NewsMedizinPränatale Steroidgabe: Keine Vorteile bei mehrfacher Gabe
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Pränatale Steroidgabe: Keine Vorteile bei mehrfacher Gabe

Dienstag, 15. Oktober 2013

Toronto – Die pränatale Gabe von Steroiden kann bei einer drohenden Frühgeburt die Entwicklung der fetalen Lungen fördern und so die Überlebenschancen des Neuge­borenen verbessern. Eine wiederholte Therapie hatte in einer kanadischen Studie keine Vorteile, wie die Nachuntersuchung der Kinder im Alter von 5 Jahren zeigt, die jetzt in JAMA Pediatrics (2013; doi: 10.1001/jamapediatrics.2013.2764) veröffentlicht wurde.

Die pränatale Gabe von Betamethason oder Dexamethason soll die abschließende Lungenreifung induzieren und ein Atemnotsyndrom verhindern, das eine häufige Komplikation nach Frühgeburten ist. Die beste Wirkung wird erzielt, wenn zwischen der ersten Gabe und der Geburt mindestens 48 Stunden liegen. So weit lassen sich Frühgeburten jedoch nicht immer vorhersagen, und bei jeder zweiten Risiko-Schwangeren erfüllt sich die Prognose einer Frühgeburt nicht. In diesem Fall stellt sich für Geburtshelfer die Frage, ob die Steroidgabe regelmäßig wiederholt werden sollte, oder ob dies dem Kind eher schadet.

Dies war Gegenstand der placebo-kontrollierten Multiple Courses of Antenatal Corticosteroids for Preterm Birth Study (MACS), an der 1.858 Schwangere mit erhöhtem Risiko einer Frühgeburt teilnahmen. Die Hälfte der Frauen wurde seinerzeit nur einmal mit Steroiden behandelt, während die Therapie bei den anderen Schwangeren alle vierzehn Tage wiederholt wurde.

Anzeige

Eine frühere Publikation in Lancet (2008; 372: 2143-2151) hatte gezeigt, dass die wiederholte Steroidgabe das fetale Wachstum behindern kann. Die Kinder kamen mit einem niedrigeren Geburtsgewicht und kleinerer Körpergröße zur Welt und hatten einen geringeren Kopfumfang.

In der MACS war vorgesehen, dass die Kinder im Alter von 2 und 5 Jahren nachuntersucht werden. Die Ergebnisse im Alter von 2 Jahren wurden bereits publiziert (Pediatrics 2010; 126: e1045-55). Jetzt liegen auch die Ergebnisse zum Entwicklungsstand der Kinder im Vorschulalter vor. Sie zeigen keinerlei Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Der primäre Endpunkt aus Tod oder schweren neurologischen Behinderungen wurde nach mehrfacher Gabe antenataler Steroide bei 217 von 871 Kindern (24,9 Prozent) erreicht gegenüber 210 von 848 Kindern (24,8 Prozent) in der Vergleichsgruppe mit einmaliger antenataler Steroidgabe.

Auch in den sekundären Endpunkten wie Körpergröße und -gewicht, Kopfumfang, Blutdruck, Intelligenzquotienten und spezifischen kognitiven Fähigkeiten (visuell, räumlich und sprachlich) gab es keine Unterschiede. Die mehrfache Steroidgabe hat demnach den Kindern nicht geschadet, schreibt Elizabeth Asztalos vom Sunnybrook Health Sciences Centre in Toronto, sie habe ihnen aber auch nicht genutzt.

Die Neonatologin spricht sich deshalb weiterhin gegen den wiederholten Einsatz der antenatalen Steroide aus. Ihrer Ansicht nach sollten Frauen mit drohender Frühgeburt nur ein einziges Mal mit Steroiden behandelt werden. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER