen, Boehringer Ingelheim arbeite „aktiv“ mit den zuständigen Behörden zusammen. 

Anwalt Courtois sagte, das Risiko von Blutungen sei bei Gerinnungshemmern der neuen Generation in der Regel nicht höher als bei herkömmlichen Gerinnungshemmern, sogenannten Vitamin-K-Antagonisten. Anders sei dies aber bei älteren Menschen. „Man sollte ihnen kein Pradaxa geben.“ Laut der Klageschrift ist der Wirkstoff vor allem bei geschwächten Patienten nicht ausreichend erforscht.  

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Die Kläger bemängeln zudem, dass es kein Gegenmittel gebe, um bei einer Blutung die gerinnungshemmende Wirkung des Medikaments zu stoppen. Eine akute Blutung bei Patienten, die herkömmliche Gerinnungshemmer genommen hätten, ließe sich dagegen durch Verabreichung von Vitamin K stoppen. Boehringer Ingelheim hätte „viele Todesfälle verhindern können“, wenn es parallel zu Pradaxa auch ein Gegenmittel auf den Markt gebracht hätte. Den Patienten würden in der Verpackungsbeilage „Informationen von größter Wichtigkeit“ vorenthalten.

Der Arzneimittel-Behörde ANSM werfen die Kläger vor, Vorsichts- und Vorbeugungs­prinzipien missachtet zu haben. Zugleich rief Anwalt Courtois dazu auf, Pradaxa nicht ohne ärztlichen Rat abzusetzen.  

Auf mögliche gefährliche Nebenwirkungen von Pradaxa ist immer wieder hingewiesen worden. Boehringer Ingelheim selbst wies im November 2011 auf 260 verdächtige Fälle von Blutungen in Deutschland in einem Zeitraum von dreieinhalb Jahren hin. In den USA wurden bereits im vergangenen Jahr Klagen gegen Boehringer Ingelheim wegen des Medikaments eingereicht. © afp/aerzteblatt.de

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