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Medizin

Blasenkrebs: Genmutation verhindert invasives Wachstum

Montag, 14. Oktober 2013

Washington – Genveränderungen gehen in Krebszellen häufig mit einer Verschlech­terung der Prognose einher. Nicht so beim Gen STAG2, dessen Ausfall in zwei Studien in Nature Genetics (2013; doi: 10.1038/ng.27999 und 2800) einen günstigen Verlauf eines Blasenkarzinoms anzeigte.

Die meisten Blasenkarzinome sind oberflächliche Tumore, die bei einer Blasenspie­gelung, der Zystoskopie, entfernt werden können. Nur ein kleiner Anteil zeigt ein aggressives Verhalten, das schließlich eine Entfernung der Blase, die Zystektomie, erforderlich macht. Bisher ist es nicht möglich, das Verhalten des Tumors vorherzusagen, weshalb regelmäßige Kontroll-Zystoskopien notwendig sind.

Ein Test auf das Gen STAG2 könnte die Entscheidung künftig erleichtern. Todd Waldman vom Georgetown University Medical Center in Washington/D.C. hat jetzt heraus­gefunden, dass Tumoren, in denen das STAG2-Gen mutiert ist, nur selten zu Rezidiven neigen (12 Prozent versus 58 Prozent in einer Serie von 34 Patienten).

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Die Forscher haben bereits einen Test entwickelt, mit dem Pathologen die STAG2-Inaktivierung im Tumor nachweisen können. Der Test fiel bei 36 Prozent von nicht-invasiven Harnblasenkarzinomen positiv aus gegenüber einer Rate von 16 Prozent bei invasiven Harnblasenkarzinomen.

Ein positives Testergebnis könnte deshalb eine günstige Prognose anzeigen, und die Frequenz der Nachuntersuchungen könnte möglicherweise gesenkt werden. Aufgrund der geringen Fallzahl muss die klinische Eignung sicherlich noch in weiteren Studien überprüft werden.

Auch das Team um Francisco Real vom Spanischen Krebsforschungsinstitut CNIO (Centro Nacional de Investigaciones Oncológicas) in Madrid ist bei seinem Forschungen zum Blasenkrebs, der in Spanien die weltweit höchste Inzidenz hat, auf STAG2 gestoßen.

Die Forscher hatten das gesamte Genom von 17 Blasenkarzinomen sequenziert. Unter den neun mutierten Genen befand sich auch STAG2. Es war in einer Untersuchung von 60 weiteren Tumoren bei fast 40 Prozent der weniger aggressiven Tumore inaktiviert.

Wie STAG2 ein aggressives Wachstum des Tumors verhindern kann, ist unklar. Das Gen kodiert Teile des Proteins Cohesin, das bei der Mitose eine Rolle spielt. Bislang dachte man, seine Aufgabe wäre die Vermeidung von Fehlverteilung von Chromosomen bei der Zellteilung. Doch die Untersuchungen von Real ergaben jetzt, dass Mutationen von STAG2, die nachweisbar zum Ausfall von Cohesin führen, keine Aneuploidie verursachen. Real vermutet deshalb, dass STAG2 noch eine andere Funktion hat. © rme/aerzteblatt.de

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