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Politik

Psychisch Kranke in Deutschland unterversorgt

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Berlin – Psychisch Kranke sind in Deutschland unterversorgt. Darauf haben die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Nervenheilkunde und Psychosomatik (DGPPN) und der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) am heutigen Internationalen Tag der Seelischen Gesundheit hingewiesen.

DGPPN-Präsident Wolfgang Maier fordert „die Bedürfnisse psychisch erkrankter Menschen stärker zu berücksichtigen. Nur wenn es uns gelingt, Prävention, Versorgung, und Erforschung von psychischen Erkrankungen zu verbessern, können wir auch die enormen Lasten reduzieren. Die Politik ist aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen!“

Kritisch sieht die Fachgesellschaft das geplante krankenhausbezogene Psych-Entgeltsystem in der Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP), das auf Tagespauschalen beruht. „In psychiatrischen und psychotherapeutischen Kliniken ist in Zukunft eine merkliche Eingrenzung von Therapieangeboten zu erwarten“, warnte die Fachge­sellschaft.

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Bereits in den vergangenen Jahren sei es zu einer deutlichen Leistungsverdichtung an den Kliniken gekommen. Die Fallzahlen hätten sich erhöht, während die Verweildauer zurückgegangen sei. Das neue Entgeltsystem werde die Situation verschärfen, weil es unabhängig vom individuellen Behandlungsbedarf vorsehe, dass die Tagespauschalen sinken sollen, wenn die Behandlung länger dauert.

Prekär ist die Situation auch im ambulanten Bereich: Menschen mit psychischen Erkrankungen müssen oftmals mehr als drei Monate auf einen Facharzttermin oder Psychotherapieplatz warten. Grund dafür ist ein Abrechnungssystem mit Quartals­pauschalen ohne Rücksicht auf die individuelle Bedarfslage und die ärztliche Leistungserbringung im Einzelfall.

Leidtragende sind Schwerkranke, die eine umfassendere Behandlung benötigen. Frank Bergmann, Vorsitzender des BVDN, fordert rasche und nachhaltige Maßnahmen: „Die Vergütung für Fachärzte im ambulanten Bereich muss auf Einzelleistungsbasis erfolgen, nur so können wir die Unterversorgung in den Griff bekommen. Gleichzeitig müssen wir die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Fachärzten, Psychotherapeuten und Pflege verbessern.“ © hil/aerzteblatt.de

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