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Politik

Genzyme will neues MS-Mittel über IV-Verträge in den Markt bringen

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Berlin – Das Unternehmen Genzyme, eine Tochter der Sanofi-Gruppe, möchte mit Krankenkassen Verträge zur Integrierten Versorgung (IV) zur Therapie von multipler Sklerose (MS) mit dem Wirkstoff Alemtuzumab abschließen. Das kündigte die Geschäftsführerin von Genzyme Deutschland, Martina Ochel, am Dienstag in Berlin an.

Alemtuzumab bindet an das Leukozytenantigen CD52. Der monoklonale Antikörper war seit 2001 zur Behandlung von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie vom B-Zell-Typ (B-CLL) zugelassen, für die eine Fludarabin-Kombinations­chemotherapie unangemessen ist.

Für Aufsehen sorgte im August 2012, dass Genzyme den unter dem Namen MabCampath® vertriebenen Wirkstoff vom Markt nahm, da sich ein Nutzen in der Therapie von multipler Sklerose abzeichnete. Nun hat die Europäische Zulassungs­behörde EMA Alemtuzumab im vergangenen Monat unter dem Namen Lemtrada® für die Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig-remittierender MS mit aktiver Erkrankung zugelassen.

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In den Phase-III-Studien habe sich frühzeitig eine deutliche Reduktion der Krankheits­schübe im Vergleich zu der heutigen Standardtherapie mit Interferon beta-1a (Rebif®) ergeben, erklärte Ludger Rosin von Genzyme Deutschland. Auch die Verabreichung von Lemtrada® sei für die Patienten angenehmer. Während Rebif® subkutan zwei bis drei Mal pro Woche appliziert werden müsse, werde Lemtrada® – im ersten Behandlungsjahr an fünf Tagen hintereinander, im zweiten an drei Tagen – als Infusion gegeben. Für die meisten Patienten sei die Behandlung damit bereits abgeschlossen. 

Deutliche Kritik übten Arzneimittelexperten allerdings an dem Preis, den Genzyme für Lemtrada® verlangt. Musste für MabCampath® 21 Euro je Milligramm gezahlt werden, fallen für ein Milligramm Lemtrada® nun 887 Euro an. „Völlig überzogen“, nannte der Vorsitzende der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, diesen Preis.

Genzyme argumentiert hingegen, Lemtrada® wirke über drei, vielleicht sogar über fünf Jahre, während andere Therapeutika regelmäßig gegeben werden müssten. „Bei der Errechnung der Kosten für Lemtrada haben wir uns mit der existierenden Standard­therapie verglichen, gegenüber der wir einen Zusatznutzen haben, wie die Studiener­gebnisse zeigen. Deshalb können wir auch einen höheren Preis verlangen“, so Ochel.  

Gerne würde Genzyme nun eine Nutzenbewertung in Anlehnung an das Verfahren gemäß Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetz (AMNOG) durchführen lassen, in der Hoffnung, vom Gemeinsamen Bundes­aus­schuss einen Zusatznutzen anerkannt zu bekommen. Weil Alemtuzumab jedoch keinen Unterlagenschutz mehr besitzt, ist dies nicht möglich.   

Aus diesem Grund will Genzyme den Krankenkassen IV-Verträge anbieten, die über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren laufen und die Besonderheiten der Therapie mit Lemtrada® berücksichtigen sollen. Darin könnten zum Beispiel auch Nachbeobach­tungen enthalten sein, so Ochel. In jedem Fall liege das Thema, dass sich Altsubstanzen für neue Indikationen eignen, nun auf dem Tisch und es müsse grundsätzlich geklärt werden, wie damit umzugehen sei. © fos/aerzteblatt.de

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